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Kuba

Der Schwung der Bilder

Michail Kalatozows Klassiker »Ich bin Kuba« in der sehenswerten Filmreihe »Soy Cuba« im Kino Babylon in Berlin-Mitte

Foto: Capital Pictures/IMAGO
Im Westen lange chancenlos: »Ich bin Kuba« (Filmszene)

Ich habe keine erfahrenen Schauspieler engagiert. Manche begannen gerade ihre Karriere, andere hatten noch nie gespielt«, sagte Michail Kalatozow einmal über die Dreharbeiten von »Ich bin Kuba«. Der Regisseur ergänzte seine Aussage mit der etwas kühnen Behauptung: »Ich denke, das Kino bedarf nicht unbedingt der professionellen Darstellung.«

Zunächst sei bemerkt, dass Kalatozow nach »Ich bin Kuba« (orig. »Soy Cuba«) im Jahr 1969 den Abenteuerfilm »Das rote Zelt« gedreht hat: mit Sean Connery und Claudia Cardinale in den Hauptrollen.

Dass »Ich bin Kuba« nach mehr als zwei Jahren oft äußerst strapaziöser Dreharbeiten, die 1964 ihren Abschluss fanden, bei seinem Erscheinen auf der Insel völlig floppte, lag sicher nicht an der Performance der Darsteller. Es lag an den Gewichtungen.

Der Film wurde zwar als sowjetisch-kubanische Koproduktion bezeichnet, war jedoch eher eine sowjetische Produktion auf Kuba. Und, um es etwas überspitzt zu formulieren, der Panzerkreuzer Potemkin passte nicht so recht in den Hafen von Havanna. Alfredo Guevara, der 1959 das Kubanische Institut der Filmkunst und -industrie (ICAIC) gegründet hatte, war der Meinung, dass der sowjetische Blick auf Kuba dominierte. Das Publikum sah es wohl genauso. Ein Kritiker gab in revolutionärer Offenheit seiner Besprechung gar den Titel: »Ich bin nicht Kuba«.

Man störte sich ausdrücklich vor allem an dem, was den Film drei Jahrzehnte später zu einem hochgelobten Klassiker des Schwarzweißkinos werden ließ: der atemberaubenden Kameraführung. Im Grunde könnte man sagen: Das kubanische Publikum warf dem sowjetischen Regisseur Formalismus vor.

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Michail Kalatozow hatte bei den Filmfestspielen von Cannes 1958 mit dem Spielfilm »Die Kraniche ziehen« die Goldene Palme gewonnen. Er galt damit daheim als ein Filmemacher, dessen Kunst im Westen verstanden wurde. Das Problem bei der Sache war nur, dass das sowjetische Filmteam zwar seinen Auftrag begriffen hatte, nämlich darzustellen, dass Kuba ein eigenständiger Staat ist. Was ein lebenserfahrener Sowjetbürger jedoch nicht begreifen konnte, war das Temperament der Kubanischen Revolution.

Im Film haben die Bilder meist mehr Schwung als die Charaktere, und die aufnahmetechnische Extravaganz steht mitunter in argem Gegensatz zum platten Erzählmuster.

Zu dem der Produktion von Beginn an innewohnenden gegenseitigen Unverständnis gesellte sich dann auch noch das zeitgeschichtliche Drama, die sogenannte Kubakrise im Oktober 1962.

Andreas Hesse, Organisator des jährlich in Frankfurt am Main stattfindenden »Cuba im Film – Festival de Cine Cubano« und auch Kurator der »Soy Cuba«-Reihe im Babylon Mitte, habe ich die Frage gestellt, welchen Einfluss die Kubakrise auf »Ich bin Kuba« hatte. Hesse: »Einen negativen. Nicht auf die Produktion, aber auf die Rezeption. Hatte sich Kuba der Sowjetunion eigentlich gerade angenähert, kam es infolge der Krise wieder zur temporären Entfremdung. Dies führte dazu, dass sich in der UdSSR niemand für die Alltagskultur der vorrevolutionären Zeit in Kuba und für deren Darstellung im Film interessierte. Andererseits warf man Kalatozow absurderweise vor, dass er das dekadente Leben vor der Revolution angeblich verklärte.«

Kurz nach seiner Erstaufführung in Moskau verschwand der Film für Jahrzehnte. Auch im Westen hatte er als »kommunistischer Propagandafilm« lange Zeit keine Chance.

Das auf Klassiker spezialisierte Telluride Film Festival in Colorado brachte ihn wieder auf die Leinwand. Francis Ford Coppola und Martin Scorsese wurden auf ihn aufmerksam und unterstützten die Restaurierung und Distribution.

Auch unter durchaus patriotisch gesinnten US-amerikanischen Kritikern fand »Ich bin Kuba« ehrliche Bewunderer, freilich nur wegen seiner bildlichen Brillanz.

Das gleichzeitig mit dem Ende der Sowjetunion einsetzende Lob lässt sich wohl durchaus auch als Ausdruck wiedererwachter kolonialer Ansprüche werten, die bekanntlich bis heute fortbestehen. Die »Soy Cuba«-Reihe versucht, da ein bisschen dagegenzuhalten. Von jeder am Sonnabend verkauften Karte fließen 2 Euro in den Bau von Solaranlagen auf Kuba.

»Soy Cuba« (»Ich bin Kuba«), Regie: Michail Kalatozow, Kuba/UdSSR 1964, 141 Min., OmU – im Kino Babylon in Berlin-Mitte am 15.8. um 16 Uhr

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Erschienen in der Ausgabe vom 14.08.2026, Seite 10, Feuilleton

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