Zum Inhalt der Seite
Nahostkonflikt

Waffenbrüder für Riad

Internationalisierung eines Krieges: Im Jemen rücken mit Saudi-Arabien verbündete Truppen gegen Ansarollah vor

Foto: Osamah Abdulrahman/AP/dpa
Riad kann kommen: Hinter den Ansarollah stehen Tausende bereit zum Kampf (Sanaa, 18.9.2026)

Mit einem Eintritt in den Jemen-Krieg könnte er sich gewiss die Gunst des westlichen Blocks erkaufen: Am Dienstag traf Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa in Saudi-Arabien ein, um in Gesprächen mit Kronprinz Mohammed bin Salman die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern anzukurbeln. Angesichts der täglichen Angriffe Saudi-Arabiens auf Stellungen der Ansarollah (»Huthi«) im Jemen und deren Beschuss saudischer Flughäfen dürfte auch die eskalierende Gewalt Thema sein. Bereits im September soll die Türkei die Entsendung Hunderter syrischer Kämpfer dschihadistischer Milizen, die nach dem Sturz Präsident Baschar Al-Assads 2024 ins reguläre syrische Militär eingebunden wurden, nach Saudi-Arabien vorbereitet haben, heißt es in einer Analyse des Thinktanks Praevision Institute von Ende September. Mitte des Monats hatten libanesische Quellen gemeldet, dass Saudi-Arabien Hunderte syrischer Kämpfer in den Jemen entsandt und dort seit Monaten ausgebildet habe. Damaskus und Riad bestreiten dies.

Die Türkei wird zunehmend zu einem bedeutenden Akteur im Krieg gegen Jemen. Am Montag verkündeten Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei, dass sie ihre im August neugegründete Militärallianz erstmals aktivieren. Im Rahmen der Beistandsverpflichtung des »Mekka-Pakts« würden Ankara und Islamabad »schnell« Truppen nach Saudi-Arabien entsenden. Schließlich habe man sich der »Sicherheit und territorialen Integrität des Königreichs« verpflichtet, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

Pakistan hat bereits Zehntausende Soldaten in Saudi-Arabien stationiert und mutmaßlich auch im Südjemen, so das Webmagazin Middle East Eye (MEE) am Montag. Reuters berichtete, dass Islamabad im September vier Flugzeugladungen mit Waffen in die Hafenstadt Aden geschickt habe. Auch Ankara verfügt laut türkischen Regierungskreisen seit vergangenem Jahr über technische Teams und Luftabwehrsysteme in Saudi-Arabien und plant laut MEE nun die Entsendung von Spezialeinheiten sowie erfahrenen Kampfpiloten und Kampfjets. Außerdem werde Ankara einen eigenen Militärstützpunkt im Königreich betreiben.

Anzeige

Dem türkischen Militär soll neben dem Schutz der heiligen Städte Mekka und Medina insbesondere die Rolle zukommen, Angriffe auf den westlichen Abschnitt der saudischen Ostwestpipeline abzuwehren. Mittels dieser 1.200 Kilometer langen Pipeline vom Persischen Golf zum Rotmeerhafen Janbun kann Riad die iranische Blockade der Straße von Hormus umgehen. Nach Angriffen auf die Pipeline im September, die proiranischen Milizen im Irak und den Ansarollah zugeschrieben werden, wurde der Betrieb wiederaufgenommen. Der saudische Energieminister Abdulasis bin ⁠Salman erklärte laut dem Sender Al-Dschasira am Dienstag, dass 5,8 Millionen Barrel am Tag durch die Röhre gepumpt werden.

In einer Blitzoperation in der Nacht zum 10. September konnten die Ansarollah die jemenitische Küstenstadt Mokha einnehmen und bis zur geostrategisch bedeutenden Meerenge Bab Al-Mandab vorstoßen. Innerhalb nur einer Nacht hatten die Kämpfer ein Areal von fast 5.000 Quadratkilometern unter ihre Kontrolle gebracht. Seit Ausbruch der Kämpfe wurden nach UN-Angaben fast 1.000 Menschen getötet und mehr als 200.000 vertrieben. Am Montag verkündete das »international anerkannte«, aber demokratisch nicht legitimierte und von Saudi-Arabien ausgehaltene »Staatsoberhaupt« Jemens, Raschad Mohammed Al-Alimi, die Großoffensive »Jemens Morgenröte« gegen die Ansarollah. Hierfür könnten mehr als 100.000 Soldaten mobilisiert werden. Saudi-Arabien bombardiert aus der Luft mit 100 Kampfjets.

Die mit Riad verbündeten jemenitischen Truppen sollen Bab Al-Mandab und Mokha am Montag zurückerobert haben, meldete die BBC, was die Ansarollah jedoch dementieren. Die Streitkräfte der »international anerkannten Regierung« gaben zudem bekannt, dass sie eine »strategische Offensive« zur Rückeroberung der Hauptstadt Sanaa gestartet hätten, die seit September 2015 unter Kontrolle der Ansarollah steht. Im Gegenzug griffen diese am Mittwoch den Flughafen der Stadt Aden mit Raketen und Drohnen an, wie die offiziell dort ansässige Regierung bekanntgab.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2026, Seite 1, Titel

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Besuchen Sie unseren Stand auf der Buchmesse Frankfurt/Main. Näheres zum Programm finden Sie hier.