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Neue Kriegsphase mit Gas

Foto: jW

In der Nacht zu Donnerstag bombardierte Israel das größte Erdgasfeld der Welt, »Pars« wird es genannt. Es liegt im Persischen Golf und wird etwa hälftig im Süden von Katar und im Norden vom Iran ausgebeutet. Katar ist dadurch zum (nach den USA) zweitgrößten Exporteur von Flüssigerdgas (mit einem Weltmarktanteil von 20 Prozent) geworden. Der Iran wurde mittels der von den USA verhängten Sanktionen am Export gehindert. Immerhin deckt das Gas aus dem Pars-Feld den iranischen Eigenverbrauch weitgehend ab. Kleinere Mengen werden in den Irak und die Türkei exportiert. Konkret bombardierten die Israelis die Verarbeitungsanlagen in Assalujeh an der iranischen Südküste. Es war das erste Mal, dass die USA-Israel-Kriegsallianz iranische Energieversorgung in diesem Krieg angegriffen hatte. Der Iran sprach von einer neuen Dimension des Krieges und kündigte Gegenattacken an.

Die erfolgten noch in der Nacht und am Donnerstag morgen. Die Anlandeanlagen des Pars-Gases in Ras Laftan auf der katarischen Südseite des Golfs wurden schwer getroffen. Katar hatte schon zuvor die Gasproduktion eingestellt, weil der Abtransport durch die Straße von Hormus nicht möglich war. Dennoch berichteten die Katarer von großen Schäden, die zu reparieren es drei oder sogar fünf Jahre benötigen würde. Das würde länger dauernde Knappheiten bei der Versorgung mit Erdgas bedeuten als »nur« die Blockade der Schiffahrt durch die Straße von Hormus. Entsprechend schossen die Gaspreise in Europa am Donnerstag steil nach oben. Der Ölpreis folgte. Auch der Aktienmarkt gab stärker nach. Im deutschen ARD-Fernsehen war von einer »neuen Phase« des Krieges die Rede.

In den Marktkommentaren machten sich Realisten Sorgen, dass der Krieg der USA in jeder Hinsicht (Zeitpunkt, strategisches Kriegsziel und taktische Angriffsziele) immer mehr von der israelischen Regierung bestimmt werde. US-Präsident Trump ging darauf insofern ein, als er behauptete, er sei, anders als die Israelis behaupteten, in den Angriff auf das Pars-Gasfeld nicht eingeweiht gewesen, und dann hinzufügte, Israel würde derartiges nicht wiederholen. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges durch eine willkürliche Entscheidung des US-Präsidenten schwand. Selbst wenn die Trump-Netanjahu-Achse den »völkerrechtswidrigen Angriffskrieg« (um den Standardausdruck im Fall Ukraine zu benutzen) gegen Iran auszusetzen oder gar zu beenden geruhten, heiße das noch nicht, dass der Iran angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Wirkung seiner Gegenwehr wie im vorigen Jahr sofort einem solchen Waffenstillstand folgen würde. Aus iranischer Sicht wären mindestens ein öffentliches Versprechen nötig, alle weiteren Angriffe auf den Iran zu unterlassen, sowie das Ende der Wirtschaftssanktionen.

Ein nicht gerade wahrscheinliches Szenario. Ausgerechnet der israelische Ministerpräsident gab der Hoffnung zuletzt wieder Nahrung. In einer Pressekonferenz am späten Donnerstag abend prahlte er damit, dass die Fähigkeit des Iran zur Urananreicherung und zur Raketenproduktion »zerstört« sei. Viel schneller als erwartet könne also der Krieg zu Ende gehen.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Aachen

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.03.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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