Südkoreas Börse fährt Achterbahn
Nach drastischem Wertverfall sprang der Anlagewert der Chipkonzerne Samsung Electronics und SK Hynix zum Wochenende wieder nach oben
Nachdem die Aktienkurse der Chipkonzerne Samsung Electronics und SK Hynix monatelang immer weiter in die Höhe geklettert waren, kam im Juli die harte Ernüchterung. Innerhalb weniger Wochen verlor SK Hynix mehr als die Hälfte an Wert, Samsung Electronics 42 Prozent. Das Dax-Äquivalent KOSPI, das von den beiden Konzerne dominiert wird, taumelte von 9.100 auf 5.300 Punkte.
Südkoreas Politiker haben bereits einen Schuldigen für den Kursverfall ausgemacht: Sogenannte leveraged ETFs (ETF steht für Exchange Traded Fund und bezeichnet eine Fondsanlage, mit der in ein Marktspektrum investiert werden kann) auf die Aktien eines einzigen Konzerns, die die Kursgewinne für gewöhnlich eines Börsentages verdoppeln. Was aber natürlich auch für die Verluste gilt und damit bei dem rapiden Kursverfall extreme Ausmaße annahm. Die Analyse einer Investmenttochter der Citigroup geht davon aus, dass die südkoreanischen Anleger allein mit diesem Spekulationsobjekt 33 Milliarden Euro verloren haben.
Die exakte Zahl der einfachen Leute, die sich mit diesem Finanzprodukt verzockt haben, scheint in Südkorea noch unbekannt, die Finanzaufsicht erhöht aber dennoch schnell die finanziellen Hürden für weniger Betuchte, um sie von solchen Spekulationen abzuhalten. Statt umgerechnet nur 5.000 Euro sollen nun mindestens 15.000 Euro im Depot liegen, von denen wiederum nur 20 Prozent in diese Hochrisiko-ETFs gesteckt werden dürfen. Das Werbeverbot kommt wahrscheinlich viel zu spät. Mit 15 Millionen Anlegern ist jeder dritte volljährige Südkoreaner Aktienspekulant und jeder zehnte davon hat bereits die staatlich vorgeschriebene Einweisung für diese ETFs mit Hebelwirkung absolviert.
Diese »doppelten Aktien« sind erst seit Ende Mai in Südkorea erhältlich und eigentlich hatte man gehofft, damit für heimische wie ausländische Anleger so attraktiv zu werden wie etwa die Börse in Hongkong. Dort gibt es diese Art der Spekulation schon seit 2016 und seit letztem Jahr auch für die Aktien eines einzelnen Konzerns. Wie sich herausstellte, hatte man in Hongkong aber auch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet, um bei extremen Kursverfällen den Handel mit diesen ETFs mit doppeltem Risiko auszusetzen. Südkorea war hingegen blind in diese Katastrophe gerast und versucht nun, so schnell wie möglich die rechtliche Grundlage für ähnliche Einschränkungsbefugnisse zu schaffen.
Zum befürchteten Platzen der KI-Blase kam es im letzten Monat nicht, und so witterten Großkapitalisten ihre Chance, günstig an die begehrten Wertpapiere zu kommen. Der Chef des Mutterkonzerns von SK Hynix, Chey Tae-won, kaufte für drei Millionen Euro ein und erzeugte am Freitag nachmittag (Ortszeit) einen Kursanstieg von 20 Prozent innerhalb eines Tages. Die Wertpapiere von Samsung Electronics entwickelten sich ähnlich gut dank umgerechnet 4,3 Milliarden Euro von ausländischen Investoren, die sich ebenfalls günstig einkaufen wollten. Die heimischen Kleinanleger verkauften hingegen Aktien in derselben Höhe.
Am Ende mag die südkoreanische Regierung unter Lee Jae-myung ihr Ziel erfüllt haben: Der attraktivere Aktienmarkt holt mehr Geld ins Land. Nach einem Erhitzen des Marktes flüchtet es wieder, nur um nach dem Börsencrash dank günstiger Aktien noch einmal Gewinne einzufahren. Angesichts geringer Rentenansprüche und extremer Mietkosten versuchen viele Koreaner, die offensichtlichen Schwächen des Sozialsystems über den Aktienmarkt auszugleichen. Für solche kleinen Privatanleger werden wohl kaum mehr als ein paar Prozentpunkte herauszuholen sein.
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