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Hohle Prahlerei

USA erzielen Grönland-Abkommen

Von Jörg Kronauer
Foto: Bo Amrstrup / Ritzau Scanpix

Einen Tusch, bitte! Donald Trump hat den nächsten phantastischen Erfolg erzielt. Erst hat er bekanntlich der Ukraine, Gaza und der Welt Frieden gebracht, dann den Iran-Krieg gewonnen. Und noch bevor der großartigste Ballsaal aller Zeiten in Trump City D. C. zur hellsten Freude sämtlicher US-Amerikaner außer den linksextremen Demokraten eingeweiht werden kann, hat der US-Präsident seinem Land die dauerhafte Kontrolle über die Sicherheit der strategisch so bedeutenden Insel Grönland beschert. Oder so ähnlich. Denn was genau der Deal vorsieht, den die Vereinigten Staaten vor einigen Tagen mit Dänemark und Grönland geschlossen haben – er soll diese Woche am Rande der UN-Generalversammlung unterzeichnet werden –, das ist noch nicht bekannt. Und das ist so gewollt.

Denn wenn die Andeutungen zutreffen, die bislang über die Vereinbarung durchgesickert sind, dann hat der 80jährige Aspirin-Junkie aus dem Weißen Haus mit all seinen Drohungen, Grönland zu annektieren, so gut wie nichts erreicht. Dem üblichen Trumpschen Geprahle auf »Truth Social« kann man entnehmen: Die USA dürfen laut dem Deal in Zukunft Militärbasen in Grönland errichten – und zwar, wann und wo sie dies für erforderlich halten. Zudem dürfen Feindstaaten, sprich: Russland und China, keine Stützpunkte auf der Insel aufbauen. Das Kleingedruckte: Beides ist nicht neu. Die Erlaubnis, Militärbasen in Grönland ganz nach Lust und Laune zu errichten, haben sich die USA bereits im Jahr 1951 vertraglich zusichern lassen. Als Grönland 2016 eine alte, nicht mehr genutzte ­Marinestation verkaufen wollte und eine Firma aus China Interesse äußerte, gingen dänische Staatsstellen dazwischen. Bergbaulizenzen wiederum, die chinesische Unternehmen sich irgendwie hatten sichern können, wurden recht bald wieder zurückgezogen. China und Russland haben schon seit Jahren in Grönland keine Schnitte mehr.

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Warum prahlt Trump dann so? Nun, weil er, wie es ein dänischer Fernsehkommentator formulierte, mit seinem großartigen Deal eine spektakuläre Niederlage eingefahren hat: Er hat nicht nur Grönland nicht annektieren können, er hat auch sonst so gut wie nichts erreicht, was über den Status quo hinausginge – jedenfalls nach allem, was die bisherigen Andeutungen erkennen lassen. Nur eine Ausnahme gibt es womöglich. Die Vereinbarungen, die den US-Streitkräften in Grönland freie Hand bieten, wurden im Kern mit Dänemark geschlossen. Was aber, falls Grönland dereinst unabhängig werden sollte? Diese Möglichkeit besteht, und für diesen Fall waren bislang keine Rechte für US-Stützpunkte eingeplant. Gut denkbar, dass Washingtons neuer Deal mit Kopenhagen und Nuuk dazu etwas vorsieht.

Mehr aber ist es offenbar nicht. Und genau deshalb, so kann man Äußerungen aus Dänemark entnehmen, lassen Politiker dort und in Grönland Trump fleißig prahlen: Den Erfolg hat nicht er, sie haben ihn erzielt. Was aber kann ihnen Besseres geschehen, als wenn der US-Präsident stolzgeschwellt durch die Gegend zieht und stumpf vor seiner ahnungslosen Anhängerschaft protzt, sie aber nicht mehr mit Annexionsdrohungen behelligt?

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.09.2026, Seite 3, Ansichten

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