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Regionalwahlen in Spanien

Worin liegt die Wurzel der Ungleichheit in Andalusien?

Spanien: Sieben Parteien haben den Ruf der Bevölkerung erhört und ein Wahlbündnis gebildet, erklärt Maria Jesús Amate Ruiz

Foto: IMAGO/Europa Press

An diesem Sonntag finden in Andalusien Regionalwahlen statt. Sie treten für das linke Bündnis »Por Andalucia« an. Insgesamt sieben Parteien haben sich dafür zusammengeschlossen: Izqiuerda Unida, Sumar, Podemos, Iniciativa del Pueblo Andaluz, Alternativa Republicana, Alianza Verde und Verdes Equo. Wie kam es dazu?

Die Idee entstand, weil der Ruf danach aus der Bevölkerung kam. Wir handeln aus politischer Verantwortung, denn die Spaltung der Linken führt dazu, dass sich die Stimmen auf viele Parteien verteilen. Wenn wir aber die rechte Regierung in Andalusien ablösen wollen, müssen wir uns alle zusammenschließen, um die Stimmen zu bündeln.

Was sind die zentralen Programmpunkte von »Por Andalucia«?

Wir möchten generell den Primärsektor stärken, wie Landwirtschaft und Fischerei, und setzen uns für die Interessen und für gute Arbeitsbedingungen der gesamten Arbeiterklasse ein. Wir wollen die Rückverstaatlichung der öffentlichen Dienstleistungen durchsetzen und das Wohnungsproblem in Andalusien lösen. Im Gesundheitswesen muss vor allem die Grundversorgung gewährleistet sein. Konkret bedeutet das die Verkürzung der Wartezeiten für einen Arzttermin und die Aufstockung des Personals, sowohl bei den Hausärzten als auch bei den Fachärzten. Die zerstörerische Privatisierung wollen wir überwinden, indem die Verträge mit privaten Kliniken gekündigt werden. Die rechten Parteien transferieren Gelder von den öffentlichen Dienstleistungen in den privaten Sektor. Das führt zu katastrophalen Verhältnissen. Es war zuvor lange Zeit so, dass selbst arme Beschäftigte oder Pflegebedürftige grundsätzlich versorgt wurden. Aber in den letzten Jahren hat der konservative Partido Popular, PP, all das aufs Spiel gesetzt. Zugang zu Wohnraum, zu grundlegenden Leistungen und Arbeitsrechten, Zugang zu medizinischer Behandlung, zu Bildung und Universitäten wurde immer mehr begrenzt.

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Wie sind die Arbeitsbedingungen in Almería?

Es gibt zum Glück viele Arbeitsplätze. Die Region ist dank Landwirtschaft und Tourismus ein Wirtschaftsmotor. Aber leider ist es so, dass wir innerhalb Andalusiens die Provinz mit den niedrigsten Löhnen sind. Wir haben die schlechtesten Tarifverträge. Zwischen Almería und Málaga gibt es beispielsweise im Gastgewerbe oder im Baugewerbe einen Lohnunterschied von bis zu 500 Euro im Monat. Wir schlagen daher vor, dass die Arbeitsbedingungen menschenwürdiger gestaltet und die Tarifverträge angeglichen werden. Der Durchschnittslohn liegt bei unter 1.000 Euro. Das ist inakzeptabel.

Wo liegen die historischen Wurzeln dieser Ungleichheit?

Der Ursprung der Ungleichheit liegt in der Mentalität der Unternehmer und Großgrundbesitzer in der Landwirtschaft, die die Gewinne behalten wollen. Sie haben eine feudale Denkweise und glauben, dass sie immer noch die absolute Macht haben und die Menschen weiterhin in eine Art Sklaverei zwingen können. In Almería gibt es keine sehr gut organisierte Arbeiterklasse, die sich der Macht, die sie hat, wirklich bewusst ist. Zudem sind diejenigen, die sich organisieren, oftmals Repressionen, Drohungen und Übergriffen ausgesetzt oder sie werden gekündigt. Derzeit sind in zehn Branchen Tarifverträge ausgelaufen, darunter so wichtige, wie der für den Transportsektor oder der für die Frauen in der Obst- und Gemüseverarbeitung und -verpackung, Sie arbeiten 46 Stunden die Woche unter schlechten Bedingungen. Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung, die zu Tausenden in Gewächshäusern arbeiten, werden noch stärker ausgebeutet. Die Gewerkschaften bräuchten mehr Stärke auf der Straße, aber das zu organisieren fällt ihnen wirklich schwer. Derzeit wird über den Tarifvertrag für die Obst- und Gemüsearbeiter verhandelt und die Gewerkschaften finden nicht die Kraft, diese 30.000 Frauen auf die Straße zu bringen. In Granada arbeiten in dem Sektor 5.000 Frauen und da sind fast 4.000 auf die Straße gegangen und hier kommen von 30.000 vielleicht 1.000.

Wie kommt es, dass in Andalusien seit zwei Legislaturperioden der PP regiert?

Das geschieht auch, weil sich die Menschen nicht als Arbeiterklasse betrachten. Als die liberalen Parteien entstanden, hat sich die Vorstellung durchgesetzt, dass wir alle zur Mittelschicht gehören. Die Sozialistische Partei PSOE hat die Regionalregierung von Andalusien verloren, weil sie dem privaten Kapital die Tür zur Verwaltung öffentlicher Dienstleistungen geöffnet hat. Und wenn man diese Tür öffnet, kommen die »Experten« der Rechten und verschlimmern alles. Nun wollen wir diese Privatisierungen rückgängig machen und auf 100 Prozent öffentlich setzen. Bei diesen Wahlen geht es darum, ob das Unternehmertum profitiert oder die Menschen gut leben können.

Maria Jesús Amate Ruiz ist Stadträtin in Huércal de Almería und kandidiert für das linke Parteienbündnis »Por Andalucia« in der Provinz Almería bei den Wahlen zum andalusischen Regionalparlament, die an diesem Sonntag stattfinden

Themen:
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Erschienen in der Ausgabe vom 16.05.2026, Seite 2, Ausland

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