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Energiekrise in Kuba

Sonne trotzt der US-Blockade

Kuba will Abhängigkeit von Importen fossiler Energieträger entkommen: Wie das Land seinen Solarsektor beständig ausweitet

Foto: Norlys Perez/REUTERS

Angesichts der jüngsten Stromausfälle in Kuba wird die hohe Abhängigkeit der Insel von Ölimporten erneut deutlich. Mit der im Januar von US-Präsident Donald Trump weiter verschärften Blockadepolitik, die faktisch einem Ölembargo gleichkommt, hat sich die Versorgungslage dramatisch zugespitzt. Havanna sieht sich seither mit einer Energiekrise konfrontiert, deren Ausmaß beispiellos ist. Vor diesem Hintergrund treibt die kubanische Regierung den Umbau der Energieversorgung mit Nachdruck voran. Ziel ist es, den Druck aus Washington zu reduzieren. Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte, Kuba habe seit mehr als drei Monaten keine Öllieferungen mehr erhalten. Unter diesen Bedingungen gewinnt der Ausbau erneuerbarer Energieträger strategische Bedeutung: Teile der kritischen Infrastruktur, darunter Einrichtungen des Gesundheitswesens, konnten zuletzt ausschließlich durch Solarenergie aufrechterhalten werden – eine Ressource, die sich dem Zugriff der Blockade entzieht.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war Kuba Anfang der 1990er Jahre in eine schwere Krise geraten. Da zuvor bis zu 80 Prozent des Außenhandels mit dem sozialistischen Lager abgewickelt worden waren, brach die Versorgung teilweise zusammen. Havanna reagierte mit der Ausrufung der »Periodo Especial«, einer Phase drastischer Einschnitte und Mangelwirtschaft. Mit dem Amtsantritt von Hugo Chávez in Venezuela Ende der 1990er Jahre eröffnete sich ein Ausweg: Subventionierte Öllieferungen aus Caracas wurden zur zentralen Stütze der kubanischen Energieversorgung unter den harten Bedingungen der US-Blockade. Diese über 20 Jahre währende Kooperation fand nach der Entführung von Chávez-Nachfolger Nicolás Maduro und den Überfällen auf Öllieferungen ihr Ende. Eine Situation, die Alternativen um so mehr Gewicht verleiht.

Sowohl im vergangenen als auch im aktuellen Fünfjahresplan misst die kubanische Regierung dem Ausbau der Solarenergie – neben der Elektrifizierung des Verkehrs – zentrale Bedeutung bei. Doch selbst der Übergang zu erneuerbaren Energieträgern wird durch die US-Blockade erheblich behindert. Insbesondere die Verschärfungen der 1990er Jahre, das Torricelli- und das Helms-Burton-Gesetz, entfalten extraterritoriale Wirkung und drohen auch Unternehmen aus Drittstaaten mit Sanktionen. Dennoch ist es Havanna in den vergangenen Jahren gelungen, den Anteil erneuerbarer Energieträger spürbar zu erhöhen und damit einen wichtigen Schritt zur Verringerung der energiepolitischen Abhängigkeit zu gehen.

Eine wichtige Rolle spielten in diesem Kontext chinesische Partner, insbesondere nach den begrenzten Lockerungen der Sanktionen unter Barack Obama. Chinesische Banken und Finanzinstitutionen traten als Kreditgeber auf, während Konzerne aus der Volksrepublik die entsprechenden Komponenten, wie Solarmodule, lieferten. So stellte Beijing Kuba im September 2023 rund 114 Millionen US-Dollar für ein Solarprojekt in der Provinz Holguín zur Verfügung. Im Rahmen dieses Vorhabens wurden Solaranlagen unter Beteiligung des Konzerns Shanghai Electric in mehreren Gemeinden installiert. Die Umsetzung erfolgt weiterhin unter Leitung des kubanischen Staatsunternehmens UNE und gilt als Beispiel für die wachsende energiepolitische Kooperation zwischen Havanna und Beijing.

Im Rahmen eines weiteren chinesischen Projekts aus dem Jahr 2018 entstand in der Sonderentwicklungszone Mariel das erste Solarkraftwerk des Landes in ausländischem Besitz. Konkret handelt es sich dabei um ein Gemeinschaftsunternehmen des britischen Entwicklers Hive Energy und des chinesischen Konzerns Shanghai Electric. Das Vorhaben, das nach einem 25jährigen Stromabnahmevertrag mit dem kubanischen Staatskonzern UNE Strom zu einem Festpreis liefert, soll die nationale Energieunabhängigkeit stärken und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die gegenwärtig gar nicht mehr geliefert werden, verringern. Finanziert wurde auch dieses Projekt durch ein chinesisches Darlehen über 51 Millionen US-Dollar.

Neben staatlichen und unternehmerischen Initiativen unterstützen auch internationale Solidaritätsbewegungen den Ausbau erneuerbarer Energieträger in Kuba. Auf Basis von Spenden organisieren sie unter anderem Containerlieferungen mit Solarpanels in die Karibik. Auch die Frankfurter Initiative Interred war an der Umsetzung mehrerer Projekte beteiligt und konnte bis 2024 drei Solaranlagen finanzieren. Diese Vorhaben ermöglichen Einsparungen von bis zu 27.000 Litern Heizöl jährlich und leisten damit einen konkreten Beitrag zur Entlastung der angespannten Energieversorgung. Seit Februar kooperiert Interred zudem mit der Initiative »GewerkschafterInnen für Kuba«, in der sich Mitglieder verschiedener Branchen- und DGB-Gewerkschaften zusammengeschlossen haben, um praktische Hilfe für die Insel zu organisieren.

Auch aus anderen europäischen Ländern – insbesondere aus Spanien – wurde Unterstützung für Kuba angekündigt. Die staatliche Entwicklungsagentur AECID erklärte, in den kommenden Wochen humanitäre Hilfe auf die Insel zu entsenden. Neben Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln sollen dabei auch bis zu zwanzig Solarpanels geliefert werden, um die Energieversorgung angesichts der akuten Notsituation punktuell zu stabilisieren.

Trotz und wegen der Blockade bemüht sich Havanna um einen Ausbau der erneuerbaren Energieträger. Angesichts der Sanktionen ist die Unterstützung durch ausländische Partner in dieser Hinsicht unerlässlich. Während aus der Bundesrepublik und Spanien Hilfe von Solidaritätsinitiativen organisiert wird, sorgt vor allem die Volksrepublik China für den entscheidenden Unterschied und finanzierte bereits ganze Wind- und Solarparks in dreistelliger Millionenhöhe.

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.03.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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  • Volker Wirth (KarEn e. V.) aus Berlin 24. März 2026 um 15:44 Uhr
    Machen wir uns nichts vor: Die Sonne schickt zwar keine Rechnung – richtig, aber am Beginn steht doch eine erhebliche Investition. Ein Euro je installierte Leistung, etwa bei Solar- wie bei Windenergie. Dazu kommt die Stromspeicherung. Vollig autonome Photovoltaikanlagen von z. B. 830 Wp, von denen der Verein KarEn – Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e. V. gerade wieder 50 Stück nach Kuba als Spende schickt, kosten rund 2.800 Euro je Stück, (also 3,37 Euro pro installiertes Watt »peak«) einschließlich des Containertransportes, aber ohne die Installationskosten vor Ort, die normalerweise der kubanische Partner sichern muss.
    Bei KarEn e. V. haben das in der Vergangenheit technisch versierte Vereinsmitglieder in ihrem Urlaub mitgemacht. Der kubanische Installationsbetrieb trägt die Hauptlast, Copextel hätte nun auch gern Deviseneinnahmen.
    Kleinere »solar home systems« mit 600 Wp kosteten nicht viel weniger. Dabei spielen nicht die Kosten der Paneele bzw. Module, sondern die der Batterien, Laderegler und Wechselrichter (um kubanischen »Normalstrom« mit 110 Volt zu erhalten) sowie Kabel die ausschlaggebende Rolle. Denn der Strom soll ja nicht nur dann verfügbar sein bzw. verbraucht werden, wenn er erzeugt wird.
    Insgesamt 243 solcher »SHS« wurden mit Mitteln von KarEn und teilweise einem größeren BMZ-Zuschuss seit 2018 in den Bergen Kubas in Genossenschaftshäusern von Kaffeebauern installiert, weil das kubanische Netz nicht bis dorthin reicht. Aber diese Arbeit ist schwer, die Enthusiasten wurden älter und weniger leistungsfähig (manche sagen »klappriger«). Junge, dafür begeisterbare Leute gibt es leider immer weniger. Da ist der entstehenden »Initiative GewerkschfterInnen für Kuba« und Interred viel Glück zu wünschen! Gleichfalls viel Glück wünscht man ihnen bei den erforderlichen Spenden - aber die Spendenbereitschaft in Deutschland für Kuba ist gegenwärtig enorm!
  • Rudi Eifert aus Langenhagen 22. März 2026 um 19:34 Uhr
    Für Cuba die einzige Möglichkeit, die Energiekrise zu überwinden. Auch ich habe damals für »Cuba sí« für ein Photovoltaikfeld auf Cuba gespendet, bin stolz, dass dieses gepeinigte Volk Alternativen nutzt, die es von anderen Energiequellen unabhängig macht. Ich hätte mir allerdings angesichts der seit vielen Jahrzehnten anhaltenden verbrecherischen Sanktionen der US-Amerikaner gewünscht, Energiealternativen hätten schon früher gegriffen. Doch wer wusste, welche Schweinereien unsere US-amerikanischen Freunde für Cuba vorsahen? Hut ab vor Greta Thunberg, die zusammen mit Aktivisten eine Flotte mit Hilfsgütern nach Cuba organisiert hat. Wollen wir nur hoffen, dass sie unbeschadet dort ankommen und nicht etwa von amerikanischen Kriegsschiffen an der Anlandung behindert werden – schlimmstenfalls angegriffen werden. Mich würde nichts wundern. Wie sehr hätte ich mir eine für Cuba solidarische Erklärung unserer politisch Verantwortlichen gewünscht. Doch nichts dergleichen. Beschämend! Es ist eine Haltung, die einhergeht mit einem hilflosen Gestammel unseres Herrn Wadephul, wenn es darum geht, die Aggressoren in Tel-Aviv und Washington für ihren verbrecherischen Krieg gegen den Iran zu verurteilen. Wo fängt man an, wo hört man auf? Man kann sich angesichts der schizophrenen Situation nur die Haare raufen.
  • Felix Wiedemann aus München 21. März 2026 um 19:37 Uhr
    »Neben Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln sollen dabei auch bis zu zwanzig Solarpanels geliefert werden, um die Energieversorgung angesichts der akuten Notsituation punktuell zu stabilisieren.« Mit 20 Solarpanels, also fünf gut ausgebauten Balkonkraftwerken, wird sicherlich die Energieversorgung eines Staates nicht stabilisiert. Ist die Hilfe nur symbolischer Natur und die Bemerkung zur Stabilisierung ironisch bzw. falsch, oder liegt hier ein Fehler bzgl. Menge der Solarpanels vor?
  • Onlineabonnent*in Gabriel T. aus B. 21. März 2026 um 08:01 Uhr
    Bei aller Liebe, und ich liebe diese Insel und ihre Bewohner wirklich, es hilft nichts, sich etwas vorzumachen. Die soli Solarpanele von denen du schreibst, ersetzen mal gerade einen kleinen Tanklastwagen, und auch die chinesische Hilfe wurde erst sehr spät angefragt. Seit gut einem viertel Jahrhundert ist die Energiemangellage bekannt. Bemüht hat sich der cubanische Staat allerdings primär um Investitionen spanischer Hotelkonzerne, um den Tourismus auszubauen. Dies ist nicht unabhängig von der inneren Verfasstheit der cubanischen Gesellschaft zu verstehen. Gerade im Tourismus lässt sich eine schnelle Mark verdienen. Auch wenn man in Thailand, Spanien, Griechenland sehen konnte, welche gesellschaftlichen Verwerfungen diese Branche mit sich bringt, hat man lieber auf die schnelle Mark gesetzt. Dies wurde stark dadurch begünstigt, dass dem cubanische Kleinbürgertum Jobs in diesem Bereich weit mehr behagte als schmutzige Fabrikarbeit, aber auch dadurch, dass große Teile der Nomenklatura durch die schnelle Mark schnell zu Ansehen und Einfluss gekommen sind. Man hätte durchaus schon seit der Jahrtausendwende eine vom Öl unabhängige Stromversorgung aufbauen können, so man denn gewollt und Investitionen anders priorisiert hätte.
  • Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 20. März 2026 um 22:25 Uhr
    Besonders Mitte der 2010er Jahre gab es auf Kuba bereits Bemühungen, Solarwerke zu installieren. Dies wurde jedoch von staatlicher Seite »verzögert« bzw. behindert, denn potenzielle Anlagen hätten im Voraus von Kuba an entsprechende Investoren bezahlt werden müssen. Wichtige Solaranlagen bei Spitälern mussten umständlich über die Regierung erstellt werden. Private Haushalte konnten keine Solarpanels kaufen; später nur über maßlos überteuerte von staatlichen Institutionen. Mit aller Solidarität zum soz. Kuba tragen die verschiedenen kubanischen Regierungen eine Mitschuld an der heutigen Lage. Dennoch, die andauernde Blockade der USA, unterstützt von europ. Regierungen, inkl. der BRD, ist unmenschlich und völkerrechtswidrig. Daher ist es wichtig, trotz einiger Kritik, Solidarität in jeglicher Form zu bekunden.
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