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Betreutes Wählen
Wahlkampagnen für SPD und Grüne
Die Überschrift dieses Kommentars bedarf einer Ergänzung. Es muss heißen: Mit Millionen Euro betreutes Wählen. Die beiden Aktionen des »Netzwerks« Campact (»strategisch wählen«) und der GmbH »The Goodforces« (»taktisch wählen«) zweier Grüner in den Landtagswahlkämpfen von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liefern den Anlass. Sie fordern dazu auf, SPD und Bündnis 90/Die Grünen die Zweitstimme zu geben, damit sie über die Fünfprozenthürde kommen und eine absolute Mehrheit der AfD verhindern. Mit einer ähnlichen Kampagne für Die Linke hatte Campact vor zwei Jahren in Sachsen Erfolg, und diese »guten Kräfte« rissen den CDU-Spitzenkandidaten für Baden-Württemberg, Manuel Hagel, mit einem Video, in dem der vor Jahren von »rehbraunen Augen« geschwärmt hatte, im Wahlzirkus vom Trapez.
Die Geschäftsidee beruht auf ausreichendem Kapital und Hochmoral. Bei Campact nennen sie sich »Bewegungsunternehmer« und die PR-Parole heißt: Wir sind die Guten. In einem Land, das in stets moralisch begründeten Kriegen seit 1990 geschätzt Hunderttausende Menschen umbrachte, »metert« das: Die Einnahmen von Campact beliefen sich 2024 laut Eigenbericht auf 24,63 Millionen Euro, die seiner Demokratiestiftung auf weitere 4,32 Millionen Euro. Diese Stiftung hilft unter anderem den armen Correctiv-Recherchehelden mit jährlich einigen hunderttausend Euro. Correctiv wiederum startete 2015 mit drei Millionen Euro aus der Brost-Stiftung. Die wird von Bodo Hombach (SPD) geleitet, einst Kanzleramtschef bei Gerhard Schröder, und verfügt über 373 Millionen Euro aus dem Nachlass einer Zeitungsmilliardärin. Bei Correctiv hat unter anderem Lukas Beckmann von den Grünen was zu sagen.
Sozialdemokraten und Olivgrüne wissen, wo Kohle zu holen ist. Stimmt die Gesinnung, gibt es keine Bedenken. Der Blick von moralischen Höhen gewährt einen schönen Ausblick auf das politische Elend, das sich für Campact in der AfD zu einem Tsunami an Demokratiegefährdung türmt. Hochrüstung, Kriege ohne Ende, Wahlmanipulation? Mit SPD und Grünen an der Spitze? Nebensache. Das Campact-Führungspersonal hilft in der Parteienkrise, die begann, als Hombach ein »soziales Trampolin« statt »Hängematte« verlangte. Im Juli meldete Campact stolz, sein »No AfD«-Fonds habe durch Spenden die Marke von 2,85 Millionen Euro erreicht und übertreffe damit die Wahlfinanzen der AfD für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Das machen die mit links.
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Onlineabonnent*in André M. aus B. 18. Aug. 2026 um 14:23 UhrIch frage mich, wie Leser dieser Zeitung einem inhaltslosen »Faschismus« (siehe Pätzold) auf den Leim gehen, der von linken bis liberalen Status-quo-Bewahrern durchposaunt wird. Und warum sollten 43 Prozent Wähler »rechsradikales Wahlvolk« sein? Das ist doch ziemlich unintelligent. Die Wirklichkeit interessiert sich nicht für den zutiefst subjektiven und selbstreferentiellen Empfindungskram von sensitiven Linksliberalen und ihren Mitläufern. Es drohen durchaus faschistische Verhältnisse, die werden aber höchstens mit der Unterstützung der AfD kommen. Daran werkeln andere schon länger und erfolgreicher. AfD und Faschismus permanent (und ausschließlich) zusammenzutun ist eine autosuggestive Fehlleistung des Verstandes, um die Wirklichkeit ausblenden zu können und dabei der Hochmoral zu frönen (und das Gehirn nicht mit eigenen Analysen zu überfordern). Schölzel hat recht, wie so oft. Und dass man es ohne Zynismus manchmal nicht mehr anders ausdrücken kann, ist mittlerweile nachvollziehbar.
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Strategisch wählen um eine AfD-Regierung zu verhindern, ist kein schlechter Ratschlag. An Schölzels Kritik an der Campact-Kampagne ist sicher ein Körnchen Wahrheit dabei. Man könnte aber entgegnen: Die machen wenigstens etwas gegen die AfD, was tut die junge Welt? Eher das Gegenteil, natürlich immer mit dem Argument, die eigentlichen Kriegsparteien – CDU, SPD, Grüne – müsse man angreifen oder gleich das ganze System, die ganz große Nummer. Susann Witt-Stahl erkannte am 07.02.2024 in der jW einen »Aufstand der Unanständigen«. Gemeint war aber nicht die AfD und ihr rechtsradikales Wahlvolk, nein die Anti-AfD-Proteste wurden auf das Heftigste attackiert. Und zwar von der Autorin, die außerhalb (!) Deutschlands – vor allem in der Ukraine – die Faschisten penibel genau zählt, nur in Deutschland scheinen sie plötzlich verschwunden zu sein. »Hilfloser Antifaschismus« als Überschrift ist seit dieser Zeit in der jW zum Dauerbrenner geworden. Hat das Zeug zum Unwort des Jahres.
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»Der Blick von moralischen Höhen gewährt einen schönen Ausblick auf das politische Elend, das sich für Campact in der AfD zu einem Tsunami an Demokratiegefährdung türmt.« In diesem Satz voller schiefer Bilder konzentriert sich das Bemühen des Autors, die AfD zu verharmlosen. Es läuft auf die Aussage hinaus: Die AfD ist auch nicht schlimmer als SPD und Grüne. Das Original dieser These heißt: »Nachts sind alle Katzen grau.« Gute Nacht, Herr Schölzel! Lothar Zieske
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Paul B aus S. 18. Aug. 2026 um 10:55 UhrIhre Kritik mag richtig sein, jedoch ist die Schlussfolgerung es nicht. In einer Postmoderne, die destruktive Verhaltensweisen aus sich hervorbringt, ist ein Festhalten am Status Quo, »Hauptsache nicht die!«, ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund oder einem millionenschweren Aktienfonds geboren wurden. Warum soll ein Feuer von denen gelöscht werden, die es stets füttern und sich am Abbrennen des Hauses nicht die Schuld geben, sondern selbstgerecht auf andere zeigen? Warum sollte man eine AfD also damit verharmlosen, die irrwitzigen Brandbeschleuniger auf- und anzuzeigen? Ihre Geburtshelfer stehen ja in politischer und parlamentarischer Verantwortung. Nicht der Wähler trägt die Schuld. Wer nicht beteiligt wird, seine Stimme nur abgeben, aber nicht erheben soll, der kann da schlecht Schuld sein. Schuld sind die mangelnde Mitbestimmung, das Nicht-Anerkennen von Sorgen und Nöten und die Passivität, in die man als unzufriedener Mensch immerzu gedrängt wird. In diesem Sinne danke ich Herrn Schölzel für seinen Artikel, dem ich ausdrücklich zustimmen kann!
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B.S. aus Ammerland 17. Aug. 2026 um 21:04 UhrNur die dümmsten Schafe wählen ihre Schlächter selbst! Was nicht heißen soll, die Braunen zu wählen. Aber wer eine vom Volk gewählte Entscheidung mit fragwürdigen Mitteln torpedieren will, muss sich fragen lassen: Stehen solche Parteien auf dem Boden der Freiheitlichen Demokratie …? Eher nicht.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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