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Propaganda im Iran-Krieg

»Trump von Jesus gesalbt«

Propagandaschlacht läuft auf Hochtouren. Behauptungen und Zitate, die den Krieg gegen Iran rechtfertigen sollen

Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire
Religiöse Fundamentalisten beten für den Führer der freien Welt (Weißes Haus in Washington am 7.3.2026)

Die »älteste Demokratie der Welt« (USA) und die »einzige Demokratie des Nahen Ostens« (Israel) kämpfen erneut vereint gegen »das Böse« (Iran). Begründungen, Zustimmung und gute Nachrichten zum Kriegsverlauf gibt es mehr als genug. Jedenfalls ist es ein gelungener Krieg gegen den noch verbliebenen Restverstand auf der Welt. Eine Auswahl.

»Der Iran will Atombomben besitzen.« Seit 2002 immer wiederkehrender Vorwurf der US-Präsidenten Bush, Obama, Trump, deren Land die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hat. Vorwurf von Netanjahu, dessen Land insgeheim Atomwaffen besitzt.

Irans »entscheidende Anlagen zur Urananreicherung« sind nach der Bombardierung durch das US-Militär komplett zerstört. Trump, 22.6.2025.

Das Atomprogramm ist weitgehend beendet. Israel hat »die Drecksarbeit für uns gemacht«. Bundeskanzler Friedrich Merz, 17.6. 2025

»Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte staatliche Sponsor des Terrors eine Atombombe besitzt.« Trump, 25.2.2026

»Der Iran ist kurz davor gewesen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.« Friedrich Merz am 3.3.2026. Pentagon und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestreiten das.

»Der Iran verpflichtet sich, kein atombombenfähiges Nuklearmaterial anzuhäufen.« Omans Außenminister zu den Verhandlungen zwischen den USA und Iran am 28.2.2026, unmittelbar vor Beginn des Kriegs.

»Der Iran unterdrückt Menschen.« Permanenter Vorwurf der USA seit 1979 (Ende des Schahregimes). Sie kennen sich aus, denn sie haben die höchste Inhaftierungsquote der Welt (639 Gefangene pro 100.000 Einwohner – zum Vergleich Russland 331, China 121), ihre Polizei erschießt etwa 1.000 Menschen pro Jahr und sie haben allein im Dezember 2025 mehr als 68.000 Menschen durch die Behörde ICE inhaftieren lassen (davon 75 Prozent ohne Verurteilung).

»Khamenei war einer der bösartigsten Menschen der Geschichte.« »Ich habe ihn gekriegt, bevor er mich gekriegt hat.« Trump bekennt sich am 28.2./1.3.2026 zum Mord an Ajatollah Khamenei (und 50 weiteren Führungsfiguren der Iranischen Republik).

Die völkerrechtliche Einordnung des Angriffskriegs gegen Iran gilt als zweitrangig. »Es ist nicht der Moment, unsere Partner und Verbündeten zu belehren.« Friedrich Merz am 1.3.2026.

»Präsident Trump wurde von Jesus gesalbt, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon zu verursachen und seine Rückkehr zur Erde zu markieren.« Journalist Jonathan Larsen zitiert aus der Beschwerde eines US-Unteroffiziers über die Einschwörung durch seinen Kommandeur.

»Gab es im Iran früher einen demokratisch gewählten Präsidenten?« Frage im Faktencheck bei »Maischberger« am 3.3.2026. Ja, den gab es – Mohammed Mossadegh. 1953 von den USA weggeputscht, weil er die iranischen Ölquellen als Mittel einer nationalen Entwicklung verstaatlichen und damit den Briten und den USA entreißen wollte.

»Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen! Hilfe ist auf dem Weg!« Donald Trump zu den Demonstrierenden im Iran 13.1.2026. Die US-Notenbank hatte auf Trumps Anweisung hin »äußersten Druck« ausgeübt, um Iran in eine Devisenkrise zu treiben, was für Preiserhöhungen sorgte und ein Auslöser der Proteste war (Aussage von Scott Bessent bei der Münchner »Sicherheitskonferenz«, 24.1.2026).

Es geht nicht um ein »Experiment zum Demokratieaufbau«. US-Kriegsminister Pete Hegseth am 2.3.2026.

»Ich muss in die Ernennung involviert sein.« Donald Trump zur Wahl des neuen geistigen Führers der Schiiten im Iran, 5.3.2026

»Ziel des derzeitigen US-Militäreinsatzes ist es, die iranische Marine vollständig auszuschalten.« Kriegsminister Hegseth am 5.3.2026 zum Versenken einer iranischen Fregatte, die unbewaffnet auf dem Heimweg von einem Manöver in Indien war – 80 tote Seeleute.

Irans Führung gehöre »zu den bösartigsten Menschen auf der Erde«, sie habe »Babys die Köpfe abgeschnitten« und würde »Frauen in zwei Hälften hacken«. Donald Trump am 7.3.2026, Mitschnitt eines Interviews, in dem Journalisten ihn auf das Bombardement einer Entsalzungsanlage ansprechen, die 30 iranische Dörfer mit Wasser versorgt.

»Was für ein großartiger Tag, an dem wir für @potus, für unsere Truppen, für die Familienangehörigen unserer großartigen Soldaten, für Amerika und Israel und für die Operation Epic Fury beten.« Paula White, evangelikale Fundamentalistin und Trumps »spirituelle Beraterin«, am 6.3.2026 auf Instagram.

»Lasst mich euch das in einfachen Worten erklären, okay? Der Iran wird von Wahnsinnigen regiert, von religiösen Fanatikern.« Marco Rubio, US-Außenminister, am 7.3.2026.

»Nein, meiner Meinung nach wurde das vom Iran getan.« Donald Trump am 8.3.2026 zum Bombenangriff auf eine Mädchenschule in Minab, bei dem 170 Schülerinnen getötet wurden.

»Der Iran wird in die Hölle geprügelt.« Donald Trump am 7.3.2026, nachdem das Land eine bedingungslose Kapitulation zurückgewiesen hatte.

»Der Iran ist das Zentrum des internationalen Terrorismus und dieses Zentrum muss geschlossen werden.« Friedrich Merz, 10.3.2026.

»Der Krieg ist so gut wie beendet.« Donald Trump am 10.3.2026

»Trump liebäugelt (…) mit einem Einsatz von Bodentruppen.« Frankfurter Rundschau online am 10.3.2026

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 13.03.2026, Seite 14, Inland

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→Leserbriefe
  • Emmo Frey aus Dachau 16. März 2026 um 12:18 Uhr
    Religiöse Fundamentalisten beten für den Führer (der freien Welt) …!? Ich kann’s kaum glauben, dass das Foto der bigotten Typen kein Fake ist. Das ruft Vergangenes aus »großer deutscher Zeit« wach. Bei Karl Kraus in dessen letztem großen Werk »Die Dritte Walpurgisnacht« (1933) ist ein Zitat von J. Goebbels zu lesen: »das, was wir heute machen, (ist) bahnbrechend für die ganze Kulturwelt: für die nationalsozialistische Welt. (…) Was wir heute tun, wird in zehn Jahren vorbildlich sein für die ganze Welt. Das, was wir heute tun, wird für ganz Europa maßgebend sein.« An anderer Stelle heißt es »Adolf Hitlers Mission ist eine göttliche«.
    Da ist der von »Jesus gesalbte Präsident Trump« schon ganz in der Nähe. Wenn man nur die Äußerungen des Herrn Merz beachtet, ist EU-Europa unmittelbar dabei, die Handlungen der USA und leider auch Israels als maßgebend für die künftige Faust-Unrechts-Politik in der internationalen Außenpolitik zu begreifen. Der Iran wird als schlimmer Gottesstaat geschmäht, lebt ein von Jesus gesalbter USA-Präsident nicht auch in einem eingebildeten Gottesstaat (»In God We Trust«)?
  • Onlineabonnent*in Ulf G. aus Hannover 15. März 2026 um 14:12 Uhr
    Herzlichen Dank für diesen Artikel, der mal wieder die ganze Verlogenheit hinter der westlichen Werte-Rhetorik zeigt. »Trump von Jesus gesalbt«, das klingt bombastisch, insoweit mir dazu aber kein Beweisvideo bekannt ist, steckt dahinter wohl eher evangelikaler Fanatismus, der der Gewaltpolitik ein zumindest emotional rechtfertigendes Mäntelchen umhängel soll. Logisch-rational rechtfertigend ist da natürlich gar nichts. Man denkt unweigerlich an die übliche Schleimerei gegenüber Trump, der sich schon 2019 als »Messiah« feiern ließ (https://www.cbsnews.com/news/trump-tweets-quote-calling-him-the-second-coming-of-god-to-jews-in-israel/), als »the second coming of God«, als »the King of Israel«, als »the greatest President for Jews and for Israel in the history of the world«. Recht ist alles, was der Eitelkeit des Herrn Trump schmeichelt. Bei dieser Schleimerei hat jüngst offenbar auch Netanjahu mitgemacht, als er eine neue Ära Israels als »Weltmacht« ankündigte und unjüdisch von der »Wiederkehr des Messias« sprach, wörtlich: »Wir werden das Königreich erreichen. Wir werden die Wiederkehr des Messias erleben. Wir werden es bis zur Wiederkehr des Messias schaffen – aber das wird nicht nächsten Donnerstag geschehen« (https://de.rt.com/kurzclips/video/273193-werden-wiederkehr-messias-erleben-netanjahu/). Das Wort »Wiederkehr« widerspricht der mehrheitlichen jüdischen Auffassung, dass Jesus nicht der Messias ist und dass der Messias erst in Zukunft zu erwarten ist. Es deutet darum auf eine Anbiederung an das Trumpsche »second coming of God« hin. So wedelt der Schwanz mit dem Hund. Jüdische Identität steht zugunsten der Machtgier zurück.
  • Reinhard Hopp aus Berlin 13. März 2026 um 17:44 Uhr
    Wer solche »Freunde« hat, dem können nur noch seine »Feinde« helfen – oder niemand mehr!
  • Zaqul 13. März 2026 um 09:19 Uhr
    Dazu kommt die Sprachregelung der Medien das P. Hegseht Verteidigungsminister von der USA sei. Was verteidigt er im Kriegsministerium? Ich schreibe die Medien an, ihn als Kriegminister zu nennen.
  • Onlineabonnent*in Heinrich H. aus Stadum 12. März 2026 um 22:15 Uhr
    »Trump von Jesus gesalbt«? Wohl eher mit dem Klammerbeutel gepudert.
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