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Aus: Ausgabe vom 13.01.2026, Seite 8 / Kapital & Arbeit
Öl aus Mexiko für Kuba

Kuba unter Druck

Mexiko hat seine Öllieferungen an den Inselstaat in den vergangenen Jahren erhöht. Nach dem US-Überfall auf Venezuela sind sie wichtiger denn je
Von Kurt Terstegen
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Wichtige Lebensader über die offene See: Rohstoffimporte aus kontinentaler Nachbarschaft (Havanna, 9.1.2026)

Nach den völkerrechtswidrigen Angriffen des US-Militärs auf Venezuela ist auch in Kuba die Sorge groß. Neben der realen Gefahr einer militärischen Eskalation Washingtons steckt Kuba bereits seit Jahren in einer verheerenden Wirtschaftskrise, verursacht durch die Blockade der USA. Die von den Vereinigten Staaten betriebene Destabilisierung Venezuelas und der zunehmende Einfluss Washingtons auf dessen Ölsektor treffen Kuba besonders hart: Mit Caracas droht dem Land einer der wichtigsten Energielieferanten wegzubrechen. Nun nehmen antikommunistische Kräfte in Florida bereits den zweitwichtigsten Öllieferanten ins Visier: Mexiko. »Machen Sie keinen Fehler«, drohte der republikanische Kongressabgeordnete Carlos Giménez auf X in Richtung Mexiko-Stadt.

Bereits vor der Entführung des Präsidenten Nicolás Maduro begann Washington, venezolanische Tanker auf dem Weg nach Kuba zu kapern. Auch zuletzt setzte die US-Kriegsflotte diese Akte moderner Piraterie fort. Für Kubas Bevölkerung bedeutet das mehr Stromausfälle, längere Wartezeiten im Nahverkehr und zunehmende Versorgungsprobleme. Damit verschärft Washington seine Politik des »maximalen Drucks« gegen den kubanischen Sozialismus.

Mexiko deckte bereits im vergangenen Jahr rund 44 Prozent der kubanischen Ölimporte und steigerte seine Lieferungen gegenüber dem Vorjahr um 56 Prozent, während Caracas seine Exporte reduzierte. Einschätzungen zufolge ist Mexiko besonders in den vergangenen Wochen zu einem wichtigen Lieferanten geworden; nach dem US-Angriff vermutlich zu dem wichtigsten. Angesichts zunehmender Drohungen aus Washington erklärte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum in ihrer morgendlichen Ansprache, die Exporte nach Kuba stünden in keinem Zusammenhang mit der Lage in Venezuela: »Wir liefern nicht mehr Öl, als wir es historisch getan haben.«

Sheinbaum präzisierte, die Öllieferungen nach Havanna beruhten teils auf vertraglich vereinbarter Kooperation, teils würden sie als humanitäre Hilfe erfolgen. Davon zeigte sich das kubanische Exil in Florida unbeeindruckt. Die republikanische Kongressabgeordnete María Elvira Salazar erklärte, »Mexiko finanziert weiterhin die Tyrannei und schickt Ressourcen an ein kriminelles Regime«. Carlos Giménez legte auf X nach und drohte Sheinbaum mit Konsequenzen, sollte Mexiko weiterhin kostenlos Öl nach Kuba liefern – eine offene Missachtung der mexikanischen Souveränität.

Nach den Drohungen gegen Mexiko meldete sich auch die kubanische Regierung zu Wort. Außenminister Bruno Rodríguez erklärte am Sonntag auf X, Kuba habe das Recht, Öl von jedem Land zu importieren, das es auf dem freien Markt anbiete. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, Havanna erhalte von Venezuela Gelder für Geheimdienstkooperationen.

Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel forderte am Donnerstag in einer außerordentlichen Sitzung der Provinzausschüsse der Partei einen Mentalitätswandel, um den Weg aus der Krise zu beschleunigen. Er stützte sich dabei auf den im Dezember vorgelegten Krisenplan, der umfassende ökonomische Reformen und eine stärkere Rechenschaftspflicht der Behörden vorsieht.

Auch in der eigenen Ölförderung besteht Handlungsbedarf: Die Produktion des nationalen Rohöls lag 2024 rund 138.000 Tonnen unter dem geplanten Wert. Kuba fördert laut Granma derzeit nur sechs Prozent des im Untergrund vorhandenen Öls. Für 2026 ist die Erkundung neuer Reserven vorgesehen. Bisher scheiterten Fortschritte vor allem an der Finanzierung. López Corso, Lagerstättenleiter bei der staatlichen Ölfirma Unión Cuba-Petróleo (Cupet), sieht Potential, die Förderung zu verdoppeln, und setzt auf Kooperationen mit ausländischen Partnern.

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