-
29.04.2026
- → Ansichten
Lügner im Weißen Haus
Nach der Schießerei auf dem Presseball steht Donald Trump weiter unter Beschuss
Das hat gepasst wie die Faust aufs Auge. Die Umfragewerte für den US-Präsidenten befinden sich gerade im freien Fall. Ganze 60 Prozent der US-Amerikaner lehnen ihn mittlerweile ab, sogar im sogenannten MAGA-Lager bröckelt die Zustimmung. Da könnte man meinen, dass der nun schon dritte Attentatsversuch auf Donald Trump gerade recht kam. Schließlich sorgt so was normalerweise dafür, dass sich die Reihen wieder hinter einem schließen. Allerdings könnte es sein, dass Trump diesmal nicht von dem Anschlagsversuch profitiert – wenn es denn überhaupt einer war.
Schließlich schießen »seit den Schüssen im gesamten politischen Spektrum Verschwörungstheorien ins Kraut«, nach denen der Angriff »inszeniert« worden sei, wie am Montag die Washington Post festhielt. Nicht nur zur Rettung des wegen der Epstein-Verbrechen und des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen Iran angeschlagenen Rufs des Präsidenten, sondern auch, um eines seiner Lieblingsprojekte voranzutreiben: den Ausbau des Ballsaals im Weißen Haus, »in dem ein solcher Vorfall nicht passiert wäre«, wie Trump verkündete.
Die Zeitschrift The Nation vermeidet jedoch Spekulationen und hebt statt dessen hervor, dass Trump offensichtlich »nicht aufhören kann, über die Attentate auf sein Leben zu lügen«. Beispiel vom Wochenende: Cole Thomas Allen, der mutmaßliche Attentäter vom Washingtoner »Hilton«, hatte unmittelbar vor seiner Attacke auf den dortigen Presseball noch ein »Manifest« an seine Angehörigen versandt, in dem er laut Medienberichten schrieb: »Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt.« Ein Satz, den »jeder vernünftige Mensch auf Trump beziehen müsse«, wie The Nation anmerkt. Auf Fox News habe der Präsident allerdings am gleichen Tag völlig faktenfrei behauptet, Allen habe ihn angegriffen, »weil er Christen hasst«.
Neben Kritik und Widerspruch müssen sich der Präsident und Frau Melania Trump Spott gefallen lassen. So nicht zuletzt von seiten des ABC-Talkmoderators Jimmy Kimmel, der in seiner Late-Night-Show zwei Tage vor dem Presseball gescherzt hatte: »Frau Trump, sie strahlen schon wie eine angehende Witwe!« Das sei aber auf den Geburtstag der First Lady am Sonntag und den Altersunterschied zwischen ihr und ihrem Mann gemünzt gewesen, stellte Kimmel Montag nacht in seiner Show klar. Es sei kein Aufruf zum Mord, wie zuvor ein beleidigter Tweet Melania Trumps suggeriert habe. Er sei vielmehr strikt gegen Aufrufe zu »Hass und Gewalt«, und wenn auch die Präsidentengattin dagegen einschreiten wolle, dann solle sie zunächst einmal bei ihrem Mann selbst beginnen.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!