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28.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Große Boni statt großer Streik
Südkorea: Samsung-Belegschaft stimmt Vereinbarung mit Konzern zu. Unmut bei Kapital, Regierung und Teilen der Gewerkschaften
Knapp eine Woche lang konnten die Beschäftigten von Samsung Electronics über den Deal abstimmen, der in letzter Minute unter Vermittlung der Regierung ausgehandelt wurde, um einen Arbeitsausstand historischen Ausmaßes abzuwenden. Am Mittwoch stand das Ergebnis fest: Die Belegschaft hat den Vorschlag mit einer Mehrheit von 74 Prozent bei mehr als 62.000 abgegebenen Stimmen angenommen. Die Beschäftigten im Zweig des südkoreanischen Technologiekonglomerates dürfen sich auf satte und hart erkämpfte Zusatzzahlungen freuen. Weniger zufrieden sind nicht nur Kapitalvertreter, sondern auch Regierung und andere Gewerkschaften.
Die Frage der Boni war der wesentliche Punkt bei dem monatelangen Konflikt zwischen den Gewerkschaftern und der Geschäftsführung gewesen. Sie waren zuvor hart gedeckelt und konnten maximal halb so hoch wie das Gehalt ausfallen. Angesichts der exorbitanten Gewinne, die Samsung und besonders der auf Computerprozessoren spezialisierte Zweig bei Samsung Electronics einbringt, forderten die Beschäftigten hier eine größere Beteiligung. Der nun ausgehandelte Kompromiss sieht vor, dass 10,5 Prozent der Gewinne aus der Halbleitersparte für solche Boni beiseitegelegt werden. Die Ausschüttung erfolgt in Aktien, die teilweise einer Verkaufssperre unterliegen. Zusammen mit weiteren vereinbarten Zusatzzahlungen entspricht das übereinstimmenden Medienberichten zufolge einem Bonus von umgerechnet rund 300.000 Euro pro Person.
Ein Detail, das vor allem die Regierung hellhörig werden lässt: Die 10,5 Prozent für Bonuszahlungen werden aus dem operativen Ergebnis, also dem Gewinn vor Steuern, abgezogen – ein durchaus unübliches Arrangement und laut Medienberichten erst das zweite dieser Art in der südkoreanischen Geschichte. »Institutionell einen Anteil des Gewinnes zu verteilen, bevor Steuern abgezogen werden, die man als den Anteil der Allgemeinheit bezeichnen könnte – das ist etwas, das nicht einmal Investoren können«, sagte der eigentlich als gewerkschaftsfreundlich geltende südkoreanische Präsident Lee Jae Myung laut Reuters bei einer Kabinettssitzung vergangene Woche.
Stichwort Investoren: Anteilseigner von Samsung gingen während der Abstimmung über den Kompromiss ebenfalls auf die Barrikaden. Immerhin geht der Deal direkt zu Lasten der Dividendenhöhe. Ein Zusammenschluss individueller Shareholder drohte eine Klage an, weil die Vereinbarung ihrer Ansicht nach von einer Aktionärsversammlung hätte abgesegnet werden müssen. Schon am vergangenen Donnerstag gab es Proteste von Investoren nahe dem Haus von Lee Jae-yong, dem Vorsitzenden von Samsung Electronics.
Bei den übrigen Gewerkschaften fielen die Reaktionen auf den Deal gemischt aus. Wie Reuters darlegt, überlegen verschiedene südkoreanische Gewerkschaften, ähnliche Regelungen für Zusatzzahlungen zu fordern, oder tun das bereits. Demnach spielen unter anderem die Beschäftigten beim Internetkonzern Kakao, beim Schiffbauer Hyundai Heavy Industries sowie bei Samsung Biologics mit derartigen Gedanken. Die Kapitalseite lassen solche Perspektiven offenkundig nicht kalt: »Die Vereinbarung spiegelt Samsung Electronics spezielle Umstände, und Arbeitnehmergruppen sollten es nicht verallgemeinern und überzogene Bonusforderungen auf alle Branchen ausweiten«, so die Lobbyorganisation Korea Enterprises Foundation.
Allerdings ist auch die Seite der Beschäftigten keineswegs geeint. So hat die Samsung Electronics Company Union (SECU) eine Klage eingereicht, um die Abstimmung aufzuheben, wie die Korea Times berichtete. Die SECU vertritt demnach vor allem Beschäftigte aus der Mobil- und Heimgerätesparte des Unternehmens, während die Einigung mit der Samsung Electronics Labor Union (SELU) ausgehandelt wurde, deren Mitglieder vor allem aus dem Halbleitersektor kommen. SECU habe die Verhandlungen abgebrochen, bevor die SELU ein Ergebnis mit dem Konzern erreicht hatte, weil aus ihrer Sicht die Interessen ihrer Mitglieder nicht genügend berücksichtigt worden waren. Die Boni von 10,5 Prozent des Unternehmensgewinns sollen nur für die Angestellten der Computerchipdivision gelten, während die Gerätedivision mit deutlich weniger auskommen soll, da die Zusatzzahlungen an die jeweilige Profitabilität der Sparte gekoppelt sind. Dass die Klage zu einer Aufhebung des Abstimmungsergebnisses führen wird, gelte als eher unwahrscheinlich.
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