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Südkorea

Einigung bei Hyundai ?

Tarifkonflikt bei südkoreanischem Autobauer beigelegt: Gewerkschaft dürfte dürftigem Ergebnis zustimmen; Medien leisteten dem Konzern Schützenhilfe

Foto: Kim Soo-hyeon/REUTERS
In Seoul sangen die Streikenden: »30 Prozent vom Nettogewinn gehören uns!« (21.8.2026)

Der Streik bei Hyundai Motors kam mit einer Einigung in der Nacht von Montag auf Dienstag zu einem jähen Ende. Es ist davon auszugehen, dass am 31. August auch die Mitglieder der Korean Metal Workers’ Union die Einigung per Abstimmung absegnen werden. Am Freitag hatten sie den Automobilkonzern zum ersten Mal in zehn Jahren für einen ganzen Tag bestreikt. Fast 40.000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter legten ihre Arbeit nieder und so die Fabriken an drei Standorten lahm. Seit dem Beginn der Verhandlungen im Mai hatten mehrere Warnstreiks von nur wenigen Stunden stattgefunden. Mit dem eintägigen Streik am Freitag und noch einmal vier Stunden am Montag summiere sich das auf insgesamt 64 Stunden Arbeitsniederlegung, rechneten mehrere südkoreanische Medien übereinstimmend vor.

Anscheinend war die Gewerkschaft mit Maximalforderungen in die Verhandlungen gegangen, um den Konzern unter Druck zu setzen und das Meiste herauszuholen. 149.000 Won Gehaltserhöhung schrumpften im Laufe der Verhandlungen auf 100.000 Won (62 Euro) beziehungsweise 4,1 Prozent des Durchschnittsgehalts, berichtete Reuters am Montag. Die Anhebung der Bonigrenze von 750 Prozent auf 800 Prozent des Monatsgehalts sei in einen Deal von 400 Prozent Monatsgehalt und 12,5 Millionen Won zuzüglich 15 Aktien und einigen betrieblichen Wohlfahrtspunkten umgewandelt worden, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Das begünstigt vor allem den Konzern, der damit Monatsgehalt und Boni zu einem großen Teil entkoppeln konnte.

Letzteres bezeichneten weniger aufmerksame Journalisten bei Yonhap als durchgesetzte Gewerkschaftsforderung respektive als ganze 50 Prozent höhere Boni, was man getrost als Falschbehauptung bezeichnen kann. Schließlich ging es um eine Anhebung der bestehenden Grenze um bloße 6,7 Prozent. Dennoch griff AFP dieses Narrativ auf. Und auch sonst bekam die Kapitalseite von Südkoreas Medien reichlich Rückendeckung. Der Konzern verzeichnete aufgrund der Streiks laut Yonhap Produktionsverluste im Wert von rund 55.000 Fahrzeugen, gerade dann, als neue Modelle das Geschäft beleben sollten. Vor dem Hintergrund dieses medialen Drucks überrascht es nicht, dass die Gewerkschaft letztlich dem schlechten Deal zugestimmt hat.

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Auch beim dritten großen Streitpunkt hatte die Gewerkschaft nur mäßigen Erfolg und wurde auf die kommende gesetzliche Änderung vertröstet: die Erhöhung des obligatorischen Austrittsalters aus dem Arbeitsleben von 60 auf 65. Die Demokratische Partei, die im Parlament die Mehrheit hat, erarbeitet gerade ein Konzept, um das Rentenalter bis 2037 Schritt für Schritt auf 65 zu erhöhen. Eigentlich soll das die Rente retten, die zwar verhältnismäßig karg ausfällt, für deren Finanzierung aber dennoch zu wenige junge Arbeitskräfte einzahlen. Im südkoreanischen Mediendiskurs beschwört man besonders die Angst vor der Kluft zwischen Arbeitsende und dem Bezug staatlicher Renten, die sich theoretisch ergeben könnte, wenn die Konzerne vorher die Leute entlassen.

Aber im südkoreanischen System verschärft das alles vor allem ein Problem: Wenn die Alten länger im Betrieb bleiben, werden weniger Stellen für die Jüngeren frei, was die hohe Jugendarbeitslosigkeit abermals befeuern würde. Zusätzlich müssten südkoreanische Konzerne dann auch schleunigst ihre Regeln für Beförderungen und Gehaltserhöhungen ändern, da sich diese bisher vor allem an Alter und Dienstjahren orientieren. Sonst profitiert von dem höheren Rentenalter am Ende überproportional die ältere Bevölkerung in Staats- und Großunternehmen. Die Konzerne dürften entsprechende Mehrausgaben auf Kosten der jüngeren Lohnabhängigen wieder eintreiben, etwa durch zögerlichere Neueinstellungen und geringe Einstiegsgehälter.

Während bei Hyundai Motors der Streik vorbei ist, beginnt er ab Mittwoch beim Schwesterkonzern Kia. Dort fordert man, wie auch bei den Chipherstellern mit ihren exorbitanten Gewinnen, dass ein fester Anteil der Profite als Boni an die Arbeiterschaft ausgezahlt wird. Allerdings sieht es nicht so aus, als ob die Gewerkschaft das ausgegebene Ziel von 30 Prozent erreichen kann.

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.08.2026, Seite 15, Betrieb & Gewerkschaft

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