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Besucher erwünscht
Seit neuestem müssen in der EU KI-generierte Inhalte klar als solche gekennzeichnet werden. Und zwar ausnahmslos alle, ausgenommen sind lediglich gewisse Ausnahmen. Die Idee ist trotzdem interessant. Man könnte auch eine Kennzeichnungspflicht für grenzenlose Ignoranz einführen, dann würde es bei Merz die ganze Zeit piepen. Oder eine Kennzeichnungspflicht für betreutes Denken beim Rundfunk. Ich könnte mir eine Fanfare vorstellen, die erklingt, bevor der Nachrichtensprecher etwas über Russland, China, Israel oder den Iran vorliest. Und weil die seriösen Radiosender in der BRD alle mehr oder weniger stark framen, manipulieren und weglassen, ist es schön, dass es noch die unseriösen Freien Radios gibt. Die versuchen unter den Ohren argwöhnischer Staatskanzleien Gegenöffentlichkeit herzustellen. Und wenn es sommert, dann hauen sie auch mal auf den Putz, so wie in den kommenden Tagen Radio Corax in Halle (Saale) und Radio Lora in Zürich.
Am Mittwoch um 14 Uhr starten die dritten → »Endlossounds« bei Lora mit 97,5 Stunden nonstop DJ-Sets. Bis Sonntag abend wird ununterbrochen aufgelegt und gegen die Hitze angetanzt; dazu laufen Workshops und Partys. In diesem Jahr stehen Discjockeys im Vordergrund, die sich als FLINTA+ oder BIPoC buchstabieren. Radio Corax ist schon seit Wochen in ganz Sachsen-Anhalt unterwegs und bespielt unter dem Label → »Platz der Demokratie« lokale Initiativen und Projekte. Ab Montag haben die Radioraben Heimvorteil, sie werden, beginnend um sieben Uhr früh, eine Woche lang aus dem Hr.-Fleischer-Kiosk am Reileck in Halle (Saale) senden. Besucher sind ausdrücklich erwünscht!
Wir starten die Programmvorschläge mit einer Übung der Ernst-Busch-Hochschule mit Textfragmenten über die Furcht: → »Franz Kafka – Der Bau« von Rebekka David (DLF 2018, Di., 20.10 Uhr, DLF). Das Feature → »Chief Metacomet und der Bier-brauer« erzählt vom Widerstand der Wampanoag an der nordamerikanischen Ostküste (Mi., 19.30 Uhr, DLF Kultur). Mit dem Siegeszug der Eisenbahn wurde in den USA die Vernichtung der Ureinwohner (fast) vollendet, inzwischen ist dort die Bahn selbst beinahe verschwunden. Geblieben sind mythische Geschichten, → »Train Songs« zum Beispiel von Johnny Cash, Sister Rosetta Tharpe und Doc Watson, die in der neuen Folge der »Roots Americana« gespielt werden (Mi., 20 Uhr, Radio Corax).
In der »Neuen Musik« konstatiert Thomas Groetz mit dem Ursonator Kurt Schwitters: → »Alles, was ein Künstler spuckt, ist Kunst« (Do., 0.05 Uhr, DLF Kultur). Bert Brechts Todestag jährt sich am 14. August zum 70. Mal, was keines der verblödeten Kulturradios übermäßig elektrisiert, nur »Die Radiogeschichten« erinnern irritiert, → »Hier ruht BB. Rein, sachlich, böse« (Do., 11.05 Uhr, Ö 1). Am Freitag abend bietet sich ein Rudolstadt-Doppelpack an: Was um 19.30 Uhr kommt, → »Des wiad ma daun scho segn«, nämlich dadaistische Wiener Nachkriegslyrik, beim Weltmusikfestival vertont von der Band Schwoazzes Gebiss (DLF Kultur); im Anschluss laufen weitere Höhepunkte des diesjährigen Festivalwochenendes bei → »Die Welt zu Gast in Rudolstadt« (Fr., 20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, NDR Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3).
Im »WDR-3-Kulturfeature« bestaunt Sven Ahnert → »Die phantastischen Konstruktionen des Stanislaw Lem« (WDR 2021, Sa., 12.04 Uhr, So., 15.04 Uhr). Mit Blick auf seine Familie stellt sich Noel im Hörspiel von Leon Engler → »Die kindischste aller Fragen«: Ist Wahnsinn ansteckend? (WDR 2026, Sa., 19.03 Uhr, WDR 3). Organisierte Völlerei im Netz schlägt Julia Vorkefeld auf den Magen, → »Mukbangers. Wir fressen, ihr liked!« (WDR 2026, So., 17.04 Uhr, WDR 5). Und im Premierenhörspiel → »Cheap Dreams – New Whirled Order« von Tino Kühn manipuliert E-Kommerz die Podcastlabertaschen Xenia und Roland (SWR 2026, So., 18.20 Uhr, SWR Kultur).
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Emmo Frey aus Dachau 12. Aug. 2026 um 09:52 UhrImmer wieder schön und lesenswert, die »On Air«-Glossen! »Kennzeichnungspflicht für grenzenlose Ignoranz« (Merz mit der KI in seinem Kopf?) oder für »betreutes Denken beim Rundfunk«. Das erinnert an Jürgen Roths treffliche Polemik gegen die SZ: die »Tageszeitung aus München für betreutes Als-ob-Denken und Bevormundung«. Ja, das Framen, Manipulieren und Weglassen erlebe ich stündlich beim »seriösen« BR, wenn ich versäume, vorher auszuschalten. Bitte weiter so!
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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