Zeitreise wieder im Angebot
Am Sonnabend ist wieder Einheitsgeseiertag, da feiern die Kulturradios dienstbeflissen die missratene Vereinigung der zwei damals verfügbaren deutschen Staaten. Am 3. Oktober 1990 lief beim DDR-Jugendradio anlässlich der Annexion eine unkommentierte zweistündige Collage mit Radiotönen von Ost- wie Westsendern, die berühmte → »DT64-Zeitreise« von Achim Gröschel und Jörg Wagner. Das Stück ist ein raffiniert gebauter Geschichtshörfilm (Produktion Heike Ast), der sich jahrzehntelang auf drei Bobbys gewickelt in Archiven versteckte und erst vorige Woche wieder zugänglich gemacht wurde. Der Medienjournalist Wagner hat sie eingestellt auf meindt64.de, dem Jugendradio-Erinnerungsblog im Internet. Um die Zeitreise mit Captain Jörg und der Enterprise zu finden, muss man auf der Seite nach unten scrollen bis zum 3. Oktober 1990. Wir wünschen gute Reise.
Zur Frankfurter Buchmesse ist es auch nicht mehr lange hin, also quillt plötzlich Literatur aus dem Radio, was zu begrüßen ist, wird sie im Kulturwellenalltag doch zunehmend knapp. Eventreader können auf HR 2 Kultur abchecken, ob → »Die Shortlist« für den Buchpreis 2026 eine Hit- oder Shitlist ist; als Finalisten treten an Franziska Gänsler, Dana Vowinckel, Valeria Gordeev, Peggy Mädler, Shida Bazyar und Elias Hirschl (Do., Fr., Mo., 9.30 und 17.04 Uhr). In den »Archivschätzen« wird an → »Transit« erinnert, einer Reihe im Hessischen Rundfunk über DDR-Kultur, in der Karl Corino bis 1990 mit ostdeutschen Autoren gesprochen hat, darunter Wolf, Braun, Kunze, Kirsch & Kirsch und Plenzdorf (Sa., 14.04 Uhr, HR 2 Kultur). Ebendort feiert das Hörspiel nach dem Berlin-Roman → »Adlergestell« von Laura Laabs Premiere (HR 2026, So., 14.04 Uhr).
Hermann Kant wird das Wort unterstellt, »Schreibe stets so, dass Kowalczuk kotzen würde«, allerdings zu Unrecht, und der wahre Urheber zieht es vor, anonym zu bleiben; manch einer kann gar nicht anders, → »Denn Erinnerungen sind ja in sterbliches Fleisch eingeschrieben«, sagt Jenny Erpenbeck im »WDR-3-Kulturfeature« (SWR Kultur 2026, So., 15.04 Uhr). In den »Radiogeschichten« liest Katharina Stemberger Auszüge aus → »Amseln«, dem neuen Roman von Anna Baar (Mi., 11.05 Uhr, Ö 1). Schließlich bringt die »Spielart«, die selbsterklärte »Trüffelsau unter den Literatursendungen«, am Feiertag → »Hin und weg – Geschichten von unterwegs«; ausgesucht sind welche von Wallace, Jerofejev, Capote, Zweig, Naipaul und Pamuk (Sa., 18.04 Uhr, WDR 5).
Jenseits der Literatur im Radio: Das Feature → »Ich habe Angst vor Alzheimer – und jetzt?!« von Jessica Braun (DLF 2026, Di., 22.05 Uhr, DLF Kultur). In »Kaisers Klänge« erklingt Musik aus Cowboyfilmen: → »Es war einmal im Wilden Westen« (Mi., 16.04 Uhr, HR 2 Kultur, Do., 20.03 Uhr, SWR Kultur). Das »ARD-Radiofeature« vermutet Mord und Totschlag: → »Unerkannte Tötungsdelikte – Missstände bei der Leichenschau« (WDR 2026, Do., 16.04 Uhr, HR 2 Kultur, Fr. 15.05 Uhr, SWR Kultur, Sa., 11.04 Uhr, SR Kultur, So., 13.04 Uhr, WDR 5, 20.03 Uhr, Bayern 2). Und im Krimi → »Gruß aus der Küche« von Sarah Claire Wray geht’s notwendigerweise auch nicht mit rechten Dingen zu (WDR 2026, Ursendung, Fr., 19.03 Uhr, WDR 3).
In der Oper haben wir am Sonnabend eine Uraufführung vom Januar aus der Staatsoper Berlin, → »Das kalte Herz« von Matthias Pintscher; Wilhelm Hauffs Vorlage hat Daniel Arkadij Gerzenberg bearbeitet (20.03 Uhr, BR Klassik, HR 2 Kultur, Radio 3, SR Kultur, SWR Kultur, WDR 3). Damit ab ins Weltall, → »Im Raum« muss ein Wurmloch gebohrt werden, aber das klapprige Raumschiff macht Fisimatenten; Science Fiction von Martin Heindel (WDR 2019, So., 17.04 Uhr, WDR 5). Und in der prosaischen Wirklichkeit bereitet → »Der unberechenbare Stern« der Wissenschaft Sorgen, sie befürchtet Sonnenstürme wie den im Jahr 1859 (DLF 2026, Mo., 19.05 Uhr, Ö 1).
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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