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Maghreb

Madrid bangt um Exklaven in Marokko

USA wollen Spanien für verweigerte Bündnistreue bestrafen

Foto: IMAGO/Anadolu Agency
Die letzten Regierungskonsultationen in Madrid verliefen betont harmonisch (4.12.2025)

Was, wenn der wichtigste imperialistische Verbündete einen im Stich und mit den eigenen kolonialen Praktiken im Regen stehen lässt? Diese Frage muss sich derzeit die spanische Linksregierung stellen. Seit sie am 11. März ihren Botschafter in Israel abberief und zugleich den USA mit Blick auf den Iran-Krieg Überflugrechte entzog und die Nutzung ihrer Marine- und Luftwaffenstützpunkte in Andalusien verweigerte, spielt Washington eine neue Karte aus. Es geht darum, die Zugehörigkeit insbesondere der nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Spanien in Frage zu stellen – natürlich zugunsten Marokkos.

Am Sonnabend und Sonntag vermeldeten die marokkanischen Internetzeitungen Yabiladi und Bladi.net, die Nervosität in Madrid wachse. Am 1. Mai hatte der US-Staatssekretär für Armeeangelegenheiten, Daniel P. Driscoll, Marokko besucht. Yabiladi erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass Spanien über keine NATO-Garantien für die Verteidigung Ceutas und Melillas verfügt, obwohl es den Versuch dazu etwa beim NATO-Gipfel in Madrid 2022 unternommen hatte.

Kaum war der spanische Botschafter aus Israel abgezogen, hatte Michael Rubin, Chefforscher beim neokonservativen American Enterprise Institute sowie »Direktor für politische Analyse« beim Middle East Forum, in einem Artikel Spanien als »Kolonialmacht« bezeichnet, deren Exklaven in Nordafrika »besetzte Territorien« seien. Wenige Tage später rief er König Mohammed VI. zu einem neuen »Grünen Marsch« auf, in Anspielung auf die von seinem Vater, Hassan II., 1975 organisierte Massenkundgebung zur symbolischen Besitznahme der spanischen Kolonie Westsahara.

Vorige Woche berichtete die rechte spanische Onlinezeitung El Confidencial, die US-Regierung plane, Spaniens Mitgliedschaft in der NATO zu suspendieren und marokkanische Forderungen auf »Rückgewinnung« der spanischen Exklaven zu unterstützen. Der marokkanische Analyst Amine Ayoub kommentierte in der israelischen Tageszeitung Jediot Acharonot, entsprechende Stellungnahmen erfolgten nicht isoliert, sondern bildeten »die Architektur einer strategischen Neupositionierung« seitens der USA.

Zugleich intensiviert sich die Vorbereitung auf den absehbaren Machtwechsel an der Spitze der marokkanischen Monarchie in Form der Ersetzung des gesundheitlich angeschlagenen Königs Mohammed VI. durch Kronprinz Hassan. Am Sonnabend verkündete ein offizielles Kommuniqué, der 22jährige sei zum »Koordinator der Büros und Dienste des Generalstabs der Armee« ernannt worden. Diesen Posten, eine zentrale militärische Funktion, hatte bis dahin der amtierende Monarch selbst inne.

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Erschienen in der Ausgabe vom 04.05.2026, Seite 6, Ausland

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