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Wahlkampfhelfer

USA mischen sich in brasilianischen Wahlkampf ein

Foto: REUTERS/Adriano Machado
Der ultrarechte Präsidentschaftskandidat Flávio Bolsonaro sieht sich im Aufwind (Brasília, 2.8.2026)

Knapp zwei Monate noch, dann wählt Brasilien seinen neuen Präsidenten. Höchste Zeit, im Kampf um die Wählergunst in die vollen zu gehen. Das dachte sich nicht nur die regierende Arbeiterpartei (PT), als sie am Sonntag Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erneut zum Kandidaten machte.

Doch wer glaubt, Lulas eigentlicher Gegner heiße Flávio Bolsonaro – jener Sohn, der als nächster Präsident seinen wegen Putschversuchs verurteilten Vater Jair rächen will –, der irrt. Der wahre Endgegner sitzt im Weißen Haus. Und er spielt schmutzig, geht es doch um die Rückeroberung des wirtschaftsstärksten Landes Südamerikas. Das soll aus den Fängen einer Regierung befreit werden, die sich an internationales Recht hält und auf souveräne außen- und wirtschaftspolitische Beziehungen pocht. Zwölf der vergangenen 15 Präsidentschaftswahlen in Lateinamerika gingen zuletzt an US-freundliche Kandidaten. Bolsonaro soll der nächste sein.

Damit das klappt, sät Washington Chaos. Am Dienstag widerrief das State Department das Visum der brasilianischen Botschafterin für Washington, Maria Luiza Viotti. Erst kürzlich hatte Brasilien zwei US-Außenamtsvertretern die Einreise verweigert, die dort angeblich über Meinungsfreiheit im Wahlkampf hatten »debattieren« wollen. In Wahrheit, so Brasília, ging es darum, Zweifel am Wahlsystem zu säen. Ein Klassiker: Nach seiner Niederlage 2022 hatte Jair Bolsonaro die Betrugslegende genährt, später stürmten seine Anhänger Regierungsgebäude. Auch Sohnemann Flávio gießt Wasser auf diese Mühle.

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Dazu die Strafzölle: Seit Juli 25 Prozent auf brasilianische Importe, offiziell wegen »unfairer Handelspraktiken«, plus weitere 12,5 Prozent wegen angeblicher »Zwangsarbeit«. Vor einem Jahr hatte Trump gar 50 Prozent verhängt. Das Ziel: eine juristische Verurteilung von Jair Bolsonaro verhindern. Dass dahinter die Söhne des Expräsidenen stehen, ist ein offenes Geheimnis. Flávios Bruder Eduardo lebt in den USA und hat sich ganz der Lobbyarbeit für seinen Vater verschrieben.

Lula weiß das geschickt für sich zu nutzen. Jeder neue Angriff aus Washington gibt ihm die Möglichkeit, die Verteidigung der nationalen Souveränität zum zentralen Wahlkampfthema zu machen. Den Entzug des Visums nannte er am Mittwoch »verantwortungslos und unvorstellbar« und forderte von Washington »Respekt« ein. Das Außenministerium in Brasília wurde noch deutlicher und sprach von einem »unangebrachten Interesse an einer Einmischung in die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen«.

Und die Botschaft verfängt – zumindest im Inland. Lula führt seinen Herausforderer als Architekten der Aggressionen und Ausverkäufer brasilianischer Interessen vor. Der Bolsonaro-Clan, der den US-Präsidenten gegen das eigene Land aufhetzt, verschwendet keinen Gedanken an die brasilianischen Arbeitsplätze oder Unternehmen. So bekommt das patriotische Bild, mit dem die Bolsonaros einst punkteten, Risse. Bisher liegt Lula in den Umfragen vorn. Einen Anteil daran hat auch Trump.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.08.2026, Seite 3, Ansichten

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