Kuba ist nicht allein
Von Kurt Terstegen
Nachdem die US-Regierung Zölle auf alle Waren aus Ländern angekündigt hat, die weiterhin Öl nach Kuba liefern, warnten Wirtschaftsexperten vor einer humanitären Katastrophe angesichts drohender tagelanger Stromausfälle. Ausgerechnet in dem Moment verzeichnet der Karibikstaat einen historischen Temperatursturz. Der nationale Wetterdienst meldete am Dienstag Temperaturen um den Gefrierpunkt. Während westliche Regierungen bisher schweigen, verurteilten besonders Länder des globalen Südens die verschärfte Blockade gegen Kuba.
Einen Tag nach der US-Drohung am vergangenen Donnerstag kam Kritik aus den Reihen der BRICS-Staaten. Das russische Außenministerium bezeichnete die Maßnahme als Versuch der »absichtlichen Erstickung« und betonte, Russland lehne jede Form einseitiger Zwangsmaßnahmen ab, die ohne UN-Mandat völkerrechtswidrig beschlossen würden, so Sprecherin Marija Sacharowa. Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, sagte Kuba Unterstützung zu, um die Sicherheit und Souveränität der Inselrepublik zu gewährleisten. Zudem verwies er auf Kubas Recht auf Entwicklung.
In den vergangenen Wochen lieferte die Volksrepublik bereits 60.000 Tonnen Reis und kündigte an, Havanna mit 80 Millionen US-Dollar an Hilfszahlungen zu unterstützen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte gegenüber dem kubanischen Außenminister Bruno Rodríguez am Dienstag, Moskau werde nicht zulassen, dass Kuba durch »finanziellen Zwang extreme Lebensbedingungen auferlegt werden«. Moskau sei weiterhin bereit, Havanna mit den nötigen materiellen und finanziellen Mitteln zu unterstützen.
Solidarität erhält Kuba nach wie vor besonders von linksregierten lateinamerikanischen Staaten und der regionalen Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerika – Handelsvertrag der Völker (Alba-TCP). In einem öffentlichen Statement kritisierte die Alba-TCP die jüngste Exekutivanordnung der USA als eklatante Verletzung des internationalen Rechts auf freien Handel und der Souveränität aller Staaten und drückte ihre uneingeschränkte Solidarität mit der kubanischen Revolution aus. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum bekräftigte, weiter Öl und humanitäre Hilfe nach Kuba senden zu wollen – trotz wachsender Spannungen mit den USA.
Die Energiekrise in Kuba ist bereits akut: Nach den US-Angriffen und der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro wurden die Öllieferungen aus Caracas vorerst eingestellt, weshalb Mexiko in den vergangenen Monaten zum wichtigsten Öllieferanten Kubas geworden ist. In einem Kommuniqué wies auch die Regierung in Caracas kurz nach der Drohung das US‑Ölembargo zurück. Wenngleich Venezuela unter der Führung der ehemaligen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez vorerst kein Öl an Havanna liefert, bekräftigt sie doch weiterhin ihre Unterstützung aller bilateralen Abkommen mit Kuba.
In Afrika stößt die neue Maßnahme der Trump-Regierung zum Beispiel in Simbabwe, Angola und Südafrika auf Widerstand. Die Vereinigung der in Angola lebenden Kubaner (Accra) wandte sich in einem offenen Brief gegen das Ölembargo: »Aus Angola erhebt die Accra ihre Stimme, um daran zu erinnern, dass Einheit heute eine moralische Pflicht ist und dass die Diaspora Teil der Verteidigung, des Wiederaufbaus und der Zukunft der Nation sein sollte.«
In den USA kritisierte die US‑Kongressabgeordnete Rashida Tlaib die Maßnahme als eine »sinnlose Grausamkeit«. Die Kommunistische Partei der USA (CPUSA) ordnete die aktuelle US-Außenpolitik gegenüber Kuba als faschistisch und imperialistisch ein und forderte die sofortige Aufhebung der Exekutivanordnung und des gesamten US‑Blockade‑ und Sanktionsregimes.
Währenddessen steht Kuba mit dem Rücken zur Wand. Nachdem Trump Anfang der Woche tönte, mit der kubanischen Regierung zu verhandeln, bestätigte der stellvertretende Außenminister Carlos Fernández de Coísso, dass es Kontakte zwischen der kubanischen Regierung und Washington gegeben habe. Aber von einem Dialog könne keine Rede sein. Klar ist momentan nur: Was Kuba neben der Solidarität weiterhin vor allem braucht, sind weitere Öllieferungen.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
IMAGO/UPI Photo21.11.2025Trumps doppeltes Spiel mit Venezuela
Enea Lebrun/dpa08.03.2025»Trump wird den Niedergang der US-Hegemonie beschleunigen«
Ueslei Marcelino/REUTERS28.10.2024Enttäuschung über Lula
Mehr aus: Kapital & Arbeit
-
Kampf bei »Naga World« geht weiter
vom 05.02.2026
»- Sicherung: Die Sicherung dieser Wege ist oft Teil der nationalen Sicherheitsstrategie (z.B. Bundeswehr), um Handelshemmnisse zu minimieren.
- Herausforderungen: Neben Piraterie können geopolitische Spannungen und Blockaden den Handel behindern.
- Wirtschaftliche Relevanz: Sie ist die Grundlage für internationale Lieferketten, den Austausch von Rohstoffen und Produkten. Die Gewährleistung freier Handelswege wird oft durch internationale Abkommen (wie GATT/WTO) und die Präsenz von Marinekräften zur Sicherung der Schifffahrtswege unterstützt.«
Weiterer Netzfund: Wo befindet sich die Fregatte Bayern zurzeit? »Die aktuelle Position von BAYERN befindet sich in North Sea mit den Koordinaten 53.51930° / 8.12976°. Die aktuelle Geschwindigkeit des Schiffes beträgt 0 Knoten und es befindet sich derzeit im Port von WILHELMSHAVEN.« Diese Fregatte sollte doch der Sicherung der freien Handelswege dienen, oder habe ich da etwas falsch verstanden?