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Nahostkonflikt

USA spielen gegen Iran auf Zeit

Washington ignoriert Waffenruhe und schaltet zur möglichen Vorbereitung einer Bodenoffensive Abwehranlagen aus

Foto: Amirhosein Khorgooi/REUTERS
Den Verkehr an der Meerenge von Hormus kontrolliert jetzt Iran – auch wenn die USA das bisher nicht zugeben wollen (Bandar Abbas, 1.6.2026)

Seit Freitag nachmittag haben die USA und Iran innerhalb weniger Tage mehrfach militärische Einrichtungen der jeweils anderen Seite angegriffen – während beide Kriegsgegner formell an einer seit April geltenden Feuerpause festhalten. Den Auftakt bildete der Abschuss einer US-amerikanischen MQ-1-Drohne nahe der Insel Gheschm – laut iranischen Angaben im eigenen Luftraum, nach US-Darstellung über internationalen Gewässern. Den vorläufigen Abschluss bildeten Angriffe der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) auf eine Luftwaffenbasis in Kuwait am Montag morgen.

Die Zielwahl ist dabei bemerkenswert: Die US-Streitkräfte haben ausschließlich Radar- und Luftverteidigungsanlagen, Drohnenkontrollstationen sowie einen Kommunikationsturm auf der Insel Sirik angegriffen – alles Schlüsselkomponenten, die Iran zur Überwachung und Kontrolle der Straße von Hormus benötigt. Washington bestätigte Angriffe auf Radarstellungen und eine Bodenstation zur Drohnenkontrolle, auch seien zwei Kamikazedrohnen in Goruk und auf Gheschm zerstört worden. Die IRGC ihrerseits trafen eine US-Luftwaffenbasis auf kuwaitischem Territorium, die sie als Ausgangspunkt des Sirik-Angriffs identifiziert hatten – ­Kuwait aktivierte die Luftverteidigung und verurteilte die Schläge.

Die USA folgen dabei einer Logik, v die über taktische Provokationen hinausweist: Wer systematisch Radar, Luftverteidigung und Kommunikationsinfrastruktur ausschaltet, könnte eine größere Operation vorbereiten, und zwar in diesem Fall möglicherweise eine Bodenoffensive im Iran. Schritt für Schritt wird so Irans Fähigkeit geschwächt, die dazu erforderliche amphibische Landung an seiner Küste am Golf von Oman rechtzeitig zu erkennen und abzuwehren.

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Die seit April geltende Feuerpause liefert dafür den geeigneten Rahmen: Unter dem Deckmantel laufender Verhandlungen – Washington schiebt immer neue und wild mäandernde Forderungen nach, beschuldigt Teheran des Bruchs der Waffenruhe und hält die Seeblockade aufrecht – werden die iranischen Verteidigungsfähigkeiten kontinuierlich geschwächt. Washington deutet dabei jeden Angriff zur Selbstverteidigung um – bisher ohne internationale Konsequenzen.

Irans Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf warf Washington am Montag explizit vor, die Waffenruhe zu brechen – unter anderem durch die fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen. Der Verhandlungsprozess läuft – aber parallel zu konkreten Kriegsvorbereitungen, nicht anstelle davon. Das diplomatische Tableau könnte dabei eine eigenständige Funktion erfüllen: Es hält die Feuerpause formal am Leben, während Washington militärisch Tatsachen schafft und einer größeren Operation den Weg bereitet.

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.06.2026, Seite 6, Ausland

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