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Einen Vorwand schaffen

US-Bericht zu Kubas angeblichem Angriffsplan

Von David Siegmund-Schultze
Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
Militärische Vorbereitung der Bevölkerung in Havanna (27.3.2026)

Klein droht groß. Einem Medienbericht zufolge soll die Republik Kuba 300 Militärdrohnen erworben haben und deren Einsatz gegen US-Ziele erwägen, hieß es am Sonntag bei Reuters. Am Tag darauf posaunte dann auch die Welt auf X: »Kuba erwägt laut US-Bericht Drohnenangriffe auf US-Ziele«. Die Nachrichtenplattform Axios hatte das zuerst am Sonntag unter Berufung auf anonyme Geheimdienstquellen gemeldet. Es drängt sich mithin der Eindruck auf, dass aus US-Sicherheitskreisen eine Nachricht lanciert wurde, um das Bild einer kubanischen Bedrohung zu konstruieren. Statt über die Gefahr aus Havanna gibt der Axios-Bericht also vielmehr Aufschluss darüber, wie es um die Angriffspläne Washingtons gegen Kuba bestellt ist, die offenbar propagandistisch vorbereitet werden.

Dass Donald Trumps Finger am Abzug locker sitzt, hat der US-Präsident mit den jüngsten Angriffen auf Venezuela und Iran bereits deutlich gemacht. Während es 2003 noch angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak waren und in Afghanistan Frauenrechte herbeigebombt werden sollten, verzichtete Trump zur Rechtfertigung der Attacken auf Teheran und Caracas auf die Benennung hehrer moralischer Ziele. Im Falle von Venezuela führte Washington ganz offen den Anspruch ins Feld, sich die alleinige Vorherrschaft in der »westlichen Hemisphäre« von niemandem streitig machen zu lassen – kein Staat, der sich nicht den US-Interessen unterordne, soll in der Region Einfluss ausüben dürfen. Dass der im Axios-Bericht zitierte anonyme US-Offizielle von »Angriffsdrohnen« und den »Schurkenstaaten« Iran und Russland spricht, die auf Kuba ihr Unwesen treiben würden, lässt also nichts Gutes ahnen.

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»Kuba ist als nächstes dran«, hatte Trump nach der Entführung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar lapidar gesagt. Angesichts dieser akuten Bedrohungslage bereitet sich die Inselrepublik selbstredend darauf vor, sich zu verteidigen, was auch Kubas Außenminister Bruno Rodríguez unmittelbar nach der Axios-Veröffentlichung betonte. Die kubanische Botschaft in Washington teilte auf X mit, dass mit Lügen und Verzerrungen die »logische Vorbereitung« auf einen möglichen Angriff als etwas Außergewöhnliches dargestellt werde. Um den lang gehegten Wunsch der US-Falken zu verwirklichen, der Souveränität des sozialistischen Kuba mit militärischer Gewalt ein Ende zu setzen, könnten nun schon gewöhnliche Maßnahmen als Vorwand herangezogen werden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.05.2026, Seite 1, Ansichten

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