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Korea

Norden schlägt Süden

Frauenfußball in Korea: Champions-League-Halbfinale hat Dialog wohl nicht befördert, aber auch keinen Eklat

Foto: Yonhap News/Newscom/imago
Nach dem glücklichen Sieg war sie dann doch zu sehen, die Fahne der Demokratischen Volksrepublik Korea (Suwon, 20.5.2026)

Mit einem glücklichen 2:1-Sieg hat der Verein Naegohyang aus Pjöngjang am Mittwoch abend gegen die Fußballerinnen des Suwon FC Women den Einzug ins Finale der Asia Women’s Champions League geschafft. In der Vorrunde vor sechs Monaten konnte Naegohyang das südkoreanische Team noch deutlich mit 3:0 schlagen. Dieses Mal wurde das erste Tor der Nordkoreanerinnen wegen Abseits aberkannt, Suwon spielte später einen Kopfball an den Pfosten. Zehn Minuten vor Schluss versemmelte dann Südkoreas Topfußballerin Ji So Yun noch einen Elfmeter, und auch in den sieben Minuten Verlängerung konnte Suwon nicht aufholen. Damit spielt Naegohyang am Sonnabend gegen die japanische Mannschaft Tokyo Verdy Beleza um den Pokal.

In Suwon verfolgten trotz fehlender Überdachung fast 6.000 Leute das Spiel bei strömendem Regen im Stadion. Der größte Teil gehörte allerdings zu einem sogenannten Joint Cheering Team, das beide Teams anfeuern sollte und dafür mit mehr als umgerechnet 170.000 Euro für Tickets und Logistik von Südkoreas Regierung unterstützt wurde. Die konservative Zeitung Chosun Daily behauptete sogar, es seien nur 100 Fans von Suwon FC Women dagewesen. Der südkoreanische Trainer war sogar froh, dass sein Team zum ersten Mal vor so vielen Leuten spielen durfte. Frauenfußball kämpft in Südkorea generell mit geringer Beliebtheit, und bei dem schlechten Wetter kam vermutlich nur der harte Kern der lokalen Fans.

Obwohl Naegohyangs Trainer vor dem Spiel noch einmal betont hatte, man sei nur für den Sport hier, und alles andere sei unwichtig, hegte man in Südkorea die Hoffnung, dieses eine Fußballspiel würde den Dialog der beiden Staaten wieder in Gang bringen. Aber schon bei der Einreise zeigte sich, dass Südkorea sich selbst im Weg steht. Laut geltender Interpretation der Verfassung ist ganz Korea südkoreanisches Territorium und damit auch die Bevölkerung im Norden bereits eingebürgert. Naegohyangs Team bestand blöderweise darauf, am Flughafen wie andere Ausländer die Pässe vorzuzeigen. Ein Visa ausstellen ging aber nicht für die südkoreanische Regierung. Statt dessen tat man einfach so, als würde man das Foto im Pass anschauen, um die Identität festzustellen. Alle nötigen Informationen hatte man ja schon über den Fußballverband bekommen. Zum Glück bestanden die Teammitglieder nicht auf der Behandlung als Ausländer, wie es der nordkoreanischen Staats- und Parteichef Kim Jong Un seit zwei Jahren fordert. Die Sportlerinnen hätten sonst wohl wieder umdrehen müssen.

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Eine Woche vor dem Spiel hatte die Regierung in Seoul zumindest betont, dass man alle involvierten Organisationen noch einmal daran erinnert habe, dass gewisse Flaggen oder bestimmte Bezeichnungen für die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK) die harmonische Austragung der Fußballspiele beeinträchtigen könnten. Die Flagge mit einer vereinten Koreanischen Halbinsel in blau etwa, die man 2018 noch bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang benutzt hatte, ist jetzt tabu. Der Besitz und das öffentliche Schwenken der DVRK-Flagge sind in Südkorea ebenfalls nicht erlaubt, und überraschenderweise hielten sich auch alle im Publikum brav daran. Im April 2017 war einem Kanadier sogar gewaltsam eine kleine Flagge entrissen worden, als er damit bei einem koreanisch-koreanischen Eishockeyspiel in Südkoreas Gangneung die Gegenseite anfeuern wollte. Von weiteren Beispielen hört man in der südkoreanischen Presse verdächtig wenig.

Am selben Tag, an dem die Regierung Journalisten noch einmal erklärte, wie wichtig die Vermeidung gewisser Dinge sei, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur News 1 über eine Polizeiuntersuchung auf der entfernten Insel Jeju im Süden. Dort hatte jemand den Fund einer nordkoreanischen Flagge sowie eines kleinen Porträts von Kim an einem Strand gemeldet. Die Polizei vermutet jedoch, dass es sich dabei um Treibgut handelt. Dementsprechend liege kein Verbrechen vor, und sie konnte die Ermittlungen wieder einstellen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.05.2026, Seite 6, Ausland

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