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Aus: Ausgabe vom 13.03.2026, Seite 14 / Inland
Propaganda im Iran-Krieg

»Trump von Jesus gesalbt«

Propagandaschlacht läuft auf Hochtouren. Behauptungen und Zitate, die den Krieg gegen Iran rechtfertigen sollen
Von Renate Dillmann
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Religiöse Fundamentalisten beten für den Führer der freien Welt (Weißes Haus in Washington am 7.3.2026)

Die »älteste Demokratie der Welt« (USA) und die »einzige Demokratie des Nahen Ostens« (Israel) kämpfen erneut vereint gegen »das Böse« (Iran). Begründungen, Zustimmung und gute Nachrichten zum Kriegsverlauf gibt es mehr als genug. Jedenfalls ist es ein gelungener Krieg gegen den noch verbliebenen Restverstand auf der Welt. Eine Auswahl.

»Der Iran will Atombomben besitzen.« Seit 2002 immer wiederkehrender Vorwurf der US-Präsidenten Bush, Obama, Trump, deren Land die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hat. Vorwurf von Netanjahu, dessen Land insgeheim Atomwaffen besitzt.

Irans »entscheidende Anlagen zur Urananreicherung« sind nach der Bombardierung durch das US-Militär komplett zerstört. Trump, 22.6.2025.

Das Atomprogramm ist weitgehend beendet. Israel hat »die Drecksarbeit für uns gemacht«. Bundeskanzler Friedrich Merz, 17.6. 2025

»Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte staatliche Sponsor des Terrors eine Atombombe besitzt.« Trump, 25.2.2026

»Der Iran ist kurz davor gewesen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.« Friedrich Merz am 3.3.2026. Pentagon und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestreiten das.

»Der Iran verpflichtet sich, kein atombombenfähiges Nuklearmaterial anzuhäufen.« Omans Außenminister zu den Verhandlungen zwischen den USA und Iran am 28.2.2026, unmittelbar vor Beginn des Kriegs.

»Der Iran unterdrückt Menschen.« Permanenter Vorwurf der USA seit 1979 (Ende des Schahregimes). Sie kennen sich aus, denn sie haben die höchste Inhaftierungsquote der Welt (639 Gefangene pro 100.000 Einwohner – zum Vergleich Russland 331, China 121), ihre Polizei erschießt etwa 1.000 Menschen pro Jahr und sie haben allein im Dezember 2025 mehr als 68.000 Menschen durch die Behörde ICE inhaftieren lassen (davon 75 Prozent ohne Verurteilung).

»Khamenei war einer der bösartigsten Menschen der Geschichte.« »Ich habe ihn gekriegt, bevor er mich gekriegt hat.« Trump bekennt sich am 28.2./1.3.2026 zum Mord an Ajatollah Khamenei (und 50 weiteren Führungsfiguren der Iranischen Republik).

Die völkerrechtliche Einordnung des Angriffskriegs gegen Iran gilt als zweitrangig. »Es ist nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren.« Friedrich Merz am 1.3.2026.

»Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr zur Erde zu markieren.« Journalist Jonathan Larsen zitiert aus der Beschwerde eines US-Unteroffiziers über die Einschwörung durch seinen Kommandeur.

»Gab es im Iran früher einen demokratisch gewählten Präsidenten?« Frage im Faktencheck bei »Maischberger« am 3.3.2026. Ja, den gab es – Mohammed Mossadegh. 1953 von den USA weggeputscht, weil er die iranischen Ölquellen als Mittel einer nationalen Entwicklung verstaatlichen und damit den Briten und den USA entreißen wollte.

»Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen! Hilfe ist auf dem Weg!« Donald Trump zu den Demonstrierenden im Iran 13.1.2026. Die US-Notenbank hatte auf Trumps Anweisung hin »äußersten Druck« ausgeübt, um Iran in eine Devisenkrise zu treiben, was für Preiserhöhungen sorgte und ein Auslöser der Proteste war (Aussage von Scott Bessent bei der Münchner »Sicherheitskonferenz«, 24.1.2026).

Es geht nicht um ein »Experiment zum Demokratieaufbau«. US-Kriegsminister Pete Hegseth am 2.3.2026.

»Ich muss in die Ernennung involviert sein.« Donald Trump zur Wahl des neuen geistigen Führers der Schiiten im Iran, 5.3.2026

»Ziel des derzeitigen US-Militäreinsatzes ist es, die iranische Marine vollständig auszuschalten.« Kriegsminister Hegseth am 5.3.2026 zum Versenken einer iranischen Fregatte, die unbewaffnet auf dem Heimweg von einem Manöver in Indien war – 80 tote Seeleute.

Irans Führung gehöre »zu den bösartigsten Menschen auf der Erde«, sie habe »Babys die Köpfe abgeschnitten« und würde »Frauen in zwei Hälften hacken«. Donald Trump am 7.3.2026, Mitschnitt eines Interviews, in dem Journalisten ihn auf das Bombardement einer Entsalzungsanlage ansprechen, die 30 iranische Dörfer mit Wasser versorgt.

»Was für ein großartiger Tag, an dem wir für @potus, für unsere Truppen, für die Familienangehörigen unserer großartigen Soldaten, für Amerika und Israel und für die Operation Epic Fury beten.« Paula White, evangelikale Fundamentalistin und Trumps »spirituelle Beraterin«, am 6.3.2026 auf Instagram.

»Lasst mich euch das in einfachen Worten erklären, okay? Der Iran wird von Wahnsinnigen regiert, von religiösen Fanatikern.« Marco Rubio, US-Außenminister, am 7.3.2026.

»Nein, meiner Meinung nach wurde das vom Iran getan.« Donald Trump am 8.3.2026 zum Bombenangriff auf eine Mädchenschule in Minab, bei dem 170 Schülerinnen getötet wurden.

»Der Iran wird in die Hölle geprügelt.« Donald Trump am 7.3.2026, nachdem das Land eine bedingungslose Kapitulation zurückgewiesen hatte.

»Der Iran ist das Zentrum des internationalen Terrorismus und dieses Zentrum muss geschlossen werden.« Friedrich Merz, 10.3.2026.

»Der Krieg ist so gut wie beendet.« Donald Trump am 10.3.2026

»Trump liebäugelt (…) mit einem Einsatz von Bodentruppen.« Frankfurter Rundschau online am 10.3.2026

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