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Aus: Ausgabe vom 03.01.2026, Seite 7 / Ausland
Gegen die Blockade

Kuba feiert Revolution

Sozialistische Karibikinsel begeht angesichts eines immer aggressiver auftretenden US-Imperialismus den Tag der Befreiung
Von Volker Hermsdorf
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In Solidarität vereint: Kubaner protestieren gegen die US-Aggression gegen Venezuela (Havanna, 6.12.2025)

Punkt Mitternacht am 1. Januar 2026 markierten die traditionell üblichen 21 Salutschüsse von der Festung San Carlos de la Cabaña über der Bucht von Havanna den 67. Jahrestag jenes Tages, an dem die Rebellenarmee unter Fidel Castro 1959 den Diktator Fulgencio Batista vertrieb. »Revolutionäre gehen nicht in Rente«, hatte Castro einst erklärt – und tatsächlich zeigt sich die Kubanische Revolution trotz der extremen Verschärfung der US-Sanktionen widerstandsfähiger, als ihre Feinde hoffen. Die diesjährigen Feiern, die mit zahlreichen Konzerten in Havannas Stadtteilen und an anderen Orten der Insel begangen wurden, waren jedoch nicht nur von festlicher Stimmung geprägt, sondern auch von kritischen Analysen und ernsten Warnungen.

Präsident Miguel Díaz-Canel, der 2026 zum »Jahr des 100. Geburtstags des Comandante en Jefe Fidel Castro Ruz« erklärte, nutzte seine Neujahrsansprache für eine unmissverständliche Lageanalyse. »Der 1. Januar in Kuba ist ein Synonym für einen Triumph«, erklärte er einleitend, um unmittelbar vor dem existentiellen Charakter der gegenwärtigen Krise zu warnen. Die »strukturelle Krise des Landes« sei das Ergebnis nicht nur »interner Verzerrungen«, sondern vor allem der verschärften »Politik maximalen Drucks« des US-Imperialismus sowie eines zunehmend feindlichen internationalen Umfelds. Vor diesem Hintergrund prangerten auch andere Regierungsvertreter die seit Jahresbeginn deutlich ausgeweitete militärische und politische Präsenz der USA in der Karibik an.

Außenminister Bruno Rodríguez warnte kurz vor dem Jahreswechsel, Washington verfolge mit der jüngsten Blockade und dem Raub venezolanischer Öltanker sowie der gezielten Behinderung von Treibstofflieferungen nach Kuba das »explizite Ziel, die Kubanische Revolution zu zerstören und die legitime bolivarische Regierung in Venezuela zu stürzen«. Es handle sich um eine offene Kampagne des »Regimewechsels« und der »wirtschaftlichen Erdrosselung«. Die Realität auf der Insel im Würgegriff der USA ist brutal: Kuba fehlen Schätzungen zufolge bis zu 50.000 Barrel Öl pro Tag. Über das seit 2000 bestehende Tauschabkommen mit Venezuela, Kernstück der ALBA-Zusammenarbeit, nach dem Einsätze kubanischer Ärzte, Lehrer und Techniker mit Rohöl vergütet werden, erreicht nur noch ein Bruchteil der früheren Menge die Insel. Lieferungen aus Russland (rund 6.000 Barrel pro Tag) und Mexiko (kaum 2.500 Barrel) schließen die Lücke bei weitem nicht. Die Folgen sind landesweite Stromausfälle, eine lahmgelegte Produktion und lange Schlangen an Tankstellen.

Angesichts dieser Lage hoben der Gewerkschaftsdachverband CTC und die Unión de Jóvenes Comunistas (UJC) in ihren Neujahrsbotschaften die Widerstandskraft der Bevölkerung hervor. Materialknappheit, Stromausfälle, Naturkatastrophen und eine angespannte Gesundheitslage hätten den Alltag 2025 geprägt. Gleichzeitig verstärkte sich der seit Jahrzehnten bestehende Druck der US-Blockade als zentraler Faktor der Krise weiter. Für 2026 riefen die Organisationen deshalb zu Geschlossenheit, Erneuerung und verstärkter Beteiligung vor allem junger Menschen auf. Der CTC versicherte, weiterhin als zentraler Akteur soziale Rechte und die nationale Souveränität zu verteidigen – auch unter den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und mit einem wachsenden nichtstaatlichen Sektor.

International stieß der Jahrestag auf breite Resonanz. Die Bolivarische Allianz ALBA würdigte die Kubanische Revolution als Referenzprojekt für Würde, Unabhängigkeit und soziale Gerechtigkeit in Lateinamerika. Trotz Blockade, Sanktionen und politischer Kampagnen bleibe Kuba ein Beispiel für Prinzipientreue und Widerstandskraft. Caracas bekräftigte die strategische Allianz mit Havanna und verwies auf das gemeinsame Erbe von Bolívar, Martí, Chávez und Castro. Auch Indien verband Glückwünsche zum Nationalfeiertag mit dem Hinweis auf die gute Partnerschaft. Russlands Präsident Wladimir Putin übermittelte Neujahrsgrüße mit Wünschen nach »Frieden und Stabilität« und unterstrich den Willen Moskaus zur vertieften Zusammenarbeit mit der Insel.

Während in Havanna Salsa-, Son- und Rumba-Rhythmen von den Bühnen hallten, mahnte die KP-Zeitung Granma nüchtern: »Nichts wird einfach sein.« Tatsächlich wird 2026 kein Jahr bloßer Rückbesinnung, sondern ein Jahr der Herausforderung für alle antiimperialistischen Kräfte der Region – unter den Bedingungen einer weiter zunehmenden ökonomischen und militärischen Kriegführung durch den Imperialismus. Für Kuba geht es dabei um das Überleben des seit dem 1. Januar 1959 begonnenen sozialen Projekts.

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