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30.05.2026
- → Der schwarze Kanal
Flickschuster
In den 70er Jahren verlangte die militärisch gepanzerte Existenz der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten gewisse Anstrengungen imperialistischer Politik – etwas »Sozialstaat« oder Berechenbarkeit bei atomarer Aufrüstung. Ein deutscher Repräsentant dessen war Helmut Schmidt. Der SPD-Kanzler berief sich öfter auf Immanuel Kant und das »piecemeal social engineering«, die »soziale Stückwerktechnik«, des Philosophen Karl Popper: Mehr und bessere Schulen, Krankenhäuser oder höhere Renten sollten gegen »Heilslehren« wie den Marxismus helfen. Schmidt wurde des Durchwurstelns geziehen, hatte aber noch einen Begriff vom Ganzen der Weltlage, insbesondere was Sowjetunion, später Russland und China angeht.
Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 schafft es das politische Personal des seither hemmungslosen Imperialismus nur zum Irgendwie-Durchkommen. Popper wurde ersetzt durch Peter Thiels und anderer Dollar-Größen geistigen Zinnober wie »Transhumanismus«, in dem die Menschheit als vernachlässigbare Größe gilt. Der unter anderem in Frankfurt am Main ausgebildete Dr. phil. hat sich laut New York Times vom Donnerstag jüngst beim befreundeten »Anarchokapitalisten« Javier Milei in Argentinien und im benachbarten Uruguay Latifundien zugelegt, »isoliert von potentiellen Konflikten auf der Nordhalbkugel, als potentielles Schlupfloch vor anderen Risiken, vor denen Mr. Thiel öffentlich gewarnt hat – Atomkrieg und außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz«. Die Sozialenzyklika, die Papst Leo XIV. am Montag veröffentlichte, ist eine Stimme der Vernunft und des Humanismus im Vergleich zum Gefasel vom »Sieg des Antichristen«.
Der Apokalyptiker hat allen Grund, seinen Dachschaden als globale Gefahr zu sehen. Er machte Donald Trump zu einer politischen Figur, für die das Wort »Durchwursteln« eine Vergoldung ist. Gleiches gilt fürs übrige westliche Führungspersonal. So nennt zum Beispiel im Handelsblatt am Freitag dessen »International Correspondent« Torsten Riecke unter den Überschriften »Scheitern an der Weltlage. Die Anforderungen an die Führungseliten sind zwar gestiegen, aber viel zu oft wird schlecht regiert und gemanagt. Dabei wissen wir, wie es besser ginge«: Großbritannien sei dabei, »den sechsten Premierminister in zehn Jahren auszuwechseln«. Der Energiekonzern BP habe gerade seinen Chairman gefeuert und in den vergangenen sechs Jahren dreimal die Konzernspitze ausgewechselt. Riecke stellt dazu eine Grafik mit Beliebtheitswerten von Keir Starmer (69 Prozent Unzufriedenheit, 23 Prozent Zufriedenheit), Friedrich Merz (83 zu 16) und Emmanuel Macron (80 zu 20). Riecke meint, durch »geopolitische Krisen, den Zerfall der alten Weltordnung und den rasanten technologischen Wandel« seien zwar die Anforderungen »enorm gestiegen«, die Wahrheit sei aber eher, dass wie in Großbritannien in Politik als auch in Konzernen kurzsichtiges Krisenmanagement dominiere und es »an einer langfristig durchdachten Strategie fehlt. Eine Diagnose, die auch auf Deutschland zutrifft«. Der »Teufelskreis« von schlecht laufender Wirtschaft und kurzatmiger Politik sei nur durch einen »ausgereiften und langfristig angelegten Plan« zu durchbrechen: »Wir wissen also, was zu tun ist.« Statt dessen herrsche »Flickschusterei«.
Flickschuster durften in Zeiten des ehrbaren Schuhmacherhandwerks keine ganzen Schuhe herstellen. Rieckes Annahme, dass das heutige Führungspersonal des kriegswütigen Imperialismus zu einem Plan fürs Ganze fähig wäre, ist ein landläufiger Irrtum. Ohne neue Eigentumsverhältnisse wird nichts draus. Eine auf Frieden angelegte Sozialenzyklika schafft das nicht allein.
Rieckes Annahme, dass das heutige Führungspersonal des kriegswütigen Imperialismus zu einem Plan fürs Ganze fähig wäre, ist ein landläufiger Irrtum. Ohne neue Eigentumsverhältnisse wird nichts draus. Eine auf Frieden angelegte Sozialenzyklika schafft das nicht allein.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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