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23.03.2026
- → Kapital & Arbeit
Russisches Öl für Kuba
Tanker unterwegs zur Entlastung in akuter Energiekrise: Putin widersetzt sich offenbar Trumps Wirtschaftskrieg mit der Karibikinsel
Ein russischer Frachter mit Rohöl an Bord ist derzeit im Atlantik unterwegs und nimmt Kurs auf Kuba. Sollte das Schiff einen kubanischen Hafen erreichen, handelte es sich um die erste Lieferung fossiler Energieträger seit Anfang Januar. Für Havanna wäre dies angesichts der anhaltenden Stromausfälle und der gravierenden Versorgungsengpässe eine dringend benötigte Entlastung. Im Januar verhängte die US-Regierung eine Ölblockade gegen die Karibikinsel und drohte Drittstaaten mit Sanktionen, sollten sie weiterhin Lieferungen an Kuba aufrechterhalten. Bereits zuvor hatten die US-Streitkräfte mehrere venezolanische Tanker abgefangen und ausgeraubt, so dass die zuvor bezahlten Lieferungen die sozialistische Inselrepublik nicht erreichen konnten.
Wie internationale Medien berichten, handelt es sich um den russischen Tanker »Anatoly Kolodkin«. Das Schiff soll rund 730.000 Barrel Rohöl transportieren und befindet sich nach Einschätzung von Beobachtern auf dem Weg nach Kuba – auch wenn offizielle Angaben ein anderes Ziel ausweisen. Demnach verließ der Tanker am 9. März den russischen Hafen von Primorsk. Als offizieller Bestimmungshafen wird »Atlantis, USA« angegeben, eine Stadt im Palm Beach County in Florida – die Angabe wird von Beobachtern als wenig glaubwürdig eingeschätzt.
Auch wenn russische Behörden angeben, ein US-amerikanisches Ziel anzusteuern, gilt dies als wenig plausibel: Der Tanker steht nämlich seit 2024 auf der Sanktionsliste der USA. Beobachter gehen daher davon aus, dass die tatsächliche Route eine andere ist. So berichtet der Analyseanbieter für Rohstoff- und Schiffahrtsmärkte »Kpler«, das Schiff sei auf dem Weg in den kubanischen Hafen von Matanzas. Auch der Schiffsverfolgungsdienst »Tankertrackers« kommt zu einer ähnlichen Einschätzung und verweist zudem auf ein weiteres Schiff auf dem Weg in die Karibik. Dabei handelt es sich um den unter Hongkonger Flagge fahrenden Frachter »Sea Horse«, der nach Angaben internationaler Medien rund 27.000 Tonnen russisches Flüssiggas transportiert. Seine Ankunft in Kuba wird bereits für Montag erwartet und könnte die angespannte Energieversorgung kurzfristig entlasten. Die Ankunft des russischen Tankers wird hingegen erst Anfang April erwartet.
In Havanna ist man auf die Lieferung des russischen Öls angewiesen. Die eigene Förderung deckt lediglich rund 40 Prozent des nationalen Energiebedarfs, während der Rest traditionell durch Importe ausgeglichen wird. Während zu Zeiten des Kalten Krieges besonders die Sowjetunion als Energielieferant auftrat, wurde diese Lücke nach der Wahl von Hugo Chávez von Caracas gefüllt. Mit der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und dem Druck auf seine Vizepräsidentin Delcy Rodríguez wurden die Lieferungen an Kuba vorerst ausgesetzt, wodurch Mexiko zu Beginn des Jahres zum wichtigsten Lieferanten für Havanna wurde. Doch auch die Regierung von Claudia Sheinbaum entschied sich nach dem Beginn der US-Blockade gegen weitere Lieferungen an die Karibikinsel.
Russland verurteilte die Verschärfung der Blockade Ende Januar als völkerrechtswidrig und bekräftigte zugleich seine politische Unterstützung für Kuba. Auch nach jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten über eine mögliche Übernahme der Insel positionierte sich das russische Außenministerium deutlich. »Russland bekräftigt seine unerschütterliche Solidarität mit der Regierung und dem brüderlichen Volk Kubas.«
Russland selbst ist seit Beginn des Ukraine-Krieges massiven Sanktionen durch die USA und die EU ausgesetzt, die sich insbesondere gegen den Energiesektor richten. Vor dem Hintergrund steigender Treibstoffpreise nach den US-Angriffen auf den Iran setzte Washington Teile der Sanktionen gegen russisches Öl zeitweise aus – mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Lieferungen nach Kuba blieben weiterhin untersagt. Sollte der russische Tanker tatsächlich Kuba ansteuern, würde sich Moskau über die US-Sanktionen hinwegsetzen. Für die kubanische Revolution hätte eine solche Lieferung jedoch existentielle Bedeutung: Sie könnte die akute Energiekrise kurzfristig etwas entschärfen.
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