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Iran

Endloser Golfkonflikt

Washington löst neue Angriffswelle auf Iran aus und erwägt Ausweitung des Kriegs durch Bodenoperation. Ölpreise im Höhenflug

Foto: U.S. Central Command/Handout via REUTERS
Im Visier der US-Armee: Iranisches Militärfahrzeug mit Drohne (15.7.2026)

Erneut haben US-Kampfjets in der Nacht auf Donnerstag iranische Hafenstädte am Golf von Oman angegriffen. Teheran reagierte derweil mit Vergeltungsschlägen gegen US-Stützpunkte in Kuwait, Jordanien und Bahrain, wie Reuters berichtet. Nach eigenen Angaben der Iranischen Revolutionsgarden richteten sich die Schläge gegen mehrere Ziele: darunter ein Frühwarnradar des sogenannten C-RAM-Abwehrsystems, ein Sammelpunkt US-amerikanischer Soldaten auf der Ali-Al-Salem-Basis in Kuwait, ein neu errichtetes Führungszentrum und eine Wartungshalle für Kampfjets auf der Luftwaffenbasis Al-Asrak in Jordanien sowie gegen einen Überwachungsradar und eine Betankungsanlage für Kampfflugzeuge auf dem Stützpunkt Scheich Issa in Bahrain.

Es war bereits die fünfte US-Angriffswelle in Serie seit vergangener Woche. Washington will seine am Dienstag erneut verhängte Seeblockade iranischer Häfen durchsetzen. Die parallel dazu andauernden Angriffe auf iranische Luftabwehr-, Radar- und Raketenstellungen dienen nach Angaben mehrerer US-Offizieller gegenüber Reuters weniger der Vergeltung als, »falls nötig«, der systematischen Vorbereitung größerer Operationen.

Laut Reuters sind zwei Optionen für eine mögliche Ausweitung im Gespräch: eine Bodenoperation zur Kontrolle iranischer Ölinfrastruktur am Golf sowie ein Angriff auf eine unterirdisch verbunkerte Anlage, die zum iranischen Nuklearprogramm gehört und in US-Kreisen unter dem Codenamen »Pickaxe Mountain« geführt wird.

Als Ziel einer möglichen Bodenoperation gilt demnach die Insel Kharg im Persischen Golf, über die rund neunzig Prozent der iranischen Ölexporte laufen. Militärisch wäre ein solcher Angriff allerdings bedenklich: Kharg liegt in unmittelbarer Reichweite iranischer Küstenverteidigung und Raketenartillerie vom nahen Festland. Realistischer erscheint ein Angriff von Irak oder Kuwait oder von Tschahbahar aus, einem iranischen Hafen außerhalb der Straße von Hormus, wo die Verteidigungsdichte deutlich geringer ausfällt.

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Dabei räumte US-Präsident Donald Trump zuletzt ein, Iran verfüge weiterhin über die Fähigkeit, sich zu wehren. Nach fast fünf Kriegsmonaten steht damit kein Ende der Kampfhandlungen in Sicht, wohl aber eine wachsende dauerhafte US-amerikanische Militärpräsenz in der Golfregion. Just in dieser Phase genehmigte das US-Außenministerium Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien und Kuwait im Umfang von rund 1,96 Milliarden beziehungsweise 484 Millionen US-Dollar, die neben Waffensystemen auch langfristige Wartungs- und Ausbildungsverträge umfassen. Die Straße von Hormus offenzuhalten ist offiziell erklärtes Ziel US-amerikanischer Politik – der Befund vor Ort deutet jedoch eher darauf hin, dass Washington von einem dauerhaft instabilen, nur durch eigene Präsenz politisch verwertbaren Nadelöhr profitiert statt von dessen tatsächlicher Befriedung.

Wie stark der Schiffsverkehr eingebrochen ist, zeigen die Zahlen der vergangenen Wochen. Durchquerten die Straße von Hormus vor Kriegsbeginn täglich zwischen 125 und 140 Schiffe, waren es zuletzt nur noch sieben bis dreizehn. Reedereien weichen zunehmend aus: Saudi-Arabien hat mehr als siebzig Prozent seiner täglichen Rohölexporte auf den Rotmeerhafen Janbu umgeleitet. Indien wiederum untersagte seinen Seeleuten jede Durchfahrt durch die Straße, nachdem zwei von ihnen bei Angriffen in der Region ums Leben gekommen waren. An den Ölmärkten bewegt sich der Preis für die Sorte Brent derzeit wieder nahe der Marke von 85 US-Dollar je Barrel. Angesichts der neuerlichen Eskalation kam es zuletzt wiederholt zu Ausschlägen nach oben. Analysten von Goldman Sachs halten einen Anstieg auf über 110 US-Dollar im vierten Quartal für möglich, sollten die Exporte aus der Golfregion weiter eingeschränkt bleiben.

Der Ölpreis könnte sogar noch weiter steigen, denn ein Ende der US-Aggression ist nicht in Sicht. Eine Analyse der New York Times stellt die aktuelle Konfrontation bereits in den historischen Rahmen früherer US-amerikanischer Kriege. Trump sei mit dem Versprechen angetreten, Kriege zu beenden, statt neue zu beginnen – nun zeigt die Konfrontation mit Iran ausgerechnet jene Merkmale, die frühere US-Kriege in Vietnam, Irak und Afghanistan in die Länge gezogen haben. Der Kriegsforscher Lawrence Freedman vom King’s College London verweist demnach auf die »Kurzkriegsfehleinschätzung«: Große Mächte gingen wiederholt davon aus, schnell gewinnen zu können, setzten sich aber Ziele, die sich nur durch lange Kriegführung überhaupt erreichen ließen.

Genau darin liegt die strategische Brisanz der aktuellen Lage. Washington erklärt, die Straße von Hormus offenhalten zu wollen, trägt mit seinen Angriffen aber selbst dazu bei, dass dieser Seeweg immer unsicherer wird. Aus einem globalen Handelsweg wird so eine dauerhaft militarisierte Konfliktzone – und aus dem offiziell begrenzten Ziel der Sicherung freier Schiffahrt ein Krieg, dessen politische und militärische Grenzen immer weiter verschwimmen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 17.07.2026, Seite 7, Ausland

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