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Ultrarechte feiert ihren Siegeszug
Präsident Kast empfängt zum Foro Madrid in Chiles Hauptstadt. Das Forum ruft eine »neue Ära für Iberoamerika« aus – die Bedeutung der Veranstaltung nimmt zu
Gleich zwei Demonstrationen zogen am Donnerstag durch die Innenstadt von Santiago de Chile. Beide, um gegen das Treffen der rechten Organisation Foro Madrid zu protestieren, das am selben Tag in der Hauptstadt des südamerikanischen Landes begonnen hatte. Während sich im Eventzentrum San Carlos de Apoquindo ultrarechte Politiker der Region sowie aus Spanien trafen, hallte es durch die Straßen: »Raus aus Chile, raus aus Argentinien! Lateinamerika frei von Faschisten!« Später setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein.
Unter dem Motto »Eine neue Ära für Iberoamerika« trafen sich am Donnerstag und Freitag rund 40 Vertreter der internationalen Ultrarechten aus 25 Ländern. Es war das erste Mal, dass das Jahrestreffen in Chile stattfand. Dort regiert seit März José Antonio Kast, der am Freitag die Abschlussrede hielt. Zum zweiten Mal wurde das Foro-Madrid-Treffen damit in einem Land veranstaltet, dessen Staatschef zu den Unterzeichnern der sogenannten Carta de Madrid gehört. Vor zwei Jahren fand das Treffen im argentinischen Buenos Aires statt, wo Javier Milei Ende 2023 an die Macht gekommen war.
Milei war es auch, der das diesjährige Treffen unter großem Applaus eröffnete. In seiner Rede ätzte er gegen »die Linke«, die er als »Inkarnation des Bösen«, »schmutzig« und als »Realitätsverweigerer« beschimpfte. Dieses »Krebsgeschwür« müsse entschieden bekämpft werden. Glücklicherweise sei Lateinamerika jedoch erwacht. »Heute sind wir Zeugen eines Wandels, der in Argentinien begann und sich nach und nach über den gesamten Kontinent ausgebreitet hat: Peru, Kolumbien, Ecuador und so viele andere Beispiele zeugen von den Winden des Wandels, die diese historische Zeit durchziehen.«
Um diesen Erfolg langfristig zu verteidigen, müsse sich die Rechte besser organisieren und vernetzen, forderte Milei weiter. »So wie sie ihre sozialistische Internationale hatten, müssen wir unsere freundschaftlichen Bande innerhalb unseres eigenen internationalen Netzwerks vertiefen, sowohl in der Region als auch weltweit.« Das gelte um so mehr, als man einem regional und global agierenden Gegner gegenüberstehe.
Nicht zuletzt dieser ist einer der Gründungsgedanken des Foro Madrid. Die Organisation versteht sich als rechter Gegenentwurf zur Vernetzung progressiver Akteure im Foro de São Paulo. Sie geht auf die Charta von Madrid zurück, ein antikommunistisches Manifest, das 2020 von der spanischen Stiftung Disenso aufgesetzt wurde. Die Stiftung, die vom Chef der spanischen Rechtsaußenpartei Vox ins Leben gerufen worden war, fabuliert darin von einer »Iberosphäre«, also einem von lateinamerikanischen Exkolonien und dem spanischen Mutterland geteilten Kulturraum, der vor den Bedrohungen des Sozialismus und der Narcoterroristen geschützt werden müsse. Zu den Unterzeichnern der Charta von Madrid gehören neben Milei und Kast auch der Brasilianer Eduardo Bolsonaro (Sohn von Expräsident Jair Bolsonaro) und die venezolanische Aktivistin María Corina Machado.
Das Forum hat sich zu einer der wichtigsten Zusammenkünfte der Ultrarechten auf dem amerikanischen Kontinent entwickelt. Wie bedeutsam die Vox-Partei beim Aufbau und bei der Koordination der ultrarechten Kräfte in Lateinamerika war und ist, gab Kast im vergangenen Jahr selbst zu. Bei der vierten Auflage der Veranstaltung des Foro Madrid 2025 in Paraguays Hauptstadt Asunción erklärte der heutige Präsident Chiles: »Viele der heute aufstrebenden Führungskräfte in Hispanoamerika haben der Stiftung Disenso viel zu verdanken, und ich bin einer von ihnen.«
Chile als Gastgeber des fünften Gipfeltreffens sei ein »symbolträchtiger Ort«, so Milei in seiner Eröffnungsrede: »Seine Geschichte erinnert uns daran, wie enorm wichtig es ist, den Kulturkampf zu führen.« Dieser sei unter dem faschistischen Diktator Augusto Pinochet (1973–1990) vernachlässigt worden, weshalb die Linke wieder an die Macht gekommen sei. »Zum Glück ist diese finstere Nacht überwunden, und Chile setzt wieder auf die Ideen der Freiheit.«
Kast, der zuvor sogar aus ihm nahestehenden Kreisen für seine Teilnahme kritisiert worden war, gab sich zurückhaltender. So warnte er davor, sich auf dem Wahlsieg auszuruhen: »Dann könnte die Linke wieder an die Macht kommen.« Was zähle, seien Taten, nicht Worte. »Und wenn wir weiter gute Arbeit machen, wird es eines Tages Managua sein. Und eines Tages wird es Havanna sein.«
Dass es sich beim Foro Madrid längst nicht mehr um ein rein lateinamerikanisch-spanisches Projekt handelt, zeigt die übrige Gästeliste. Kevin Roberts, Präsident des einflussreichen US-Thinktanks Heritage Foundation, war zugegen. Der US-Botschafter in Chile, Brandon Judd, feierte die Erfolge der »Donroe-Doktrin« in der Region. Und mit der ungarischen EU-Abgeordneten Kinga Gál sowie der österreichischen FPÖ-Politikerin Barbara Kolm waren auch Vertreterinnen der europäischen Ultrarechten in Santiago.
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