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Ami go home!

Trump kündigt Truppenabzug an

Foto: Air Force/IMAGO/ZUMA Wire
US-Fallschirmjäger bei einer Übung in Ober-Flörsheim (13.12.2022)

Es ist Zoff unter Freunden: Erst kritisiert Bundeskanzler Merz den US-Präsidenten, keine Strategie für Iran zu haben, also die »Drecksarbeit« nicht zu Ende zu bringen. Dann schießt Trump zurück, Merz solle sich nicht einmischen, sondern sein eigenes »kaputtes Land« in Ordnung bringen und sich auf den Krieg in der Ukraine konzentrieren. Im Zuge dieses Streits »drohte« – so heißt es in deutschen Mainstreammedien – der US-Präsident mit einem Teilrückzug der fast 40.000 amerikanischen Soldaten aus der Bundesrepublik.

Als Drohung muss eine solche Ankündigung einem Kanzler erscheinen, der Repräsentant einer deutschen Kapitalistenklasse ist, die ihr Überleben nach 1945 dem fürsorglichen Schutz der Amerikaner zu verdanken hatte und unter deren Fittichen wieder mächtig wurde. Als Drohung interpretiert einen Truppenabzug auch die sonst auf nationale Souveränität pochende AfD, die Merz ermahnt, im Interesse der deutschen Sicherheit den US-Regenten nicht weiter zu provozieren. Und CSU-Chef Markus Söder hofft gar, dass der »US-Präsident weiter im Interesse der eigenen Streitkräfte handelt und die Präsenz in Deutschland stärkt«, denn die US-Soldaten »fühlen sich sehr wohl in Deutschland«.

Das gilt es zu ändern! Wem es tatsächlich um die Sicherheit Deutschlands, um Frieden in Europa und das Wohl der auch von deutschem Boden aus mit Bombenterror überzogenen Völker Westasiens geht, der sollte Trumps »Drohung« nicht nur wärmstens begrüßen. Er sollte alles dafür tun, dass sie auch umgesetzt wird.

Die US-Stützpunkte mit der Air Base Ramstein als zentraler Drehscheibe nicht nur für Europa, sondern auch für Kriege und Militäroperationen in Nahost und Afrika, die Atomraketen auf dem Fliegerhorst Büchel und die anstehende Stationierung von Mittelstreckenwaffen tragen nicht zur Sicherheit Deutschlands bei. Im Gegenteil: Sie machen das Land erst zum möglichen Angriffsziel und Kriegsschauplatz.

Vielleicht nicht der außenpolitisch wenig beschlagene US-Präsident, gewiss aber seine Militärstrategen wissen sehr genau, was sie an ihren Kriegszentralen in Deutschland haben. Deren Schließung und der Rückzug relevanter Truppenteile werden für das Pentagon daher niemals eine freiwillige Option sein. Hier ist Druck notwendig – aus der Bevölkerung und aus der Politik: Ami go home!

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Erschienen in der Ausgabe vom 02.05.2026, Seite 1, Ansichten

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