Widerspenstige Kubaner
Donald Trump will Kuba »übernehmen«, in deutschsprachigen Medien herrscht darob Skepsis: Man möchte Kuba, aber keine Gewalt. Nur in der Neuen Zürcher Zeitung kommt der kubanische Contra José Daniel Ferrer aus Miami mit einem Mordaufruf zu Wort: »Wenn sie Raúl Castro wie Ali Khamenei eliminieren müssen, sollen sie es tun.« Laut Zeitung ist Ferrer ein »Menschenrechtsaktivist«.
Die Welt erinnert dagegen an das Scheitern der von der CIA gesteuerten Invasion in der Schweinebucht vor 65 Jahren und meint: »Es bleibt abzuwarten, ob das Fernziel Washingtons, die Revolutionsregierung in Havanna zu stürzen, dieses Mal von Erfolg gekrönt sein wird. Eine militärische Intervention wie im Iran ist aus den genannten historischen Gründen auf Kuba zunächst nicht zu erwarten.« Auch der Spiegel meint, Trump könne eine neue Kolonie ohne Waffen bekommen: »Er strebe eine ›freundliche Übernahme‹ Kubas an, verkündete er – eine Art US-Protektorat in der Karibik.«
Die Frankfurter Rundschau fürchtet jedoch: »Es war eine Frage der Zeit, wann US-Präsident Donald Trump von einem für ihn weniger erfreulichen Thema wie dem Krieg gegen den Iran ablenkt. Es wäre auch nicht so schlimm, wenn der Egomane wie so oft zuvor lediglich die Schlagzeilen bestimmen will und mit dem Schweinsgalopp durch die politische Agenda die Öffentlichkeit zu überfordern versucht. Doch im Falle Kubas ist es dramatisch, weil Trumps Regierung vor allem mit dem Ölembargo eine ohnehin marode Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hat.« Die »drohende humanitäre Katastrophe« schere Trump-Regierung und ihre Fans »genauso wenig wie das Völkerrecht«.
Die Taz verteilt streng ungerecht die Schuld auf USA und Kuba, freut sich aber über Insel-»Identität«: »Zivilgesellschaft wird von beiden Seiten nicht mitgedacht und ist vielleicht auch nicht erwünscht. Doch das ist ein elementarer Strickfehler, denn die kubanische Revolution hat zwar ökonomisch wenig Positives für die Menschen gebracht, was allerdings in mehr als sechzig Jahren Revolución gewachsen ist, ist die Identität als Kubanerin oder Kubaner.«
Nur die in Magdeburg erscheinende Volksstimme erwägt, dass Kubaner mitreden wollen: »Donald Trump hält nun die Zeit für gekommen, die widerspenstigen Kubaner vom Kommunismus zu befreien. Tausende Kubaner sind wegen der Entbehrungen und der Unterdrückung geflüchtet. Was aber nicht heißt, dass sich alle Kubaner von Trump erretten lassen wollen. Knechte der Amerikaner waren sie auf der Insel lange genug, das ist unvergessen. Castros Widerstandsgeist lässt grüßen.« (as)
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