Brandstifter gegen Waldbrände
Spanien hat andauerndes Problem mit Wildfeuer. Mit dem Klimawandel werden diese gefährlicher, das zeigt der Fall von Los Gallardos bei Almería
In Andalusien wüten Waldbrände. Auf Anzeigetafeln an der Autobahn werden die Autofahrer gewarnt: »Extrem hohe Waldbrandgefahr. Das Wegwerfen einer Zigarette aus dem Autofenster wird mit sechs Punkten im Führerscheinregister bestraft.« Inzwischen wissen die meisten Menschen, wie sich Waldbrände vermeiden lassen. Dennoch brechen sie jeden Sommer erneut aus – häufiger als früher, größer und immer schwieriger zu kontrollieren. Hitzewellen, anhaltende Trockenheit und starke Winde schaffen ideale Bedingungen für die Ausbreitung der Flammen.
In der vergangenen Woche tobte ein verheerendes Feuer in der Nähe von Los Gallardos in der andalusischen Provinz Almería. Dabei starben 12 Menschen, acht wurden verletzt und 23 werden noch vermisst. Nachdem die Brände 7.000 Hektar Buschland und Wald verwüstet hatten, habe man das Feuer am Sonntag unter Kontrolle gebracht, teilte der andalusische Ministerpräsident, Juan Manuel Moreno, gleichentags mit. Einsatzkräfte des andalusischen Waldbrandnotfallplans und der militärischen Notfalleinheit hätten die ganze Nacht hindurch Nachlöscharbeiten durchgeführt, um das Brandgebiet abzusichern und Glutnester mit Hilfe von Drohnen aufzuspüren, zitierte El País.
Zahlreiche Menschen wurden durch die Brände zur Flucht gezwungen und konnten ihre Dörfer zeitweise nicht betreten. Sie mussten in Sporthallen und improvisierten Heimen untergebracht werden. Rund 340 Feuerwehrleute, 220 Soldaten und 240 Polizisten der paramilitärischen Guardia Civil sowie sechs Löschflugzeuge waren an der Brandbekämpfung beteiligt. Beim Ausbruch der Feuer am vergangenen Donnerstag hatte die Regierung zunächst geraten, zu Hause zu bleiben. Es wird vermutet, dass die zwölf Verstorbenen diesen Rat nicht beachteten und über vermeintlich sichere Straßen fliehen wollten. Das erwies sich als tödliche Falle.
Erneut hat sich gezeigt, wie sehr der trockene Südosten Spaniens den Folgen der Klimakrise ausgeliefert ist. Doch die Wasserknappheit und die fortschreitende Wüstenbildung in Teilen Andalusiens werden in der »Prioridad nacional«, dem nationalen Prioritätenplan der andalusischen Regionalregierung, nicht erwähnt. Morenos konservativer Partido Popular (PP, spanisch für Volkspartei) hat die »nationale Priorität« im Koalitionsvertrag für die Regierung mit der extrem rechten Partei Vox festgelegt, wie schon in anderen spanischen Regionen wie Aragón oder Extremadura.
Obwohl Andalusien besonders stark unter den Folgen der Klimakrise leidet, rückt die Regierung die Migrationspolitik in den Mittelpunkt. Vox leugnet den menschengemachten Klimawandel seit Jahren oder spielt seine Bedeutung herunter. Die »Priorität« der Rechten ist die Herkunft der spanischen Bevölkerung. PP und Vox wollen den Zugang zu öffentlichen Leistungen und Sozialhilfen nach einer »tatsächlichen, dauerhaften und nachweisbaren Verwurzelung« (span. Arraigo) in einer Region gewähren und nicht ausdrücklich nach der Staatsangehörigkeit. Dabei werden Kriterien wie die Dauer des Wohnsitzes, familiäre und berufliche Bindungen sowie geleistete Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt. Vox versteht darunter vor allem den Grundsatz »Spanier zuerst«. Bisher wäre ein solches Vorgehen jedoch gegen die spanische Verfassung. Bei den Wahlen nächstes Jahr könnte der PP siegreich sein und damit diese »prioridad nacional« auch zu einem nationalen Thema werden.
Damit wird die Debatte verschoben und eine deutlich härtere Einwanderungspolitik gefordert: Während Waldbrände, Wasserknappheit und steigende Temperaturen den Alltag vieler Menschen prägen, werden Migranten auch hier zu Sündenböcken gemacht. Dabei sind sie (nicht nur) in Andalusien unverzichtbar und ihre verschärfte Ausbeutung Quelle des Reichtums. Das zeigt auch das rund 3.100 Einwohner zählende Dorf Los Gallardos: Etwa 40 Prozent der Bevölkerung stammen aus dem Ausland. Viele arbeiten in der Landwirtschaft, im Baugewerbe oder im Tourismus und tragen wesentlich zum wirtschaftlichen Leben der Gemeinde bei. Ohne ihre Arbeitskraft würden zahlreiche Betriebe kaum funktionieren.
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