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Der andere Leo
Papst lässt im Spanienkrieg ums Leben gekommene Katholiken als Märtyrer seligsprechen
Bei der Vorstellung seiner Enzyklika »Magnifica humanitas« am Pfingstmontag hat Papst Leo XIV. die Menschenrechte und die Achtung des Völkerrechts beschworen. Noch kurz vorher hatte er am Freitag der Seligsprechung von 80 während des Spanischen Krieges 1936–39 ums Leben gekommenen Katholiken als Märtyrer zugestimmt. Er folgte damit dem Beispiel des deutschen Papstes Benedikt XVI., der am 28. Oktober 2007 gleich 498 Katholiken seliggesprochen hatte, die damals Opfer religiöser Verfolgung geworden sein sollen.
Es reicht, dazu die Geschichte selbst zu Wort kommen zu lassen: Am 16. Februar 1936 errang die aus der republikanischen Linken, Sozialisten und Kommunisten bestehende Volksfront in Spanien bei den Cortes-Wahlen einen überwältigenden Sieg. Darauf putschte am 17. Juli der General José Sanjurjo von der Kolonie Spanisch-Marokko aus. Nachdem Sanjurjo bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückt war, riss Francisco Franco die Führung an sich.
Zwar brach der klerikalfaschistische Staatsstreich auf dem Festland in den meisten Garnisonsstädten am Widerstand der Volkskräfte zusammen. Sein Scheitern wurde aber durch die sofortige bewaffnete Intervention Nazideutschlands und des faschistischen Italiens verhindert. Der damalige Papst Pius XI. wandte sich zur Unterstützung der Putschisten an die Weltöffentlichkeit und arbeitete mit Mussolini und Hitler zusammen. Die spanische Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica feierte am 2. Januar 1937 die Putschisten für ihre »hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung«. Die klerikalfaschistische Organisation Opus Dei (Werk Gottes) entsandte acht Mitglieder in die Regierung des »Caudillo«. Der Klerus jubelte ihm zu und entbot ihm den »Führergruß« Hitlers und Mussolinis.
Die Franco-Faschisten und ihre deutschen und italienischen Helfershelfer begannen eine erbarmungslose Menschenjagd. Der Weg der Franco-Truppen »ist von Massenmorden gezeichnet«, hielt der Interbrigadist Fritz Teppich fest. In Badajoz an der portugiesischen Grenze ließ der Kommandeur der marokkanischen Truppen, General Juan Yagüe, niedermetzeln, was seinen Söldnern als angebliche Republikaner vor die Gewehre kam. Die Opfer »wurden in die Stierkampfarena getrieben und dort mit Maschinengewehren zusammengeschossen«, heißt es in dem 1996 von Teppich herausgegebenen Buch »Spaniens Himmel«.
Georges Bernanos, französischer Schriftsteller und gläubiger Katholik, berichtete: In der kleinen Stadt Manacor auf Mallorca waren zweihundert Einwohner von den Italienern »mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und schubweise auf den Friedhof gebracht worden, wo man sie mit Kopfschüssen niederstreckte und ein Stück weiter auf einem Haufen verbrannte«. Der Erzbischof hatte einen »Geistlichen gesandt, der, mit den Schuhen im Blute watend, jeweils zwischen zwei Salven Absolution erteilte«. Andere wurden mit Lastwagen zu einem einsamen Feldweg gefahren. »Sie steigen ab, stellen sich in Linie auf, küssen eine Medaille oder auch nur den Nagel des Daumens. Peng! Peng! Peng!« schrieb Bernanos 1938 in seinem Werk »Die großen Friedhöfe unter dem Mond«.
Der Priester Iñaki de Aberrigoyen, der im September 1936 wegen seiner seelsorgerischen Tätigkeit in der baskischen »Arbeitersolidarität«, die keinerlei politische Ziele verfolgte, eingekerkert worden war, schildert in seinem 1939 erschienenen Buch »Sieben Monate und sieben Tage in Francos Spanien«, wie er Gefängnis, Folter und Massenhinrichtungen erlebte. Sowohl die zuständigen Generalvikariate als auch der Erzbischof von Pamplona schwiegen zu den Verbrechen. Aberrigoyen legte dar, wie Francos Truppen im Baskenland eine gnadenlose Jagd auf Volksfrontanhänger und auf Geistliche begannen, die sich nicht sofort dem Putsch anschlossen. Die Volksfrontregierung tastete dagegen die Kirche zunächst nicht an. Erst nach den Massakern an ihren Anhängern, an denen sich die Geistlichkeit beteiligte, kam es laut Aberrigoyen zu Übergriffen – deren Opfer nun von Papst Leo zu Märtyrern deklariert werden.
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