Ausbeutbare Komplizen
Wadephuls Afrikatriade
Drei sehr unterschiedliche Staaten des afrikanischen Kontinents will der deutsche Außenminister in dieser Wochenhälfte bereisen: Mauretanien, Nigeria und Südafrika. Das Klima dort, ebenso wie Gesellschaft und Geschichte, unterscheiden sich doch sehr erheblich.
Wohl in Erwartung solcher Einwände reagiert das Auswärtige Amt prophylaktisch und sucht in diesen »drei sehr unterschiedlichen Regionen« nach Einheit: »Zugleich stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen: Wir alle profitieren von fairen Handelspartnerschaften und frei befahrbaren Seewegen, benötigen eine zuverlässige Versorgung mit kritischen Rohstoffen, wollen die Chancen geordneter Migration nutzen und unsere Lebensgrundlagen gegen Klimawandel schützen.«
Das bedeutet vor allem, dass das, was die drei Staaten – aus Sicht Wadephuls – miteinander verbindet, primär das Interesse der deutschen und europäischen Herrschenden betrifft. Dabei bedeuten »faire Handelspartnerschaften« und Schutz gegen Klimawandel vor allem, dass »wir« ihnen weiterhin günstig Rohstoffe abpumpen oder abgraben möchten; heute Erdöl wie in Nigerias Süden, morgen vielleicht sogenannten grünen Wasserstoff. Im Falle Südafrikas wiederum geht es um metallische Rohstoffe.
»Die Chancen geordneter Migration« verweisen dagegen darauf, dass man die Unerwünschten draußen halten will – und dabei hofft, Länder wie just Mauretanien in Gendarmen und Grenzwächter der EU verwandeln zu können, auch wenn ein solches Land nicht unmittelbar an Unionsterritorium grenzt –, gleichwohl der Weg von mauretanischem Staatsgebiet zu den Kanarischen Inseln ein relativ kurzer ist.
2024 unterzeichnete die Europäische Union eine »Partnerschaft« mit den Regierungen in der mauretanischen Kapitale Nouakchott, wo Wadephul am Montag seine Visiten in Afrika begann, und Dakar, der Hauptstadt des benachbarten Senegal. 210 Millionen Euro sollen in diesem Rahmen an beide Staaten fließen, beide sollen Migration bereits am südlichen Grenzfluss Mauretaniens – er heißt Senegal wie das Nachbarland – aufhalten. 30.000 Menschen sollen dabei allein von Januar bis Mai 2025 gestoppt worden sein, mittels Grenzpatrouillen und Schnellbooten. Erwartbar war, dass es dabei auch zu Exzessen kommen würde. So berichtete der Sender Africa News vor zehn Monaten von »schweren Menschenrechtsverletzungen« und dem herbeigeführten Kentern von Migrantenbooten.
Mauretanien hat die Sklaverei als letztes Land der Erde erst im Jahr 1981 abgeschafft. Offiziell. Verzichtet hat die arabisch-berberische Oberschicht jedoch nicht auf herkömmliche Umgangsformen mit der schwarzen Bevölkerung im Süden des Landes. Zwischen 1,2 Prozent und rund zwei Prozent der Gesamtbevölkerung beziehungsweise zwischen 43.000 und 90.000 Menschen leben derzeit noch unter den Bedingungen der Sklaverei. Das sollte doch ein Thema sein, das Wadephul in Nouakchott anspricht. Wird er?
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