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Kapital Global

Sehnsuchtsort Schweiz

Im Zuge des Iran-Krieges steht die Schweiz vermehrt im Fokus der Bourgeoisie aus Nahost

Foto: Arnd Wiegmann/REUTERS
Nicht nur für Touristen, sondern auch für die Wohlhabenden aus aller Welt ist der Kanton Zug ein Ziel

Seit der US-Imperialismus mal wieder den Nahen Osten verwüstet, strömen vermögende Auswanderer aus den Golfstaaten in die Schweiz – und mit ihnen ihr Kapital. Insbesondere der Kanton Zug zieht als Zentrum des Rohstoffhandels und berüchtigte Steueroase jene Vermögen an, deren Besitzer sie in der destabilisierten Region nicht mehr sicher wähnen.

Mit dabei bei der Kapitalwanderung sind vor allem Unternehmen und vermögende Privatpersonen mit Sitz in Dubai, viele davon aus dem Rohstoff- und Finanzsektor. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters prognostizierten Bankiers, Vermögensverwalter und Finanzberater schon im März einen anhaltenden Kapitalzufluss aus dem Nahen Osten, auch befeuert durch den US-israelischen Krieg gegen Iran und deren Gegenangriffe auf die Golfstaaten.

Die Schweiz wird damit einmal mehr zum sicheren Kapitalhafen. Pierre Gabis vom Vermögensverwalter Alpen Partners berichtete der ­Financial Times (FT), dass sein Unternehmen in letzter Zeit vor allem von Händlern und Unternehmern aus dem Bereich der globalen Rohstoffmärkte Zulauf erhalte. Angesichts der steigenden Nachfrage plane er eine Niederlassung in Zug. Wie ein in der Schweiz tätiger Privatbankier ferner angab, habe sich die Zahl der Bewerbungen von Kundenberatern internationaler Banken seit Kriegsbeginn vervierfacht.

Doch der Platz im Zuger Paradies ist begrenzt; angeblich bilden sich dieser Tage bei Wohnungsbesichtigungen lange Schlangen. Ein Phänomen, das in städtischen Zentren für Arbeiter längst zum Alltag geworden ist, erreicht nun auch wohlhabende Zuwanderer. Wohnen wird zum zentralen Engpass beim möglichst ertragreichen Verschieben von Vermögen.

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Besonders hoch sind die Hürden für Nicht-EU-Bürger. Sie bekommen nur eine Aufenthaltsbewilligung, wenn sie auch in der Schweiz arbeiten, ein Unternehmen gründen oder – im Fall sehr vermögender Personen – eine spezielle Steuervereinbarung mit dem Kanton abschließen können. Bei dieser sogenannten Pauschalbesteuerung wird die Steuer nicht nach dem Einkommen berechnet, sondern nach den Lebenshaltungskosten in der Schweiz. Allerdings muss dies zuerst bewilligt werden, und auch dann gibt es keine Garantie, dass man in gefragten Orten wie Zug wohnen kann. Indessen bietet sich Lugano als Alternative an. In der FT warb Ende vergangener Woche Immobilienmakler Simon Incir für die malerische Kleinstadt: »Wir haben viel mehr Verfügbarkeit – rund 300 Immobilien auf dem Markt«.

Eine Renaissance des Schweizer Finanzplatzes also? Martin Hess, Chefökonom der Schweizerischen Bankiervereinigung, sagte bereits Anfang März auf deren Website, dass »Swissness« wieder »stark gefragt« sei – »also Sicherheit, Stabilität und das, was man auch schlicht solides Schweizer Bankhandwerk« nennen könne.

Doch zu viel Optimismus scheint verfrüht: Trotz der jüngsten Zuflüsse bleibt der langfristige Bedeutungsverlust des Schweizer Finanzplatzes bestehen. Zwar sucht das globale Kapital in Zeiten geopolitischer Unsicherheit nach politischer Stabilität, Währungsstärke und institutioneller Verlässlichkeit. Und gerade Standorte wie Zug profitieren dabei besonders, weil jene Vorzüge für Kapitaleigner dort mit hohen steuerlichen Anreizen und der Verfügbarkeit spezialisierter Finanzdienstleistungen verbunden werden.

Doch die Schweiz hat spätestens seit 2008 kontinuierlich Marktanteile in der internationalen Vermögensverwaltung verloren – etwa an aufstrebende Zentren wie Singapur, die mit finanzfreundlicher Politik oder geographischer Nähe zu neuen Vermögensquellen punkten. Gleichzeitig haben internationale Regulierungen das Geschäftsmodell der Offshorevermögensverwaltung untergraben. Wir sehen weniger eine Renaissance des Schweizer Finanzplatzes denn eine rein krisengetriebene Verschiebung globaler Vermögen. Wo sich deren Herren schlussendlich niederlassen werden, bleibt ungewiss.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.04.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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