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Afrikagipfel

Gemischte Bilanz

Auf dem dritten Russland-Afrika-Gipfel soll die wirtschaftliche, politische und militärische Kooperation ausgebaut werden. Die bisherigen Ziele konnten nicht erreicht werden

Foto: SNA/IMAGO
Wer kann da widerstehen? Malis Präsident Goïta (r.) wird russisches Gebäck präsentiert (Moskau, 26.10.2026)

Mit starker Beteiligung afrikanischer Staaten hat am Mittwoch in Moskau der dritte Russland-Afrika-Gipfel begonnen. 48 der 55 Länder Afrikas haben Delegationen in die russische Hauptstadt entsandt, um dort noch bis Donnerstag den verstärkten Ausbau der Beziehungen zu diskutieren. Parallel zum eigentlichen Gipfel, der von Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen burundischem Amtskollegen Évariste Ndayishimiye geleitet wird, findet in Moskau ein wirtschaftlich-humanitäres Forum statt, auf dem etwa Fragen der Energieversorgung, der Nahrungssicherheit und der Industrialisierung des Kontinents diskutiert werden. 22 afrikanische Staaten sind trotz starken westlichen Drucks mit ihren Staatspräsidenten vertreten, darunter die drei Sahelstaaten Mali, Burkina Faso und Niger, darüber hinaus Länder des anglophonen Afrikas von Ghana über Simbabwe bis Kenia sowie mit Ägypten auch ein arabischsprachiges Land Nordafrikas. Zum Abschluss des Gipfels ist die Verabschiedung eines neuen Russland-Afrika-Aktionsplans für die Jahre 2027 bis 2029 angekündigt.

Rund sieben Jahre nach dem ersten Russland-Afrika-Gipfel im Jahr 2019 und gut drei Jahre nach dem zweiten im Jahr 2023 bietet das dritte Gipfeltreffen Gelegenheit, eine kleine Bilanz der bisherigen Kooperationsbemühungen zu ziehen. Bei diesen geht es für Russland vor allem darum, in seinem Machtkampf gegen den Westen seine Stellung im globalen Süden zu stärken, während die Staaten Afrikas nach Alternativen zur ungleichen Zusammenarbeit mit dem neokolonialen Westen suchen, ergänzend zu ihrer längst etablierten Zusammenarbeit mit China. Die Bilanz ist gemischt. So ist es gelungen, den russisch-afrikanischen Handel von einem Volumen von 16,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 27 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 zu steigern. Das einst von Putin ausgegebene Ziel, 40 Milliarden US-Dollar zu erreichen, wurde allerdings verfehlt. Zudem liegt Russland damit nicht nur deutlich hinter den Exkolonialmächten zurück, sondern auch hinter Ländern wie Indien oder der Türkei, deren Handel mit den Staaten Afrikas seit Jahren boomt.

Dass es trotz eines gewissen Aufschwungs bislang nicht gelungen ist, die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird in Moskau offen eingeräumt; in Zukunft müssten Vereinbarungen nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt werden, heißt es. Auch manche Staaten Afrikas fordern dies ein. Kenias Präsident William Ruto etwa drang am Dienstag in Moskau darauf, dass Russland künftig stärker zur Industrialisierung seines Landes beitragen solle. Ins Gewicht fällt trotz allem, dass Moskau zum bedeutenden Lieferanten mancher unverzichtbarer Güter geworden ist. So ist es aktuell Afrikas größter Weizenlieferant und deckte allein rund ein Drittel des afrikanischen Bedarfs. Zudem ist es inzwischen einer der wichtigsten Düngemittellieferanten des Kontinents.

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Die Debatten auf dem Russland-Afrika-Gipfel hatten neben der Wirtschaft auch Rüstung und Militär zum Thema. Vor allem für die drei Sahelstaaten Mali, Burkina Faso und Niger ist der Einsatz des russischen Afrikakorps längst unersetzlich geworden. Er ist kein Selbstläufer. In Mali etwa mussten sich die von russischen Soldaten unterstützten Regierungstruppen im April aus der weit im Norden gelegenen Tuareg-Hochburg Kidal zurückziehen, als diese von einem Bündnis aus Tuareg-Separatisten und Dschihadisten angegriffen wurde. Erst Anfang Oktober gelang es ihnen, die Stadt zurückzuerobern. Der Krieg gegen die Dschihadisten dauert bis heute an. Gleichzeitig aber gelang es russischen Truppen etwa in Niger im August, die Niederschlagung eines Putschversuchs abzusichern. Auch Waffen liefert Russland weiterhin, wenngleich sein Anteil an den Rüstungsimporten des Kontinents gegenwärtig schrumpft. Mittlerweile ist Moskau nur noch auf Platz drei der größten Waffenlieferanten, hinter den USA und China. Der Ukraine-Krieg fordert auch hier Tribut.

In den Sahelstaaten konsolidiert Russland seinen Einfluss inzwischen auch medial. So hat Tafouk TV, ein im September gestarteter Sender, der von den Regierungen Malis, Nigers und Burkina Fasos betrieben wird, eine Kooperationsvereinbarung mit RT unterzeichnet. Für die Sahelstaaten geht es vor allem darum, den omnipräsenten europäischen Sendern – von Radio France International über die BBC bis zur Deutschen Welle, die verlässlich proeuropäische Stimmen unterstützen – Alternativen entgegenzusetzen. Daneben setzt Moskau darauf, seine Kooperation mit Ägypten und Algerien, seinen Hauptkooperationspartnern in Nordafrika, zu stärken und die Fühler auch über seine bisherigen Schwerpunkte hinauszustrecken. So will man mit dem westafrikanischen Staatenbündnis ­ECOWAS ein Abkommen über eine systematische Sicherheitskooperation schließen; das wäre ein weitreichender Vorstoß in eine bisherige Domäne der ehemaligen Kolonialmächte. Am Rande des Russland-Afrika-Gipfels bot der russische Außenminister Sergej Lawrow zudem an, Moskau könne in dem heftigen Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea als Mittler dienen. Gelänge dies, dann könnte sich Russland auch am Horn von Afrika Einfluss sichern.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.10.2026, Seite 7, Ausland

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