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18.05.2026
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Fortgesetzte Demütigung
Venezuela liefert Exminister an USA aus
Es ist bitter, wenn Menschen mit einer Pistole an der Schläfe auch noch durch den Kakao gezogen werden. Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez muss sich das seit diesem Wochenende gefallen lassen.
Noch vor Tagen hatte sie Donald Trumps provokative Äußerung zurückgewiesen, er ziehe »in Betracht«, Venezuela zum 51. Bundesstaat der USA zu machen. »Unsere Geschichte ist eine Geschichte des Ruhmes von Männern und Frauen, die ihr Leben gaben, um aus uns keine Kolonie, sondern ein freies Land zu machen«.
Die Machthaber in Washington schien das nicht beeindruckt zu haben. Am Mittwoch verbreiteten sie ein Foto von Marco Rubio während des Fluges nach China, auf dem er einen grauen Trainingsanzug trug wie der, mit dem Nicolás Maduro bei seiner Verschleppung durch US-Militärs bekleidet war. »Außenminister Rubio trägt den Nike Tech ›Venezuela‹ in der Air Force One!«, so der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses. »Ich fand, dass er in diesem Outfit sehr gut aussah«, spottete Trump.
Doch mit diesen kindischen Späßen nahm die Demütigung der Regierung in Caracas kein Ende. Eine Woche nach Würdigung der Märtyrer für Venezuelas Unabhängigkeit verstieß Delcy Rodríguez – offenbar auf Druck der USA – gegen die Verfassung ihres Landes, die eine Auslieferung venezolanischer Staatsbürger ausdrücklich verbietet.
Eskortiert von Beamten der US-Drogenbehörde DEA traf der ehemalige Minister für Industrie und Produktion, Alex Saab, am Sonntag auf dem Flughafen Opa-locka in Miami-Dade ein. Wie die venezolanische Migrationsbehörde SAIME mitteilte, war der in Kolumbien geborene Exminister, dem Maduro selbst die venezolanische Staatsbürgerschaft verliehen hatte, »abgeschoben« worden. Die offizielle Begründung klingt wie eine Farce: Er habe »in den USA Straftaten begangen«, die dort »öffentlich bekannt und in Medien verbreitet« worden seien.
Tatsächlich wird Saab seit Jahren von US-Beamten verfolgt. 2020 in Kap Verde festgenommen und an die USA ausgeliefert, wurde er dort wegen Geldwäschevorwürfen angeklagt, später jedoch von Joseph Biden begnadigt. 2024 ließ die US-Justiz die Anklagen fallen, unter Trump wurden sie wieder aufgenommen. Während Nicolás Maduro seinen Vertrauten 2024 zum Minister ernannt hatte, entließ Delcy Rodríguez ihn zwei Wochen nach dem Überfall von US-Militärs auf ihr Land. Während sie Souveränität beschwört, folgt sie nun wieder einmal Washingtons Diktat.
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