Kolonialherr des Tages: Christopher Nolan
Auf ihrer Irrfahrt nach der Zerstörung Trojas treffen Odysseus und die Seinen bekanntlich die Zauberin Kirke. Die misstraut den Fremden und reicht ihnen einen Trank, der sie in Schweine verwandelt – entsprechend ihrer inneren Natur. Der gefeierte britisch-US-amerikanischer Filmregisseur Christopher Nolan ist weit gereist, um seine Vision des homerischen Epos auf die Leinwand zu bringen. Gedreht hat er Teile in der Stadt Dakhla. Die liegt aber nicht irgendwo, sondern in der seit Jahrzehnten von Marokko illegal besetzten Westsahara. Um vollendete Tatsachen zu schaffen und seine Besetzung des Landes dauerhaft zu festigen, baut das nordafrikanische Königreich dort gegenwärtig fleißig Ferien- und andere Anlagen. Nolans Dreharbeiten dürften Rabat als Werbemaßnahme daher sehr entgegengekommen sein.
In Schweine verwandelt wurden Nolan, Tom Holland und Zendaya jedenfalls nicht, als sie im windigen Dakhla mit seinen Traumstränden weilten. Gleichwohl hat ihr Aufenthalt unter den Sahrauis wenig Gefallen bewirkt. So heißen die rechtmäßigen Einwohner der Westsahara, von denen ein großer Teil seit Jahrzehnten unter schwierigsten Bedingungen in Flüchtlingslagern beim algerischen Tindouf lebt. Seit einem Jahr fordert das von ihnen veranstaltete Filmfestival Fisahara, dass Nolan endlich Stellung bezieht zur Kolonialsituation in ihrer geraubten Heimat und die dort gedrehten Szenen nicht verwendet. Doch der hüllt sich in Schweigen. So ruft Fisahara vor dem Kinostart des Films in der kommenden Woche dazu auf, Nolans »Odyssee« zu boykottieren. Die nicht zuletzt insofern die Sahrauis verhöhnt, als viele von ihnen durch Krieg und Besetzung in den vergangenen Jahrzehnten tatsächlich eine Odyssee durchmachen mussten. Genug Stoff für einen wahrhaftigen Film, woran Nolan aber kein Interesse zu haben scheint.
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