Jam-Session des Tages: Marmelade
Marmelade
Neuigkeiten aus dem Betrieb: Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Fett enthält. Und die EU hat jetzt verfügt, Marmelade heiße wieder Marmelade. Fast 44 bittere Jahre musste der deutsche Teil der Menschheit auf diesen Moment warten.
In der Richtlinie 79/693 hatte die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bestimmt, dass die Bezeichnung »Marmelade« Fruchtaufstrichen aus Zitrusfrüchten vorbehalten sein soll. Mit dem Erlass der Konfitürenverordnung (KonfV) überführte die Bundesrepublik die Direktive am 26. Oktober 1982 in nationales Recht. Die eingekochte Zucker-Frucht-Bombe etwa aus Erdbeeren durfte hernach nicht mehr Marmelade heißen. Wer hat’s den Deutschen eingebrockt? Die Briten. Das perfide Albion, damals noch Mitglied der europäischen Mehrwertgemeinschaft, hatte sich durchgesetzt – marmalade, das ist einzig der britische Bitterorangenaufstrich. Alles andere ist jam. Accept it.
Nachdem aber die Briten 2016 der EU per Referendum farewell gesagt hatten, reifte im Oberstübchen des früheren EU-Parlamentsabgeordneten Jakob von Weizsäcker der kühne Plan, diese tiefe Scharte auszuwetzen. 2017 trug er vor, dass Marmelade – egal aus welcher Frucht – auch wieder so heißen müsse. Mit Erfolg. Die EU änderte ihre »Frühstücksrichtlinie«. Und nach fast zehn Jahren, mit Datum vom 14. Juni, ist das nun bundesdeutsches Recht. Endlich. Am Frühstückstisch herrscht wieder Gerechtigkeit. Marmelade über alles, selbst auf der Zahnbürste.
In Österreich dürfte man die Sache nur angemessen finden. Der Piefke ist eben der ewige Marmeladinger. Auch so nennen Österreicher zärtlich ihre nördlichen Nachbarn, was dem Umstand geschuldet ist, dass deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg auf Butter und Schmalz verzichten mussten und sich statt dessen billige Marmelade auf die Stulle schmierten, das aber sportlich nahmen. Sie nannten den Kariesbooster »Heldenbutter« oder »Hindenburgfett«. Da ist also noch Luft nach oben, die jetzige Marmeladenrichtlinie nur ein Etappensieg.
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