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Aus: Ausgabe vom 04.04.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Insiderhandel der Trumpisten

Krieg ist bare Münze an der Börse

Profitables Wissen über US-Angriffe im Nahen Osten und Venezuela: Insiderhandel der Trumpisten blüht
Von Dominic Iten
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Jede Information wird sofort in Preise übersetzt: Trader an der New Yorker Börse (24.3.2026)

Kriege werden angekündigt, verschoben, relativiert. Märkte brechen ein oder starten Höhenflüge – und einige verdienen viel Geld daran. Nicht im nachhinein, sondern Minuten vorher. Während die meisten Menschen im unklaren über den Kriegsverlauf bleiben, zeigt ein Blick auf die Finanzmärkte: Bevor Donald Trump spricht, hat der Markt oft schon reagiert – weil einige mehr wissen als andere.

Mag sein, dass sich die US-Führung bei ihrem Angriff auf den Iran verkalkuliert hat – doch vereinzelt scheint die Rechnung aufzugehen. 15 Minuten bevor Trump am 23. März »produktive« Gespräche mit Teheran meldete und damit eine fünftägige Verschiebung geplanter Angriffe ankündigte, wurden Wetten für rund 580 Millionen US-Dollar auf fallende Ölpreise plaziert.

Kurz nach sieben Uhr veröffentlichte Trump seinen Beitrag auf seiner Plattform »Truth Social«. Die Märkte reagierten sofort: Innerhalb von sechs Minuten stieg der Börsenwert der Unternehmen am Börsenindex S&P-500 um mehrere hundert Milliarden US-Dollar, während die Ölpreise um 13 Prozent einbrachen. Wer auch immer hinter den Geschäften stand, hat damit Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren.

Mehrere Hedgefonds haben darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Monaten wiederholt große Transaktionen vor offiziellen Ankündigungen der US-Regierung getätigt wurden. Am 31. März erhärtete ein von der Financial Times aufgedeckter Fall den Verdacht, dass im Weißen Haus Außenpolitik und finanzielle Eigeninteressen Hand in Hand gehen: Demnach soll ein Finanzberater von Kriegsminister Pete Hegseth wenige Wochen vor dem Angriff auf den Iran versucht haben, eine große Summe in den Rüstungsfonds »Defense Industrials Active ETF« zu investieren. Das Geschäft scheiterte letztlich, der Sachverhalt verdeutlicht aber, wie eng politische Entscheidungsprozesse und finanzielle Gewinne miteinander verwoben sind.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mindestens drei ähnlich gelagerten Fällen: So erzielten am 28. Februar sechs Konten auf einem Prognosemarkt Gewinne von insgesamt 1,2 Millionen US-Dollar, indem sie auf die Tötung von Ali Khamenei setzten. Ein ähnliches Muster zeigte sich am 3. Januar im Zusammenhang mit der Entführung von Nicolás Maduro. Ein anonymer Nutzer wettete mit rund 34.000 US-Dollar auf ein unwahrscheinliches Szenario – die Festsetzung des venezolanischen Präsidenten durch US-Spezialkräfte – und erzielte damit einen Gewinn von etwa 410.000 US-Dollar. Und im April vergangenen Jahres wurden nur Minuten vor Trumps Ankündigung, geplante Zölle auszusetzen, über Optionen Millionenbeträge auf steigende Aktienkurse gesetzt.

Finanzmärkte sind intransparent. Puts, Calls, Futures – die Welt der Termingeschäfte ist komplex und schwer nachzuvollziehen. Nicht ohne Grund, wer über Insiderwissen verfügt, kann enorme Gewinne erzielen. Das Timing von Trumps unerwarteten Ankündigungen und den millionenschweren Wetten ist frappierend, doch der eigentliche Skandal liegt nicht in den Einzelfällen. Vielmehr zeigt sich darin, wie die Logik der Märkte politische Entscheidungen und wirtschaftliche Interessen unmittelbar miteinander verknüpft.

Einmal mehr macht Trump, was alle machen – nur unverhohlener. Energiepreise und Aktienindizes reagieren unmittelbar auf Nachrichtenlagen, was die Funktionslogik kapitalistischer Finanzmärkte verdeutlicht: Jede Information, die zukünftige Profite beeinflusst, wird sofort in Preise übersetzt. Man kann sich über die Unverfrorenheit von Donald Trump und seinem engsten Umfeld empören – doch im Kern werden hier Mechanismen genutzt, die strukturell angelegt sind.

Krieg ist im imperialen Gefüge kein Betriebsunfall, sondern ein Mittel zur Neuaufteilung von Einflusszonen, Ressourcen und Märkten. Kapital sucht Verwertung, auch und gerade unter Bedingungen von Unsicherheit und Zerstörung. Politische Entscheidungen eröffnen dabei jenen Eingeweihten unmittelbare Gewinnchancen, die Zugang zu sensiblen Informationen haben. Trump führt Kriege nicht primär, um Geschäfte zu machen – doch dass Kriege ökonomisch instrumentalisiert werden, entspricht genau jener engen Verbindung von Staat und Kapital, die im Imperialismus wirksam ist.

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