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Aus: Ausgabe vom 08.01.2026, Seite 1 / Titel
US-Aggression gegen Venezuela

Erst Blut, dann Öl

US-Militär kapert venezolanischen Öltanker im Nordatlantik. Trump erpresst Caracas und zwingt dem Land Rohstoffdeal auf
Von Volker Hermsdorf
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Protest gegen die Ölgier der Vereinigten Staaten in São Paulo am Montag

Die Jagd auf venezolanische Öltanker reicht bis in den Nordatlantik: Am Mittwoch hat das US-Militär ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff aus dem lateinamerikanischen Land in isländischen Gewässern gekapert. »Die Blockade von sanktioniertem und illegalem venezolanischem Öl bleibt in voller Wirkung – überall auf der Welt«, kommentierte US-Kriegsminister Pete Hegseth das Entern der »Bella/Marinera« auf X. Das russische Verkehrsministerium reagierte umgehend: »Kein Staat hat das Recht, Gewalt gegen Schiffe anzuwenden, die ordnungsgemäß in den Hoheitsgebieten anderer Staaten registriert sind.« Moskau hatte am Mittwoch morgen dem Wall Street Journal zufolge Marineeinheiten zu dem Tanker entsandt, um ihn zu eskortieren – wohl vergeblich.

Beim US-Angriff auf Venezuela am Sonnabend floss Blut für das Öl: 80 Menschen im Alter zwischen 26 und 80 Jahren gehören zu den ersten Opfern bei Washingtons völkerrechtswidriger Aggression. Unter den Getöteten sind 56 Einsatzkräfte, darunter 32 aus Kuba, die Präsident Nicolás Maduro schützen wollten, aber auch unbeteiligte Zivilisten. Nach Art eines Mafiapaten besteht US-Präsident Donald Trump nun darauf, allein über die Beute verfügen und deren Verteilung bestimmen zu können. Mitgliedern der amtierenden Regierung droht er im Jargon von Schutzgelderpressern an, erneut seine Schläger vorbeizuschicken, falls sie sich seinen Forderungen widersetzen.

Hinter der brutalen Militärintervention zeichnet sich ein imperialer Masterplan ab: Trump kündigte am Dienstag an, Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel an bislang sanktioniertem Rohöl im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar in die Vereinigten Staaten liefern. Das Volumen entspricht etwa der gesamten Fördermenge von ein bis zwei Monaten. Das Öl soll laut Trump mit Tankern direkt in US-Häfen gebracht und zum Marktpreis verkauft werden. Der Erlös »wird von mir als Präsident der USA kontrolliert, um sicherzustellen, dass es zum Wohl des venezolanischen Volkes und der Vereinigten Staaten verwendet wird«, erklärte er.

Die ersten Profiteure sind bereits klar: US-Raffinerien an der Golfküste und vor allem der Ölgigant Chevron, dessen Aktie nach dem US-Angriff auf Caracas um fünf Prozent stieg. Chevron soll nun eine Schlüsselrolle beim »Wiederaufbau der maroden Ölinfrastruktur« spielen. Der Konzern mit Hauptsitz in Texas ist Minderheitsaktionär in vier Joint Ventures mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA, die derzeit zusammen rund ein Viertel der aktuellen Fördermenge des Landes produzieren. Eine unter dem vorigen US-Präsidenten Joe Biden erteilte Genehmigung dazu war von Trump im März 2025 aufgehoben und ist nun offenbar reaktiviert worden. Auch andere Ölkonzerne »brennen darauf, hineinzugehen«, so Trump. Sein Appetit ist damit allerdings nicht gestillt.

Neben der Kontrolle über die Ölindustrie geht es um andere strategische Ressourcen, um globale Märkte und darum, Rivalen wie China und Russland auszubooten. Wie der Sender ABC News berichtete, verlangt Washington den Abbruch der wirtschaftlichen Beziehungen zu China, Russland, Iran und Kuba. Caracas soll sich verpflichten, bei der Ölförderung und Vermarktung ausschließlich die USA als Partner zu akzeptieren. Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez weist den Anspruch Washingtons zumindest verbal zurück: »Es gibt keinen externen Akteur, der Venezuela regiert«, erklärte sie, worauf Trump warnte, sie könne »einen höheren Preis als Maduro« zahlen. Auch Innenminister Diosdado Cabello steht nach US-Angaben bereits auf einer »Zielliste«, sollte er nicht kooperieren.

Der Konflikt nimmt mittlerweile globale Dimensionen an. China verwies darauf, dass Venezuela über bedeutende Vorkommen seltener Erden, Gold und Diamanten verfügt – Rohstoffe, die für Rüstungs- und Hochtechnologie unverzichtbar sind – und pochte darauf, Venezuelas Souveränität zu respektieren.

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  • Leserbrief von Friedrich Bäßmann aus Kiel (8. Januar 2026 um 11:42 Uhr)
    »US-Militär kapert venezolanischen Öltanker im Nordatlantik.« Nur zur Richtigstellung der Berichterstattung : 1. Der Tanker war nicht »venezolanisch«. Das Schiff war zu dem Zeitpunkt russisch registriert (früher Guayana). 2. Das Schiff sieht auf den gezeigten Bildern unbeladen, also ohne Öl an Bord, aus. Aber Piraterie bleibt Piraterie!
  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (8. Januar 2026 um 10:55 Uhr)
    Die von Trump eingeleitete, risikobehaftete Maßnahme verschafft den Vereinigten Staaten kurzfristig finanzielle und energiepolitische Entlastung und erhöht seine Chancen, als Gewinner der US-Zwischenwahlen im November hervorzugehen. Die Refinanzierung der Staatsverschuldung wird dadurch erleichtert, zugleich wird ein Stillstand amerikanischer Ölraffinerien vermieden. Ein möglicher Rückgang der Dieselpreise könnte die Transportkosten senken und damit inflationsdämpfend wirken. Nach Syrien dürfte auch Venezuela seine wirtschaftspolitische Ausrichtung anpassen und den US-Dollar weiterhin für internationale Abrechnungen verwenden. Dies würde den globalen Dedollarisierungstrend zwar verzögern, jedoch nicht aufhalten. Insgesamt dient das venezolanische Engagement der USA vor allem der Zeitgewinnung. In der laufenden Übergangsphase soll die weltpolitische Position der Vereinigten Staaten stabilisiert werden, indem das Dollarprivileg genutzt wird, um die Staatsverschuldung weiterhin über internationale Handelspartner zu finanzieren. Gleichzeitig wird die Versorgung mit strategisch relevanten Energieressourcen gesichert, die für die Funktionsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft und der militärischen Einsatzfähigkeit von zentraler Bedeutung sind.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Martin M. aus Montevideo (8. Januar 2026 um 00:16 Uhr)
    »Trump kündigte am Dienstag an, Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel an bislang sanktioniertem Rohöl im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar in die Vereinigten Staaten liefern.« Siehe hierzu: https://mpr21.info/delcy-rodriguez-es-el-caballo-de-troya-de-estados-unidos-en-venezuela/ (Spanish)

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