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21.05.2026
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Strategie im Eimer
Weniger US-Soldaten in Europa
Militärische Planungssicherheit sieht anders aus, verlässliche Außenpolitik gibt es nicht. Bei Donald Trump noch weniger als gewöhnlich, wenn es um sogenannte Verbündete, also Maulhelden, geht. Wer das erwartet, hat seit dem zweiten Amtsantritt geschlafen und sollte sein politisches Konzept ändern. Das westeuropäische ist einfach gestrickt, wäre also kein Problem. Es enthält etwa zehn Gebote, die alle lauten: Russland ruinieren und irgendwie niederkämpfen. Aberglaube ist beim Sieg über die Moskowiter nötig und aus Tradition besonders in Deutschland unerschütterlich. Hier treibt der Russlandwahn die herrschende Klasse schon mal fast bis zur Selbstzerstörung. Sie lässt sich aber gern von den USA retten.
Wenn daher gegenwärtig aus Washington dringt, dass die Deutschen bald mit 5.000 weniger GIs zusammenleben sollen, Polen vorerst auf 4.000 vergeblich warten wird und die US-Truppenstärke laut NATO-Kommandeur, also US-General, Alexus Grynkewich in einem »fortlaufenden Prozess über mehrere Jahre hinweg« reduziert werden soll, fallen einige geradezu aus dem Bett, andere, etwa in Berlin sind still, Warschau spielt herunter. Zu ersteren zählt der estnische Außenminister Margus Tsahkna, der am Mittwoch per Financial Times ausrichten ließ, er erwarte »mehr koordinierte Wege« der Mitteilung in solchen Fällen. Kommt sicher auf Trumps Tisch.
Schweigen und Verharmlosen sind angebracht. Wie viele US-Soldaten in Westeuropa dafür sorgen, dass laut Außenminister Marco Rubio USA und Israel ihre völkermörderischen Landgewinnungsfeldzüge – Israel hat in Gaza, Libanon und Syrien jetzt mehr als 1.000 Quadratkilometer faktisch annektiert – betreiben können, ist unbekannt. Mal sind es 100.000, mal 80.000. Nur die langfristigen Reduzierungen könnten qualitativ etwas ändern.
Das deutsche Schweigen zum Truppenroulette hat allerdings noch eine andere Komponente: Der unzuverlässige Trump soll, zetert die deutsche Großbürgerpresse, Taiwan an Xi Jinping verschenkt haben. Wenn’s stimmt, wäre der Traum von der fernöstlichen Front gegen China fast schon geplatzt. Die gegen Russland halten die NATO-Europäer mühsam aufrecht, vor allem mit deutschen Geldausschüttungen. Gehen die US-Reduzierungen weiter, ist die Kriegsstrategie gegen Russland und China im Eimer. Da wird die neue deutsche EU-»Führungsmacht« zu strampeln haben.
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