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Die nächste Katastrophe
Im Jemen-Krieg zwischen den Ansarollah und Saudi-Arabien und Verbündeten folgt ein Bombardement dem andern. Die Bevölkerung wird zwischen den Fronten zerrieben
Die Gewalt im Jemen eskaliert weiter: Bei einem saudischen Luftangriff auf einen Marktplatz und eine Tankstelle sind am Mittwoch 14 Personen getötet und mindestens 15 verletzt worden. Unter den Toten befinden sich drei Kinder. Der Anschlag ereignete sich in Al-Hasm, der Hauptstadt der nordwestlichen Provinz Al-Dschauf an der Grenze zu Saudi-Arabien, hieß es beim jemenitischen TV-Sender Al-Masira, der der Ansarollah-Regierung in Sanaa nahesteht. Laut der Agentur SABA seien auch Wohngebiete getroffen worden. Das Gesundheitsministerium in der Stadt verurteilte »die gezielten Angriffe als eklatanten Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht und als Kriegsverbrechen gegen das jemenitische Volk«.
In der Folge haben Truppen der Ansarollah (meist als »Huthis« bezeichnet) zwei ballistische Raketen auf den Flughafen von Aden abgefeuert. Der Flughafen gilt als wichtiges Tor in den Süden des Landes und als Lebensader für die humanitäre Versorgung. In der bedeutenden Hafenstadt befindet sich der offizielle Sitz der von Saudi-Arabien unterstützten konkurrierenden jemenitischen Regierung, die in den hiesigen Medien in der Regel als »international anerkannt« bezeichnet wird. Viele Kabinettsmitglieder halten sich hingegen im saudischen Exil in Riad auf.
Die Ansarollah begründeten den Raketenbeschuss auf Aden damit, dass sich auf dem Flughafen ein mit Waffen beladenes saudisches Militärfrachtflugzeug befunden habe. Eine Stellungnahme aus Riad lag nicht vor. Zuvor hatte Ansarollah-Militärsprecher Jahja Sari die Bevölkerung aufgefordert, den Flughafen zu verlassen, der laut AP daraufhin menschenleer gewesen sei. Es wurden Zerstörungen auf der Start- und Landebahn gemeldet und Reuters zufolge auch zivile Verletzte. Laut dem Verkehrsminister der Regierung in Aden, Mohsen Haidara, wurde am Flughafen nach dringenden Reparaturarbeiten am Donnerstag wieder der reguläre Betrieb aufgenommen.
Ein Sprecher der Behörden in Aden erklärte in einer Mitteilung auf X, die von Saudi-Arabien unterstützten Truppen hätten »innerhalb der vergangenen 24 Stunden 749 Angriffe auf Kommandozentralen, Befestigungsanlagen, Fahrzeuge und Nachschublinien der Huthi« durchgeführt. Dem Sprecher zufolge seien dabei 239 Ansarollah-Kämpfer »neutralisiert« worden, ohne Angabe, ob sie getötet oder verletzt wurden. Auch seien 117 Militärfahrzeuge und militärisches Equipment zerstört oder beschädigt worden. Unterdessen erklärte Ansarollah-Sprecher Sari auf X, saudische Streitkräfte hätten am Mittwoch 101 Luftschläge auf die Hauptstadt Sanaa und acht Provinzen geflogen, wobei Dutzende Menschen getötet oder verletzt worden seien.
Am Donnerstag ging die Angriffswelle weiter. Durch saudische Treffer auf Wohnhäuser von zwei Familien im Distrikt Makbana in der heftig umkämpften Provinz Tais wurden zwölf Personen getötet, erklärte Anis Al-Asbahi, ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Sanaa, auf X. Drei weitere befänden sich demnach in einem kritischen Zustand. Laut Medienberichten nahmen sowohl Regierungstruppen als auch Ansarollah Tais mit Artillerie unter Beschuss. Al-Dschasira zufolge steht das Gesundheitswesen in der belagerten Stadt unmittelbar vor dem Zusammenbruch.
Seit Beginn des jüngsten Ausbruchs der Gewalt im August sind im Jemen 1.677 Menschen getötet und 7.395 verletzt worden, zitiert Anadolu am Donnerstag aus einer Erklärung der Weltgesundheitsorganisation. Auslöser war ein saudischer Angriff auf Sanaa. Immer mehr Menschen sehen sich wegen der anhaltenden Kriegshandlungen gezwungen zu fliehen. Seit Anfang August seien 280.000 Menschen vertrieben worden, teilte der Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres unter Berufung auf Zahlen des UN-Nothilfebüros OCHA am Mittwoch mit. Mehr als die Hälfte von ihnen hat in der Provinz Tais Zuflucht gesucht. Der humanitäre Zugang zu den Geflüchtetenlagern hat sich demnach in den vergangenen drei Wochen dramatisch verschlechtert. Schäden an einer wichtigen Verbindungsstraße zwischen Tais und den südlichen Provinzen haben dazu geführt, dass Hilfsgüter über schmale Bergstraßen transportiert werden müssen. Drei Viertel der Vertriebenen leben in Unterkünften, in denen es an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen mangelt. Mehr als 230.000 Menschen benötigen dringend Hilfe bei der Wasser- und Sanitärversorgung. In überfüllten Unterkünften sind Frauen und Mädchen zunehmend der Gefahr sexualisierter Gewalt ausgesetzt, warnt der Bevölkerungsfonds der UNO (UNFPA). Hilfsorganisationen warnen vor einer dramatischen Verschlechterung der ohnehin katastrophalen humanitären Lage im Jemen.
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