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20.05.2026
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Piratenakt
Israelischer Angriff auf Gaza-Flotte
Erneut hat die israelische Armee Dutzende Schiffe einer Hilfsflotte mehr als 250 Seemeilen von der Küste Gazas entfernt abgefangen. Die Soldaten verschleppten in internationalen Gewässern vor Zypern rund 250 Besatzungsmitglieder und Aktivisten aus rund 40 Ländern auf ein »schwimmendes Gefängnis«.
Seit 2010 wurden bereits rund ein Dutzend Schiffskonvois nach Gaza von der israelischen Armee gestoppt. Dass es nach dem Überfall auf die Fähre »Mavi Marmara« im Jahr 2010, bei dem zehn türkische Aktivisten getötet wurden, nicht zu weiteren Toten kam, ist vor allem dem Prinzip der Gewaltlosigkeit nachfolgender Flottillenteilnehmer geschuldet, die bewusst keinen Widerstand leisteten.
Jordanien, Indonesien, Pakistan, Brasilien, die Türkei, Bangladesch, Kolumbien, Libyen, die Malediven sowie aus der EU die spanische und irische Regierung verurteilten am Dienstag die israelischen Angriffe auf die Global Sumud Flottilla. Von der Bundesregierung, die vor zwei Jahren angesichts der Angriffe der jemenitischen Ansarollah auf Handelsschiffe im Roten Meer noch die eigene Marine zum Schutz der »Freiheit der Schiffahrt« entsandt hatte, fehlt dagegen jedes Wort der Kritik am israelischen Piratenakt, der sich auch gegen deutsche Staatsbürger richtet.
Verräterisch ist die Wortwahl: Wer – wie die Nachrichtenagentur dpa und ein Großteil der Mainstreammedien – die gewaltsame Entführung der Schiffsbesatzungen mit dem juristisch-polizeilichen Begriff einer »Festnahme« verharmlost, macht sich damit den israelischen Standpunkt zu eigen, wonach bereits die Seeblockade gegen Gaza rechtmäßig ist. Der Medienkritiker Fabian Goldmann spricht hier zu Recht vom »Staatsräsonfunk«.
Oft wird angemerkt, dass sich auf den Schiffen nur geringe Mengen Hilfsgüter befinden. Wer so argumentiert, verkennt das nicht rein humanitäre, sondern politische Ziel der Global Sumud Flottilla, die seit zwei Jahrzehnten bestehende Hungerblockade gegen Gaza zu brechen. Da dies mit kleinen Segelbooten allein nicht gelingen kann, soll das Thema im internationalen Bewusstsein gehalten werden, um weiter Druck auf den zionistischen Staat aufzubauen und zugleich der Bevölkerung des kriegsverwüsteten Küstenstreifens zu signalisieren, dass sie nicht allein gelassen wird. Das arabische Wort »Sumud« bedeutet »Widerstandskraft« oder »Beharrlichkeit«. Und steter Tropfen höhlt bekanntlich den Stein.
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