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12.03.20263 Leserbriefe
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Handelsroute dichtgemacht
Straße von Hormus de facto gesperrt. IEA gibt strategische Ölreserven frei. Trumps Sicherheitszusagen für Reeder sind Luftnummer
Anderthalb Wochen nach Kriegsbeginn richtete sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Straße von Hormus. Der Iran habe begonnen, den wichtigen Seeweg zu verminen, berichtete am Mittwoch zunächst CBS News. US-Präsident Donald Trump hingegen erklärte, es gebe »keine Berichte« über gelegte Minen, und drohte kurz darauf mit Konsequenzen »nie dagewesenen Ausmaßes« für den Fall, dass sich dies ändert. Kurz darauf meldeten die USA die Zerstörung mehrerer Schnellbote, die angeblich als Minenleger fungierten.
Allerdings können Seeminen von nahezu jedem schwimmenden Objekt verlegt werden – vom Fischerboot bis zu Kleinst-U-Booten. Fachkreise schätzen das iranische Arsenal auf 2.000 bis 6.000 solcher Minen. Besonders gefürchtet sind Seegrundminen chinesischer Bauart: Sie liegen still auf dem Meeresboden, werden durch passive Schiffssensorik ausgelöst und treffen den Schiffsrumpf von unten.
Abgesehen von der Verlegung mit Schiffen verfügt der Iran auch über hochmoderne Fernverlegungsmöglichkeiten: Das iranische Raketenwerfersystem »Fajr-5« beispielsweise kann so modifiziert werden, dass die Seeminen per Artillerie transportiert und mit dem Fallschirm über dem Zielgebiet abgeworfen werden. Es ist mobil und aus dem Hinterland einsetzbar, was die Versuche der USA, die Sperrung der Straße von Hormus per Bombardement einzelner Boote zu unterbinden, konterkariert.
Die Suche nach verlegten Minen ist aufwendig – ohnehin reicht die bloße Möglichkeit ihres Vorhandenseins, Reedereien (und ihre Versicherer) in Alarmstimmung zu versetzen und von der Durchfahrt abzuhalten. Zudem wurden allein am Mittwoch laut Reuters drei Handelsschiffe innerhalb weniger Stunden getroffen. Seit Kriegsbeginn registriert die britische Beobachtungsstelle UKMTO damit 13 bestätigte Angriffe auf die zivile Seefahrt.
Auch deswegen ist die vom US-Präsidenten mehrmals angekündigte US-militärische Eskorte für Handelsschiffe eher Angeberei. Am Dienstag bereits hatte Reuters berichtet, die US-Navy habe bisher alle Anfragen um Geleitschutz abgelehnt, da das Risiko für Angriffe zu hoch sei. Nach Angaben der Nachrichtenagentur sind bisher zudem etwa 150 US-Soldaten verwundet worden. In offiziellen Statements war bisher lediglich von acht Verwundeten die Rede.
Zur Bewältigung der durch den Krieg rapide gestiegenen Ölpreise hat die Internationale Energieagentur (IEA) derweil die größte Freigabe von Erdölreserven ihrer Geschichte vorgeschlagen: 400 Millionen Barrel. Die Maßnahme wurde von den 32 Mitgliedstaaten, darunter die BRD, die sich mit mehr als 19 Millionen Barrel beteiligt, einstimmig beschlossen.
Doch auch über das Öl hinaus hat die Sperrung der Straße von Hormus verheerende wirtschaftliche Folgen: Rund ein Drittel der globalen Stickstoffdünger-Vorprodukte passiert die Meerenge. Auch die Vorräte von Flüssigerdgas sowie Schwefel, einem wichtigen Batterierohstoff, sind betroffen. Nach einem Angriff auf eine iranische Bank drohte Teheran ferner, mit den USA und Israel in Verbindung stehende wirtschaftliche Zentren und Finanzinstitute anzugreifen.
In der Landeshauptstadt Teheran berichteten die Bewohner indes von den schwersten Bombenangriffen seit Kriegsbeginn. Der iranische UN-Botschafter sprach von bisher 1.300 getöteten Zivilisten. Auf israelischer Seite zeigte man sich konsterniert, weil die Angriffe bisher nicht zum Zusammenbruch des iranischen Staates geführt haben. Es gebe inmitten der Bombardierungen keine Anzeichen für einen Aufstand der iranischen Bevölkerung, sagte ein hochrangiger israelischer Vertreter Reuters.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 12. März 2026 um 09:43 UhrDie wirtschaftlichen Folgen der Ereignisse im Persischen Golf sind keine Überraschungen, denn die Entwicklungen waren historisch und strategisch vorhersehbar. Die Iraner sind ein besonders stolzes Volk mit einer tief verwurzelten historischen Identität – sie geben nicht auf, wenn man ihre Geschichte kennt. Israel hingegen orientiert sich ausschließlich an der eigenen Geschichte, während die USA oft nicht einmal ihre eigene kurze Vergangenheit ausreichend berücksichtigen. Aus iranischer Perspektive richtet sich der Konflikt gegen den zionistischen Staat in Palästina, nicht gegen das Judentum. In Iran gibt es weiterhin jüdische Gemeinden, was den entscheidenden Unterschied macht. Für die iranische Führung existierte in Palästina nach ihrer Auffassung niemals ein legitimer »Staat Israel«. Natürlich muss Israel auf diese Bedrohung reagieren. Statistische Daten sprechen jedoch zugunsten Irans – sowohl demografisch als auch wirtschaftlich – und deuten darauf hin, dass das Land trotz der Unterstützung der USA eine strategische Chance hat, diesen Konflikt langfristig durchzustehen. Bemerkenswert ist, dass die Koalition aus Israel und den USA, ähnlich wie Russland in der Ukraine, ihre eigenen Prognosen und die Daten ihrer Geheimdienste offenbar falsch eingeschätzt hat. Wenn teure Aufklärung und Spionagedienste nicht zu verlässlichen Entscheidungen führen, stellt sich die Frage nach deren Effizienz und dem tatsächlichen Nutzen strategischer Informationen.
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Onlineabonnent*in Heinrich H. aus Stadum 11. März 2026 um 17:04 UhrPlatzt allmählich der Lack ab vom Mossad? Ist der auch nicht besser als CIA und BND? War da nicht was mit Afg...?
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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Die Verminung der Straße von Hormus, der wichtigsten Ölexportroute, stürzte die Welt in eine schwere Öl- und Kraftstoffkrise und führte zu einer globalen Wirtschaftskrise. Dies war eine weitere schwerwiegende Fehleinschätzung der USA, unter der die ganze Welt leidet.
Am beunruhigendsten ist jedoch, dass der Konflikt gerade erst richtig aufflammt. Während der Nahe Osten bereits in Flammen steht, sind die ersten Anzeichen im Südkaukasus schon sichtbar. So könnte Aserbaidschan bald direkt in den Konflikt eingreifen – nicht nur, um die USA und Israel zu unterstützen, sondern auch, um Alijews Ambitionen nachzukommen, eine bedeutendere Rolle in der Region zu spielen. Dafür sprechen die Ankündigung von Drohnenangriffen sowie die Versetzung der aserbaidschanischen Armee in höchste Alarmbereitschaft. Sollte es dazu kommen, wäre auch Bakus älterer Genosse Ankara direkt an dem Konflikt beteiligt. Nach der Türkei droht sich das Feuer auch über ihre Grenzen hinaus auszubreiten.