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Dedollarisierung

Chinas Goldrausch dauert an

Neue Rekorde: Warum die Volksrepublik mehr Gold fördert, importiert und verbraucht als jedes andere Land

Foto: Edmond So/Newscom/SCMP/imago
Goldrausch in China (Symbolbild)

China produziert mehr Gold als jedes andere Land auf der Welt, hat auch beim Verbrauch und beim Import die Spitzenposition inne. Zuletzt hat die Volksrepublik ihre Einfuhren weiter gesteigert. Lagen diese im Gesamtjahr 2025 noch bei 886 Tonnen, so überschritten sie 2026 bereits in den ersten acht Monaten das Volumen von 1.000 Tonnen; mehr Gold kauft aktuell kein Land auf der ganzen Welt.

Was die Förderung anbelangt, hat China im Jahr 2007 Südafrika als größten Produzenten überhaupt abgelöst. Seitdem stand die Volksrepublik Jahr für Jahr ganz oben. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 384 Tonnen gefördert.

Und auch beim Verbrauch liegt China vorn. Nachdem die Regierung in den 2000er Jahren begann, den Goldmarkt zu liberalisieren, schnellte der private Erwerb von Goldbarren, -münzen und -schmuck in die Höhe und rangiert seit 2013 auf dem ersten Platz weltweit. Dass chinesische Bergbaukonzerne zunehmend in die Goldförderung auch im Ausland einsteigen, liegt da nahe.

Wie ist es zu Chinas führender Stellung auf dem globalen Goldmarkt gekommen? Was den privaten Konsum anbelangt: Für nicht wenige Chinesen, die Geld auf der hohen Kante haben, ist Gold zu einer attraktiven Anlageform geworden. Wohnungen und Häuser, die einst als solche dienten, haben aufgrund der Immobilienkrise stark an Attraktivität eingebüßt.

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Aktien als Alternative? Der Index CSI 300 etwa, der die Kurse an den beiden größten Börsen des Landes, Shanghai und Shenzhen, abbildet, sinkt seit Monaten. Einjährige Staatsanleihen haben derzeit eine Rendite von nur 1,2 Prozent. Die Sicherheit, mit der Gold lockt, wiegt das für viele auf.

Erheblich wichtiger aber ist ein anderer Aspekt. Chinas Zentralbank hat Ende 2022 begonnen, ihre Goldreserven systematisch aufzustocken. Im August etwa kaufte sie 20 Tonnen Gold – mehr als jede andere Zentralbank weltweit –, im September sogar 23 Tonnen. Offiziell besitzt sie mittlerweile über 2.300 Tonnen. Nicht wenige Ökonomen gehen davon aus, dass die tatsächliche Menge noch größer ist, aber nicht offiziell gemeldet wird, um die Märkte nicht zu beunruhigen.

Der Grund für die Goldkäufe der Zentralbank liegt auf der Hand. Dass die westlichen Staaten nach Beginn des Ukraine-Kriegs Russlands Auslandsguthaben eingefroren haben, hat nicht nur China veranlasst, seine Reserven von US-Dollar auf Gold umzuschichten: Zentralbanken in nichtwestlichen Ländern weltweit haben ihre Goldreserven aufgestockt, so etwa in der Asien-Pazifik-Region laut Angaben von S&P Global um fünf, in Afrika sogar um 19, in China um 18 Prozent, gemessen jeweils in Tonnen.

Die Volksrepublik liegt dabei, was ihre gesamten Goldreserven angeht, immer noch nur auf Platz sechs weltweit; die USA, Frankreich, Italien, Deutschland und Russland besitzen jeweils größere Schätze. Dennoch verschieben sich die Verhältnisse: China hielt im Juli laut Angaben des US-Finanzministeriums noch US-Staatsanleihen im Wert von 618 Milliarden US-Dollar – so wenig wie seit 18 Jahren nicht mehr. Und dies mit weiter fallender Tendenz.

Dabei bieten die wachsenden Goldreserven der Volksrepublik nicht nur Sicherheit gegen räuberische Übergriffe der westlichen Staaten. Sie nutzen auch der Währung: Der Yuan, das ließ sich bereits im vergangenen Jahr die Neue Zürcher Zeitung von einem Banker bestätigen, gewinnt dank der wachsenden staatlichen Goldreserven »an Legitimität« und »an Einfluss auf den globalen Finanzmärkten«. China sucht sich das zunutze zu machen. Es bietet mittlerweile ihm nahestehenden Staaten nicht nur an, ihre Goldreserven an der Shanghai Gold Exchange (SGE) zu lagern – eine sichere Alternative zu den noch häufig genutzten Zentralbanken in New York (Fed) und Großbritannien (Bank of England); dort ist das Gold nicht mehr sicher, wie man weiß, seit die Bank of England 31 Tonnen venezolanischen Staatsgoldes einfror.

Die Volksrepublik hat 2025 auch einen Goldlagerplatz in Hongkong eingerichtet und denkt über die Eröffnung weiterer solcher Stellen etwa in Singapur, Kuala Lumpur, Dubai und Riad nach – mit dem Ziel, weiteren Staaten die Aufbewahrung ihres Goldes in sicheren chinesischen statt in unsicheren westlichen Tresoren nahezulegen. Das Gold soll dabei in Yuan konvertibel sein, was – ein erwünschter Nebeneffekt – den langsamen, aber sicheren Aufstieg der chinesischen Währung fördert: zu Lasten des absteigenden US-Dollars.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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