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Betrüger am Werk

Kapital gegen Arbeitsschutz

Foto: Political-Moments/IMAGO
Das bisschen Arbeit kann so schlimm nicht sein, findet Dulger

Jeder Chef kennt die Tricks. Mit dem Gang von der Maschine, von der Kasse oder vom Tresen beginnt die Pausenzeit: Ausloggen, aufräumen, Abrechnung – all das wird erwartet und spielt in die Ruhezeit hinein. Bisweilen dauert es mehr als zehn Minuten, bis die Pause tatsächlich beginnt. Je nach Größe der Belegschaft können da pro Woche einige Arbeitstage zusammenkommen – unbezahlt, versteht sich. Drastischer Arbeitszeitbetrug an den Beschäftigten ist unternehmerischer Standard in der Bundesrepublik.

Aber offenbar noch nicht drastisch genug. Arbeitszeitgesetze, lästige Planken, um die Ausbeutung einzuhegen, stammen nach Ansicht des obersten Kapitalvertreters Rainer Dulger »aus der Ära von Telex und Wählscheibe«. Arbeitsschutz: Für den »Arbeitgeberpräsidenten« eine übrig gebliebene Marotte aus dem 19. Jahrhundert. »Wenn eine wöchentliche Höchstarbeitszeit so gefährlich wäre«, müssten Beschäftigte »in Belgien und Italien reihenweise krank im Bett liegen«, so seine Erklärung.

Uff. In beiden Ländern gelten verschärfte Regelungen bei Fehlzeiten aus Krankheitsgründen, die in Belgien seit Jahresbeginn auch frühere Kündigungsoptionen bei Langzeiterkrankung beinhalten. Es zeugt nicht von Skrupel, beispielhaft heranzuziehen, dass Beschäftigte sich eher krank zur Arbeit schleppen, als sich auszukurieren. Auch gesund länger zu schuften, heißt nicht, produktiver zu sein.

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Tatsächlich ist bewiesen, dass eine Arbeitszeitverkürzung die Produktivität sogar stabil hält. Wer sich mehr erholen kann, ist langfristig dauerhaft einsetzbar, fällt weniger aus, ist ausgeruhter, so die Erklärung. Gängeln Betriebe die Beschäftigten mit längerer Arbeitszeit, haben diese mehr Stress, erfahren mehr Belastung und gesundheitliche Folgen. Das bedeutet mehr Risiken für die Gesundheit – also mehr Ausfälle.

Um Argumente geht’s aber nicht. Längst arbeiten Millionen Menschen hierzulande regulär mehr als acht Stunden am Tag. Die Hälfte aller Beschäftigten macht dazu regelmäßig Überstunden, Milliarden kommen da jährlich zusammen, die nie bezahlt oder anderweitig ausgeglichen werden. Wird die maximale Wochenarbeitszeit, die faktisch längst überschrittene, nun aufgegeben, so weitet sich auch die Täuschung der arbeitenden Bevölkerung aus. Das Gesamtinteresse der deutschen Unternehmen, die Dulger vertritt, beinhaltet, den Betrug an den Lohnabhängigen fortzusetzen und auszubauen. Mit allen Tricks.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.08.2026, Seite 1, Ansichten

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