Zum Inhalt der Seite

Granatendreherin des Tages: Franziska Brantner

Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Franziska Brantner

Am Freitag hielt Franziska Brantner, die Kovorsitzende des Weltanschauungskegelvereins Bündnis 90/Die Grünen, in Berlin auf dem ingeniös benamsten Kongress »Im/Puls« eine Rede, die man als Selbstoffenbarung interpretieren muss – jene Hohepriesterin des kriegerischen Freiheitsbegehrens, die auf einer Demonstration mal gekreischt hatte: »Und wenn ich sage: alles, dann mein’ ich: ›Taurus‹ jetzt!!!«

Irgendeinen bombengeraden »Frieden in ganz Europa« beschwor die Magd der Waffenindustrie zu Neukölln vor einer sorgfältig selektierten Claque, um sich anschließend, das Haupt leicht senkend, die Arme roboterhaft ausbreitend, in einem pastoralen Erweckungsschwulstgeschwalle zu ergehen, das man, o Lord!, als Scheißdreck, als reaktionäre ­Indoktrination bezeichnen darf. Ich habe die transzendentale Sentenz von Gerhard Polt oft bemüht: »Wer ist wir? Ich nicht!« Brantner drehte sie, ohne sie zu kennen, um: Wer ist wir? Ich auch! »Denn niemand ist frei allein. Frei sind wir nur als wir.« So was war nicht einmal den Protagonisten der Konservativen Revolution eingefallen.

Anzeige

Ich möchte nicht begründen, warum man allein komfortabel frei zu sein vermag. Ich will die Große Vorsitzende, vor der sogar unser Wirpräsident verblasst, bloß zitieren. In ihrer Verachtung des diabolischen angelsächsisch-individualistischen Freiheitsverständnisses erbrach sie das: »Frei sind wir nur im Wir.« – »Wir müssen die Räume zwischen Menschen wieder bauen«, hoffentlich klimaneutral. Es fehlten heute die »Erzählungen, die Treibstoff gestiftet haben« (erneuerbaren Raketentreibstoff?), als »Idee, die alles tragen könnte«: die Wehr- und Volksgemeinschaft.

Dass diese Intellektualgranate dabei Hannah Arendt geistig schändete – die Freiheit als Abwesenheit von Eingliederungszwängen verstand –, sei geschenkt. Die Taz formulierte es in ihrem Tagungsbericht jedenfalls versehentlich korrekt: »Vorbereitung für die Front«.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 03.06.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!