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Implosion einer Nachricht

Tusk über russische Angriffspläne

Von Reinhard Lauterbach
Foto: Ukrainian Ukrzaliznytsia Railway Company Press Office via AP/dpa
Der russische Angriff auf diesen Zug ereignete sich auf ukrainischem, nicht auf russischem Territorium (13. September)

Eine Meldung vom Donnerstag abend auf Tagesschau.de hätte das Zeug, in ein Antilehrbuch des Journalismus einzugehen. Überschrift: »Tusk warnt vor russischem Plan« zu Angriffen auf NATO‑Staaten. Einen Absatz weiter sind es dann nur noch »hybride Angriffe«, unter denen man sich alles vorstellen kann, was man will: Hat die Straßenbahn Verspätung, steckt Putin dahinter. Und weiter unten ist dann nur noch die Rede vom »realen Risiko«, dass »Drohnen auf das Gebiet eines oder mehrerer Staaten an der NATO-Ostflanke stürzten«. Zwischen einem konkreten »Plan« und einem möglichen Absturz von Drohnen liegt allerdings ein erheblicher Unterschied. Moskaus offizielle Darstellung werde sein, »dass es sich um einen Unfall handelt«. Gehandelt habe – aber soviel Deutsch kann man in Hamburg offenbar nicht mehr. Zur Frage, aus welchen Quellen er seine Warnung schöpfe, blieb der polnische Premier wortkarg: »Geheimdienstinformationen«. Sag: Der Knaller ist leise implodiert.

Anlass für Tusks Alarm – am Donnerstag nachmittag heulten in Lublin und Rzeszów sogar die Luftschutzsirenen – waren die russischen Angriffe auf den ukrainisch-polnischen Grenzübergang Jagodin Anfang der Woche. Der liegt nun zwar unzweifelhaft auf ukrainischem Gebiet, und getroffen wurden zwei Tankstellen und die Lokomotive eines Zuges nach Warschau. Die Passagiere kamen mit einem Schrecken davon. Jagodin ist einer der Übergänge, über die der westliche Militärnachschub für die Ukraine läuft. Man konnte sich über Jahre wundern, dass der russische Staat diese Nadelöhre nicht längst angegriffen hat. Nun hat er das getan, eine neue Generation weiterreichender Drohnen hat es ermöglicht. So ist das im Krieg. Natürlich hätten die Drohnen auch den polnischen Grenzbahnhof Dorohusk treffen können, wenn sie dorthin gezielt worden wären. Waren sie aber offenkundig nicht. Es waren Warnschüsse, mehr nicht, aber eben auch nicht weniger.

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Tusk wirft in diesem Kontext Russland »Provokationen« der NATO vor, als hätte die ein Recht, den Krieg in der Ukraine am Laufen zu halten; er hat es gerade nötig. Sein eigener Außenminister Radosław Sikorski hatte einige Tage zuvor Provokationen ganz anderer Art angeregt: NATO-Manöver rund um die Exklave Kaliningrad. Nicht, um diese zu stürmen, Gott bewahre, so Sikorski: Damit solle Russland genötigt werden, Truppen aus der Ukraine zur Verteidigung dieses Außenpostens abzuziehen. Wer hier mit dem Feuer spielt, den soll man ganz bestimmt nicht fragen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 19.09.2026, Seite 1, Ansichten

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