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Naher Osten

Preise hochgebombt

Iran reagiert auf israelisches Bombardement von größtem Gasfeld mit Angriffen auf Energieinfrastruktur US-Verbündeter. Preise schnellen hoch

Von Lars Lange
Foto: Hollie Adams/REUTERS
Weltweit Mangel an Treibstoff: Eine Tankstelle im australischen Sydney stellt am Donnerstag den Betrieb ein

Teherans Antwort auf Israels Attacke gegen das weltweit größte Gasfeld South Pars vor der iranischen Küste hat die Preise auf den Energiemärkten am Donnerstag in die Höhe schnellen lassen. Iranische Raketen auf die Energieinfrastruktur US-Verbündeter in der Region trafen am Donnerstag unter anderem die weltweit größte Gasanlage in Katar sowie eine Raffinerie in Saudi-Arabien. Die Gaspreise in Europa stiegen in der Folge um bis zu 35 Prozent und der Ölpreis um bis zu zehn Prozent, bevor sie am Nachmittag wieder sanken.

Der am Mittwoch erfolgte Angriff der israelischen Luftwaffe auf die wichtigste inländische Energiequelle des Iran in der Provinz Buschehr war der erste, bei dem seit Kriegsbeginn Anlagen zur fossilen Energieproduktion direkt getroffen wurden – Israel und die USA hatten solche Ziele bislang gemieden, um Gegenschläge auf die Energieinfrastruktur der Golfstaaten zu verhindern.

Besonders betroffen war Katar: Im weltweit größten LNG-Komplex Ras Laffan kam es zu schweren Schäden und Bränden. In Saudi-Arabien fing die Luftabwehr vier Raketen auf Riad sowie zwei weitere in die östliche Region ab. Der Hafen Janbu – derzeit der wichtigste Exportweg für Rohöl der Golfstaaten – wurde ebenfalls von einem Luftangriff getroffen. Die Vereinigten Arabischen Emirate schossen 13 Raketen und 27 Drohnen ab und fuhren die Habschan-Gasanlage sowie die Förderung im Bab-Ölfeld herunter. Angriffe wurden auch auf Kuwait und Bahrain gemeldet. Das britische Schiffahrtszentrum UKMTO meldete zudem einen Angriff auf ein Schiff nahe Ras Laffan.

Politisch war der Angriff offenbar abgestimmt: Der israelische Angriff auf South Pars war laut dem geheimdienstnahen Portal Axios mit dem Weißen Haus koordiniert und von Präsident Donald Trump gebilligt. Ziel sei es gewesen, den Iran von weiteren Störungen der Schiffahrt durch die Straße von Hormus abzuhalten. Öffentlich erklärte Trump jedoch, die USA hätten »nichts gewusst«, und Israel habe »aus Wut« gehandelt – eine Darstellung, die US-amerikanische und israelische Offizielle zurückwiesen. Nach dem iranischen Gegenschlag kündigte Trump an, Israel werde auf weitere Angriffe verzichten, sofern auch Teheran Katar verschone. Andernfalls drohte er mit einer vollständigen Zerstörung von South Pars durch die USA. Das Gasfeld ist Teil eines gemeinsamen Reservoirs mit Katar, wo es als North Dome betrieben wird – eine wirtschaftliche Verbindung, die beide Staaten bislang eng miteinander verknüpfte.

Die Eskalation wirkte sich unmittelbar auf die Energiemärkte aus: Die maßgeblichen Terminkontrakte an der Amsterdamer Energiebörse stiegen am Donnerstag morgen um bis zu 35 Prozent auf zeitweise über 70 Euro pro Megawattstunde. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar sind die europäischen Gaspreise um mehr als 60 Prozent gestiegen. Brent-Rohöl kostete zeitweise bis zu 119 US-Dollar pro Fass. Die Engpässe könnten sich weiter verschärfen, da LNG-Anlagen nach Treffern Jahre zur Reparatur benötigen.

Parallel dazu verschärfte sich die politische Lage weiter: Der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan warnte Iran, die Geduld der Golfstaaten sei »nicht unbegrenzt«. Riad und seine Partner verfügten über »sehr bedeutende Kapazitäten«, die sie einsetzen könnten. Washington erwägt zudem laut Informationen der Agentur Reuters die Entsendung Tausender zusätzlicher Soldaten in den Nahen Osten – etwa, um eine sichere Durchfahrt für Öltanker durch die Straße von Hormus zu gewährleisten oder an die iranische Küste. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, so das Weiße Haus. Parallel dazu beantragte das Pentagon ein Kriegsbudget von mehr als 200 Milliarden US-Dollar.

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.03.2026, Seite 1, Titel

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→Leserbriefe
  • Frank Lukaszewski aus Oberhausen 20. März 2026 um 10:40 Uhr
    Selbst aus Sicht weiter Teile des US-Kapitals geht unser Trumpel offensichtlich nicht wirklich strategisch vor. Ein zerbombter, historisch von Kultur strotzender Iran bringt »bestenfalls« die Kontrolle über das dortige Öl. Öl hat auf dieser Welt wie lange noch heutige Relevanz? Bis zum Ende derselben oder nur noch zeitlich begrenzt. Das wird momentan auch nicht von jedem verstanden. Und jetzt will der »79 Jahre alte() Kindkaiser im Weißen Haus« (FAZ, 14.03.26, S. 1) Kuba übernehmen. Die USA hätten dann wieder erwünschte, totale Kontrolle in ihrem Hinterhof. Das könnte ihnen, zumindest indirekt, wohl gelingen. Im Geschichtsbuch, der wohl wesentlichste Grund, ist Trump dann definitiv prominent vertreten. Internationaler Widerstand? Russland kann sich eine neue Front nicht leisten, die VR China ist wohl zu klug, eine Konfrontation wegen Kuba zu wagen. Nicht alleine Taiwan spricht dagegen. Über eine EU zu reden, lohnt sich nicht.
    • Onlineabonnent*in Franz S. aus R. 20. März 2026 um 13:25 Uhr
      »Selbst aus Sicht weiter Teile des US-Kapitals geht unser Trumpel offensichtlich nicht wirklich strategisch vor. Ein zerbombter, historisch von Kultur strotzender Iran bringt ›bestenfalls‹ die Kontrolle über das dortige Öl.« Sie würden also den verbrecherischen Krieg anders führen: Zwar Menschen ermorden, aber Kulturgüter schonen? Wie großzügig! Sie haben das Zeug zum Regierungsberater.
  • Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 20. März 2026 um 04:25 Uhr
    Ich helfe Ihnen sprachlich mal aus: Teheran ist eine Stadt. Dort leben Millionen Menschen. Sie werden im Minutentakt mit Raketen beschossen. Was halten wir davon? Alles nur Kollateralschäden Marke Mullah? Wie vom Friedensspaßpreisträger Bobbele erstma Bombe drauf Obama gelernt? Dann lesen mal erst mal Mischell! Sofort erhellt die Welt sich hell! Oder gab es Dutzende Milliarden Gründe, ihn nicht vor Gericht zu bringen? Wie laufen eigentlich weiterhin so die Geschäfte mit Herrn Hekmatyjar? Weiterhin im entspannten Milliardenbereich an US-Dollar? Lassen Sie mich wissen, wenn wir nachbessern müssen!
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