-
28.05.2026
- → Ansichten
Transatlantiker
Deutsch-kanadische Beziehungen
Rüstungsprofite und Geostrategie: Das sind die beiden Motive, die Verteidigungsminister Boris Pistorius bereits zum zweiten Mal binnen acht Monaten nach Kanada getrieben haben. Natürlich ging es auch um das Alltagsgeschäft, als Pistorius am Mittwoch in Ottawa mit seinem kanadischen Amtskollegen David McGuinty zusammentraf: um den Ukraine-Krieg und um die nötigen Vorbereitungen für den nächsten NATO-Gipfel im Juli in Ankara. Schwerpunkt der Gespräche war aber ein möglicher Waffendeal. Kanada will seine vier überalterten U-Boote der in Großbritannien gebauten Victoria Class durch bis zu zwölf neue ersetzen. US-Modelle kommen für Ottawa nach den Annexionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump nicht in Betracht. Beworben haben sich die deutsche TKMS und der südkoreanische Rüstungskonzern Hanhwa. Die Entscheidung soll in kürze fallen. Pistorius macht ein letztes Mal Druck.
Dabei geht es nicht nur ums Geschäft. Würde es das, dann wäre TKMS klar im Nachteil: Hanhwa kann U-Boote wohl schneller und womöglich auch billiger bauen als sein deutscher Konkurrent. Nun sind Waffenkäufe oft mit Gegengeschäften verbunden; im aktuellen Fall geht es um mögliche Kooperationen bei der Förderung und der Aufbereitung in Kanada abbaubarer seltener Erden. Doch auch daran haben sowohl deutsche als auch südkoreanische Unternehmen Interesse. Der Punkt, den Pistorius nun besonders betont: Die Staaten Europas wollen rüstungsindustriell von den USA unabhängig werden; die kanadische Regierung strebt das, soweit möglich, ebenfalls an. Nimmt man das ernst, dann gibt es zur Kooperation, zur Vergabe des milliardenschweren U-Boot-Auftrags an einen europäischen Konzern also, eigentlich keine Alternative. Nicht umsonst hat die EU Kanada gegen eine geringe Verwaltungsgebühr Zugang zum EU-Rüstungsfonds SAFE eröffnet. Derlei beruht im allgemeinen natürlich auf Gegenseitigkeit.
Praktisch-militärische Gründe kommen hinzu. Deutschland und Kanada haben sich 2024 mit Norwegen zu einer »Sicherheitspartnerschaft für den Nordatlantik« zusammengetan; inzwischen ist auch noch Dänemark beigetreten. Das wichtigste Ziel besteht darin, russische U-Boote im Kriegsfall aus dem Nordatlantik fernzuhalten, in den sie westlich oder östlich von Island eindringen könnten. TKMS hat gemeinsam mit Norwegen den neuen U-Boot-Typ 212 CD entwickelt, den die Marinen beider Staaten gemeinsam nutzen. Kommt nun noch als dritte im Bunde die kanadische Marine hinzu, läge es in der Tat nahe, wenn sie das gleiche Modell beschaffte. Kanada dringt zudem auf stärkere NATO-Aktivitäten in der Arktis; es will dort Russland zurückdrängen. Auch das spricht klar für eine engere kanadisch-europäische Kooperation. Mit dem Kauf südkoreanischer U-Boote würde Ottawa sich dagegen stärker auf den Pazifik, den Machtkampf gegen China orientieren. Und auch in den ist Kanada involviert: Seine Marine hält Manöver im Südchinesischen Meer ab, seine Kriegsschiffe durchqueren die Taiwan-Straße. Damit freilich wird das Land abhängiger von den USA.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
