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Aus: Ausgabe vom 20.04.2026, Seite 3 / Ansichten

Rin in de Tüften, un rut

Kriegführung um die Straße von Hormus
Von Knut Mellenthin
APTOPIX Iran War.jpg
Ankern im Nebel: Tanker und Containerschiffe am Sonnabend in der Meerenge von Hormus

Noch schneller kann man Geld wohl nicht verdienen: Am Freitag voriger Woche um 14.47 Uhr unserer Zeit kündigte Irans Außenminister Abbas Araghtschi im Kurznachrichtendienst X die vollständige Freigabe der Meerenge von Hormus an, die Anfang März wegen des US-amerikanisch-­israelischen Angriffskrieges für geschlossen erklärt worden war. Die Ölpreise stürzten fast augenblicklich um mehr als zehn US-Dollar pro Barrel ab. Kurz zuvor, gegen 14.25 Uhr, waren innerhalb ganz weniger Minuten Terminverträge im Gesamtwert von rund 760 Millionen US-Dollar verkauft worden. Anders gesagt: Wahrscheinlich hatten Händler mit genauer Insiderinformation erfolgreich »gewettet«, dass die durch Risikoaufschläge in die Höhe getriebenen Ölpreise fallen würden, sobald sich eine Entspannung der Konfrontation abzuzeichnen schien.

Nicht einmal 24 Stunden später, am Sonnabend um 10.25 Uhr, machte die Islamische Republik ihre Zusage rückgängig. Alle im Persischen Golf liegenden oder herumschippernden Frachter und Tanker, die auf eine Möglichkeit zum Durchfahren der Meeresstraße warten, wurden aufgefordert, sich nicht von der Stelle zu bewegen. Anderenfalls würden sie beschossen. Unmittelbare Auswirkungen auf die Ölpreise hatte das zunächst nicht, weil die Börsen wegen des Wochenendes geschlossen waren. Mindestens 20 Schiffe, die auf die Meerengen zusteuerten, wurden Pressemeldungen zufolge zum Umkehren gezwungen.

Zur Begründung des politischen Rückziehers erklärte Irans Oberster Nationaler Sicherheitsrat, die Öffnung am Freitag sei an Bedingungen geknüpft gewesen. Durch die Aufrechterhaltung der US-amerikanischen Blockade gegen die iranischen Häfen am Persischen Golf und die Fortsetzung der israelischen Angriffe im Libanon werde die am 8. April in Kraft getretene zweiwöchige Waffenruhe verletzt. Das klingt plausibel. Zugleich ist aber gegen dieses Argument einzuwenden, dass das Verhalten der USA und Israels nicht als echte Überraschung gelten kann.

Es herrscht insgesamt ein Klima des übergriffigen Umgangs mit den Tatsachen. Zum Beispiel behauptet Donald Trump, die iranische Führung habe seinen Hauptforderungen – zeitlich unbefristete Einstellung der Urananreicherung und Abtransport des Bestands an angereichertem Uran ins Ausland, am liebsten direkt in die USA – bereits zugestimmt. Im Gegenzug erwähnen Politiker und Medien der Islamischen Republik ständig, die US-Regierung habe den iranischen Zehn-Punkte-Vorschlag akzeptiert, der das Gegenteil verlangt. Die Darstellung beider Seiten ist falsch, nicht nur in diesem Fall.

Das erschwert es zusätzlich, eine Prognose zum weiteren Verlauf des Konflikts abzugeben. Für ein nächstes Treffen zwischen Vertretern beider Länder, das schon Ende vergangener Woche erwartet worden war, ist noch kein Termin vereinbart. Die Waffenruhe gilt nur bis Mittwoch.

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