Handelsroute dichtgemacht
Von Lars Lange
Anderthalb Wochen nach Kriegsbeginn richtete sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Straße von Hormus. Der Iran habe begonnen, den wichtigen Seeweg zu verminen, berichtete am Mittwoch zunächst CBS News. US-Präsident Donald Trump hingegen erklärte, es gebe »keine Berichte« über gelegte Minen, und drohte kurz darauf mit Konsequenzen »nie dagewesenen Ausmaßes« für den Fall, dass sich dies ändert. Kurz darauf meldeten die USA die Zerstörung mehrerer Schnellbote, die angeblich als Minenleger fungierten.
Allerdings können Seeminen von nahezu jedem schwimmenden Objekt verlegt werden – vom Fischerboot bis zu Kleinst-U-Booten. Fachkreise schätzen das iranische Arsenal auf 2.000 bis 6.000 solcher Minen. Besonders gefürchtet sind Seegrundminen chinesischer Bauart: Sie liegen still auf dem Meeresboden, werden durch passive Schiffssensorik ausgelöst und treffen den Schiffsrumpf von unten.
Abgesehen von der Verlegung mit Schiffen verfügt der Iran auch über hochmoderne Fernverlegungsmöglichkeiten: Das iranische Raketenwerfersystem »Fajr-5« beispielsweise kann so modifiziert werden, dass die Seeminen per Artillerie transportiert und mit dem Fallschirm über dem Zielgebiet abgeworfen werden. Es ist mobil und aus dem Hinterland einsetzbar, was die Versuche der USA, die Sperrung der Straße von Hormus per Bombardement einzelner Boote zu unterbinden, konterkariert.
Die Suche nach verlegten Minen ist aufwendig – ohnehin reicht die bloße Möglichkeit ihres Vorhandenseins, Reedereien (und ihre Versicherer) in Alarmstimmung zu versetzen und von der Durchfahrt abzuhalten. Zudem wurden allein am Mittwoch laut Reuters drei Handelsschiffe innerhalb weniger Stunden getroffen. Seit Kriegsbeginn registriert die britische Beobachtungsstelle UKMTO damit 13 bestätigte Angriffe auf die zivile Seefahrt.
Auch deswegen ist die vom US-Präsidenten mehrmals angekündigte US-militärische Eskorte für Handelsschiffe eher Angeberei. Am Dienstag bereits hatte Reuters berichtet, die US-Navy habe bisher alle Anfragen um Geleitschutz abgelehnt, da das Risiko für Angriffe zu hoch sei. Nach Angaben der Nachrichtenagentur sind bisher zudem etwa 150 US-Soldaten verwundet worden. In offiziellen Statements war bisher lediglich von acht Verwundeten die Rede.
Zur Bewältigung der durch den Krieg rapide gestiegenen Ölpreise hat die Internationale Energieagentur (IEA) derweil die größte Freigabe von Erdölreserven ihrer Geschichte vorgeschlagen: 400 Millionen Barrel. Die Maßnahme wurde von den 32 Mitgliedstaaten, darunter die BRD, die sich mit mehr als 19 Millionen Barrel beteiligt, einstimmig beschlossen.
Doch auch über das Öl hinaus hat die Sperrung der Straße von Hormus verheerende wirtschaftliche Folgen: Rund ein Drittel der globalen Stickstoffdünger-Vorprodukte passiert die Meerenge. Auch die Vorräte von Flüssigerdgas sowie Schwefel, einem wichtigen Batterierohstoff, sind betroffen. Nach einem Angriff auf eine iranische Bank drohte Teheran ferner, mit den USA und Israel in Verbindung stehende wirtschaftliche Zentren und Finanzinstitute anzugreifen.
In der Landeshauptstadt Teheran berichteten die Bewohner indes von den schwersten Bombenangriffen seit Kriegsbeginn. Der iranische UN-Botschafter sprach von bisher 1.300 getöteten Zivilisten. Auf israelischer Seite zeigte man sich konsterniert, weil die Angriffe bisher nicht zum Zusammenbruch des iranischen Staates geführt haben. Es gebe inmitten der Bombardierungen keine Anzeichen für einen Aufstand der iranischen Bevölkerung, sagte ein hochrangiger israelischer Vertreter Reuters.
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