Krieger brauchen Kontra
Von Arnold Schölzel
Mehr denn je seit ihrem Entstehen sind die Ostermärsche, ist Protest gegen Krieg nötig. Zumal in Deutschland, das laut Kanzler die »stärkste konventionelle Armee« in Europa aufstellen will. Friedrich Merz will schon jetzt den NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine nicht enden lassen, weil Russland erst militärisch und ökonomisch erschöpft sein soll. »Europa« wiederum muss »seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren«, so der Bundespräsident. Geschichtsvergessen und machtbesessen sind beide, sie stehen für einen Teil der herrschenden Klasse, der aus Geschichte nichts gelernt hat, aber Russenhass in der Bevölkerung verankern will.
Auch der US-Präsident und seine Leute sind repräsentativ: Donald Trump hat gegen den Iran den achten Militäreinsatz seiner zweiten Amtszeit zwar an die zehnmal gewonnen, konnte ihn bis Mittwoch aber nicht beenden. Und will sich als nächstes Kuba vorknöpfen. Trump akzeptiert, dass sein Freund Benjamin Netanjahu das Gazakriegsprinzip – Unbewohnbarmachen ohne jede Rücksicht – auch im Libanon praktiziert. Die EU-Europäer bleiben gewohnt still. Für sie alle gilt das Brecht-Wort: »Die Kapitalisten wollen keinen Krieg, sie müssen ihn wollen.«
Allerdings enden ihre Kriege und Aufrüstungspläne regelmäßig anders als geplant. Über ihre Opfer reden sie kaum noch. Wer’s tut, gilt hierzulande als Extremist oder verbreitet »Hamas-Scheiße« (Bodo Ramelow, Die Linke). Wichtiger als Tote und Verletzte sind ihren Schreibtischhelden Börsenkurse, Spritpreise, die Halbierung der deutschen Wirtschaftsleistung als Folge des Iran-Kriegs, Trumps jeweils neueste Verlautbarung zur NATO-Zukunft oder der Stopp seines Ballsaalbaus am Weißen Haus durch einen Richter. Dafür darf er nach Entscheidung eines anderen nach der Anzahl jüdischer Angestellter an der Universität von Pennsylvania fragen. Auf der Suche nach Antisemitismus. Passt zu Kriegszeiten und dazu, die Todesstrafe ausschließlich für Palästinenser in Israel in Gesetzesform zu bringen.
Kein Krieg des Imperialismus ohne propagandistische Einteilung von Menschen in höher- und minderwertige. Soziale Ungleichheit, also Klassengegensätze, auf die Spitze getrieben bis hin zur mit Leichtigkeit begangenen Massenvernichtung von Habenichtsen dieser Welt sind fester Bestandteil dieser Gesellschaftsform. Trumps Freikorps ICE exekutiert das in den USA in eigenen Lagern, nicht mehr auf Straßen wie in Minneapolis. Und wer von Trump spricht, darf von den faschistischen Techoligarchen, die ihn gemacht haben, nicht schweigen.
Die USA riskieren nicht nur regelmäßig wie durch den Iran-Krieg den Kollaps der Weltwirtschaft, sondern auch einen Weltkrieg. Am 27. Januar wurde die Weltuntergangsuhr auf 85 Sekunden vor Mitternacht gestellt, ein neuer Spitzenwert. Es ist höchste Zeit, wenigstens auf die Straße zu gehen.
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